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Autoindustrie Wandel zur Elektromobilität: Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Durch Abkehr vom Verbrennungsmotor könnten bis 2025 über 100.000 Arbeitsplätze wegfallen, zeigt eine Ifo-Studie. Daher kritisiert der Verband der Automobilindustrie die Verschärfung des Klimaschutzziels.
06.05.2021 - 12:05 Uhr 7 Kommentare
Jobs wie diese wird es in der Autoindustrie auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Quelle: dpa
Montage eines Verbrennungsmotors

Jobs wie diese wird es in der Autoindustrie auf absehbare Zeit nicht mehr geben.

(Foto: dpa)

Berlin Durch die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb könnten in der Autoindustrie und in verbundenen Branchen bis 2025 mindestens 178.000 Jobs auf dem Spiel stehen. Im selben Zeitraum werden in der Produktion von Fahrzeugen und Teilen aber nur rund 75.000 Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Die altersbedingte Fluktuation allein wird also nicht helfen, die anstehende Transformation auf dem Arbeitsmarkt zu bewältigen.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Ifo-Instituts im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA). „Vor allem für die mittelständisch geprägte Zuliefererbranche ist der Übergang zur Elektromobilität eine große Herausforderung“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Wichtig sei, in der verbleibenden Verbrennerproduktion und bei Elektrofahrzeugen hochqualifizierte Jobs zu erhalten, ohne den Strukturwandel aufzuhalten.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte, die Transformation müsse aktiv gestaltet werden. Beschäftigte, deren Arbeitsplatz bedroht sei, bräuchten neue Perspektiven. Davon hänge „die Stabilität ganzer Regionen“ ab. Im Saarland beispielsweise steht die Fahrzeug- und Zuliefererindustrie für rund 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

Altersbedingte Fluktuation kann Umbruch nur bedingt abfedern

Die Ifo-Experten legen bei ihren Berechnungen die von der EU-Regulierung vorgegebenen Flottengrenzwerte für den Kohlendioxidausstoß zugrunde. Sollen sie erreicht werden, muss der Anteil elektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen in der EU von rund 3,5 Prozent im Jahr 2019 auf 29 bis 36 Prozent ab dem Jahr 2025 steigen.

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    Die Spanne hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Frage, inwieweit sich auch die Emissionen konventioneller Antriebe weiter reduzieren lassen oder wie erfolgreich verbrauchsreduzierende Hybridfahrzeuge auf dem Markt sind. Im Jahr 2035 müssten schon zwischen 35 und 47 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Elektroantrieb haben.

    Entsprechend würden bei der Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor Arbeitsplätze wegfallen. Von den mindestens 178.000 Beschäftigten, die bis 2025 betroffen sein werden, entfallen 137.000 auf die Autoindustrie selbst. Der Rest steht bei der Herstellung von Produkten auf dem Spiel, die indirekt mit Verbrennungsmotoren zu tun haben, beispielsweise Dieselkraftstoff oder Schaltgetriebe. Allerdings haben die Forscher keine neuen Arbeitsplätze gegengerechnet, die beispielsweise rund um Softwareanwendungen in der Autoindustrie neu entstehen.

    Bis 2030 wären dann nach den Ifo-Berechnungen schon mindestens 215.000 Beschäftigte betroffen, davon 165.000 in der Autoindustrie selbst. Die altersbedingte Fluktuation kann nur einen Teil dazu beitragen, diesen Umbruch abzufedern.

    Bis 2025 werden rund 38.800 Beschäftigte im Fahrzeugbau in den Ruhestand gehen, gut 36.000 weitere in der Herstellung von Teilen. Bis 2030 gehen in der Autoindustrie voraussichtlich 147.000 Beschäftigte in den Ruhestand, davon 73.000 im Fahrzeugbau.

    Die verbleibende Lücke zwischen wegfallenden Jobs und der Zahl der Renteneintritte lasse sich schon jetzt absehen, sagt Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Die Unternehmen hätten also „die Möglichkeit, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel Umschulungen und Weiterbildung“.

    VDA-Präsidentin Müller kritisiert deutschen Alleingang bei Verschärfung des Klimaziels

    Nach Ifo-Berechnungen sank der Produktionswert der direkt von der Transformation zur Elektromobilität betroffenen Produktgruppen bereits zwischen 2015 und 2019 um mehr als 22 Milliarden Euro oder rund 13 Prozent. Die Zahl der mit der Produktion befassten Beschäftigten verringerte sich aber nur um rund zwei Prozent. Parallele Produktionsstrukturen – also Produktion und Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren bei gleichzeitiger Hinwendung zum Elektroantrieb – erforderten noch viel Personal, sagt Falck.

    Scharfe Kritik übte VDA-Präsidentin Müller an der von der Bundesregierung angekündigten einseitigen Verschärfung der Klimaziele, ohne eine Gesetzesfolgenabschätzung vorzunehmen. „Gute Gesetzgebung sieht anders aus“, sagte sie. Die Bundesregierung hatte sich nach dem Klimaschutz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf eine Anpassung des Klimaschutzgesetzes verständigt.

    Dem Entwurf zufolge soll der Verkehrssektor im Jahr 2030 nicht mehr 95 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen dürfen, sondern nur noch 85 Millionen Tonnen. „Wichtig ist bei jeder Zielverschärfung eine industriepolitische Einbettung“, betonte Müller. Bisher sei aber überhaupt nicht klar, wie die verschärften Klimaziele erreicht werden sollen.

    Auch Ifo-Präsident Fuest kritisierte den deutschen Alleingang ohne europäische Koordinierung: „Ich kann mir das, ehrlich gesagt, nur mit dem Wahlkampf erklären“, sagte er.

