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Automatisiertes Fahren Autobauer sollen für Roboter-Autos haften

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Ethikkommission soll Leitlinien erarbeiten

Angesichts der zunehmenden Vernetzung und Automatisierung von Fahrzeugen warnt der VZBV zudem vor Datenmissbrauch. „Durch das Anbieten von Prämienrabatten können Verbraucher zur Übermittlung ihrer Fahrdaten ermutigt werden, ohne die langfristigen Folgen abschätzen zu können.“ Aus Sicht der Verbraucherschützer dürfen Daten etwa über Verkehrsinfrastruktur oder Parkplätze nicht Eigentum einzelner Hersteller sein und nur deren Kunden zur Verfügung stehen, sondern sie müssten Allgemeingut – Stichwort: „Open Data“ - werden.

Der VZBV plädiert überdies insbesondere bei der IT im Auto für „Datenschutzzertifizierungen“ entsprechend der Datenschutz-Grundverordnung. „Zertifizierungsdienste müssen geeignete inhaltliche und organisatorische Vorkehrungen für Datenschutzzertifizierungen im automatisierten Fahrzeug treffen“, schreibt der Verband in seinem Positionspapier. „Verbraucher müssen dem Zertifikat auch ohne Fachkenntnisse entnehmen können, was und wie geprüft wurde.“ Kritisch sehen die Verbraucherschützer auch, das fast alle Daten in Fahrzeugen durch das Fahrverhalten oder die Fahrzeugnutzung beeinflusst würden und deshalb Rückschlüsse auf persönliche Lebensverhältnisse erlaubten. Halter, Fahrer und Beifahrer müssten daher „jederzeit die Mittel haben, ihr informationelles Selbstbestimmungsrecht wirksam durchzusetzen“.

Aus Sicht der Verbraucherschützer sind für das automatisierte Fahren auch „ethische Leitsätze“ notwendig. So dürften bei der Verarbeitung von Daten „keine differenzierenden (…) Merkmale wie zum Beispiel vorhandene Scoring-Werte, Informationen zum Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand oder Einkommen zur Entscheidungsfindung in unvermeidlichen Schadenssituationen, so genannten Dilemma-Situationen, hinzugezogen werden“, betont der VZBV.

Zur Begründung erklären die Verbraucherschützer, dass im Gegensatz zum intuitiven Handeln eines Menschen in schwierigen Situationen alle Aktionen eines Systems auf Algorithmen basierten, denen vorweg genommene Entscheidungen zu Grunde liegen. Keinesfalls dürften daher diese Fragen von Herstellern oder Modellen unterschiedlich geregelt werden. „Die Leitsätze dieser Entscheidungen“, so der VZBV, „müssen auf einem von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragenen Grundwertekanon basieren, um Akzeptanz der Technik auch unter Nichtnutzern zu garantieren.“

Solche Fragen dürften wohl auch Thema in der von Dobrindt ins Leben gerufenen Ethikkommission für das automatisierte Fahren sein. Die Kommission die vom ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio geleitet wird und der auch der VZBV-Chef Müller angehört, soll, so der von Dobrindt formulierte Auftrag, einen rechtlichen Rahmen erarbeiten, in dem sich von Computer gesteuerte Autos in Gefahrensituationen verhalten müssen und „an dem sich Programmierer orientieren können“.

„Wir setzen den Computer gleich mit dem menschlichen Fahrer“
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3 Kommentare zu "Automatisiertes Fahren: Autobauer sollen für Roboter-Autos haften"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herrn Nold ist 100%-ig zuzustimmen.

  • "Autobauer sollen für Roboter-Autos haften"

    Richtig wäre, "müssen für Roboter-Autos haften".
    Können oder wollen sie das nicht, sollen sie das Projekt "Roboter-Autos" einstellen.

    Ausserdem stellt sich diese Frage doch nur in Deutschland. In Amerika herrschen klare Verhältnisse: Würden durch ein sog. Roboter-Auto Menschen zu Schade kommen, dann gehen die Autobauer Pleite und die Arbeitnehmer werden arbeitslos.

  • Paul Getty hat die 6 wichtigsten Prinzipien des Erfolgs aufgestellt. Eine davon lautete: Man muss das Produkt oder die Dienstleistung, die man anbietet, garantieren. Genau das ist aber beim selbstfahrenden Auto, ähnlich wie damals bei der Kernkraft ein sehr großes Problem. Bei der Kernkraft liegt das Problem beim exorbitanten Schaden eines sehr unwahrscheinlichen Einzelereignisses, beim selbstfahrenden Auto hängt es an der schier unendlichen Anzahl von Möglichkeiten, die das System abfangen muss. Bei der Kernkraft haben Politiker (die alle noch nie in ihrem Leben für irgend etwas garantieren mussten) das Haftungsrisiko einfach auf den Steuerzahler übertragen. Ich hoffe, dass es beim selbstfahrenden Auto nicht genau so läuft. Das selbstfahrende Auto ist kein Uni-Projekt, das unter kontrollierten Randbedingungen irgendwie funktioniert, es ist ein Produkt dessen Funktion man millionenfach unter den unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen und Situationen zu garantieren hat. Daher sollten die Hersteller im eigenen Interesse die selbstfahrenden Eigenschaften auf eine Anzahl beherrschbarer Situationen beschränken, z.B. LKW die im Konvoi fahren. Hier wäre der Nutzen enorm, das Risiko beherrschbar. Alles was zwischen der Autobahn und dem Einparken in eine Parklücke passiert, sollte man dem Menschen überlassen. Overengineering ist Mist. Wir sollten uns darauf konzentrieren, Autos zu produzieren, die in der Gesamtbilanz ein Minimum an Energie verbrauchen und uns nebenbei auch einen kleinen Rest an Fahrspaß gönnt.

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