    Mehr: Entwurf des Klimaschutzgesetzes: Diese Belastungen kommen auf die Wirtschaft zu

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    7 Kommentare zu "Autoindustrie: Wandel zur Elektromobilität: Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Torsten Gröschl
      German Angst passt eher zu einen nichts tuen Szenario, denn man hat Angst die Wirtschaft zu schädigen und verpasst dadurch die ganzen Technologischen Neuheiten die wir sonst entwickelt und einen gesicherten Absatzmarkt gehabt hätten.

    • Scholz hat in HH 1 Milliarde Steuergeld mit Vattenfall Aktien verzockt,van der Leyen hat 200 Mio Steuergelder für Berater zur Restrukturierung der Truppe versengt, vor de Untersuchungsausschuss gelogen, konnte sich natürlich auch an nichts erinnern, jeder Leiharbeiter hätte sofort die Kündigung erhalten, Politiker , Manager , Gewerkscafter lügen betrügen, nehmen Vorteil usw.
      Ein pensionierter Vorstand von VW aus der LKW Sparte erhält 63000 Euro Rente von VW, alles mit Zustimmung der IG Metall, noch Fragen an diese völliv verwahrloste Bananenrepublik? Das ist schlimmere Korruption als als in der "DDR"! Alles legal und rechtens das solche Verbrecher hier frei herumlaufen und auch noch hohes Ansehen vom völlig verblödeten deutschen Bürger geniessen, diese sind ebenfalls durch ihre Kleinbürgerlichkeitund Obrigkeitsdenken mitzuverurteilen, ja sind Voraussetzung für solche Zustände, nur so konnte Hitler an die Macht gelangen! Armes Deutschland, in der digitalen Bildung noch hinter Estland Mazedonien und Albanien!
      Fute Nacht Deutschland, dieses Land hat fertig!

    • 100000 tausend direkte jobs sind 200 bis 300000 jobs insgesamt, vlt begreifen das die rot rot grünen Spatzenhirne einfach mal, eine verschärfung ist völlig sinnfrei solange verbrecherische Chinesen und Unternehmern sich einen Dreck um Umweltschutz kümmern,
      hier werden immer mehr sinnlose Auflagen gemacht,schon jetzt hat Germany die höchsten Strompreise der Welt! Ökonomischer Grössenwahn was rot rot grün vorhat, auf keine Fall solche Versager wie Baerbock scholz oder Habeck wählen, das ist der sicherste Totalruin diese Landes!!!

    • Die German Angst wird wird schon dafür sorgen, dass wir unsere Witschaft aufgeben und glückklich mit dem Radl zum nicht mehr vorhandenen Arbeitsplatz fahren, um dort zu picknicken.

    • 100T.Jobsverlust wäre meiner meinung nach noch als großer erfolg zu werten.alleine im giessereiwesen die automobilzulieferer waren,sind ja bereits die letzten 2 jahre ca.50-100T jobs durch insolvenz verloren gegangen und nicht wegen corona.die zulieferer vor allem die"kleineren"unter 3000T.mitarbeitern hat es nachweislich schlimm erwischt.zum anderen werden seit geraumer zeit im großem stil nicht nur branchen(die man heute als
      dreckige industrie bezeichnet)wie giessereien ins ausland z.b china verlagert,sondern auch komplette entwicklungen,siehe mercedes -gemeinsames neues unternehmen mit geely in china wo neue verbrenner motoren für den weltmarkt,ausser für europa entwickelt werden.in einpaar jahren werden wir uns eventuell die augen reiben wieviel arbeitsplätze verloren gegangen sind,aber dann kann man es ja ,wie bei den dann aufgehäuften schulden auf corona schieben.die jetzigen politiker und diejenigen die dies alles zu verantworten haben werden dies alles nicht mehr zu verantworten haben(die pensionen sind sicher).

    • Es scheint nur noch ein einziges Thema neben Corona in Deutschland zu geben.

      Wenn ich mir im Deutschen Bundestag die aktuellen Debatten so anschaue und sehe wer dort spricht und über was, wundert mich vieles nicht.

      Noch scheint Deutschland, sowie auch in den letzten beiden Jahrzehnten, von seiner Old Econmy zu profitieren.

      Ich sage: "Zum Glück".

      Ob das auch noch in den nächsten beiden Jahrzehnten so funktionieren wird, da habe ich im Zeitalter von 4.0 meine erheblichen Zweifel.

      Vor allem,weil das qualifizierte Humankapital immer mehr fehlt und abhanden kommt und die Konzernlenker es nicht in der Digitalisierung verstehen, dass man auch Geld in die Hand nehmen muß. Und das betrifft nicht nur in unserem Hochsteuerland das Budget um hochqualifiziertes und fähiges Personal Anreize zu schaffen im eigenen Land zu bleiben.

      Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass 150.000 bis 200.000 Euro Brutto diese Leute nicht zu bekommen sind.

      Für Menschen in diesem Land aus den MINT Fächern und einer Promotionsarbeit mit Summa cum laude bei einer Exzellenten-Uni und einigen Jahren Berufserfahrung wird das nicht mehr reichen Top-Leute binden zu können.

      Vermutlich ist es sogar besser ohne einen Abschluß gleich in die Politik zu gehen.

      Der Bundestag soll ja den repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung in Deutschland darzustellen.

      Heute sind wir dabei näher als je zuvor.

    • Neulich gab es hier einen Artikel in dem von Studien des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation sowie dem Center Automitive Research von Ferdinand Duedenhöffer berichtet wurde, diese kamen zu einem ganz anderen Ergebnis. Dudenhöfer erwartet gerade mal 15000 Jobverluste in den Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und der Slowakei.

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