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Azubis Heftige Kritik an Ausbildungs-Minus in Dax-Konzernen

Deutschlands Großkonzerne haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze deutlich reduziert. Mittelstand und Politik haben dafür wenig Verständnis.
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Eine Handelsblatt-Umfrage hat ergeben, dass Deutschlands Top-Konzerne die Ausbildung deutlich zurückgefahren haben. Quelle: Daimler AG
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Eine Handelsblatt-Umfrage hat ergeben, dass Deutschlands Top-Konzerne die Ausbildung deutlich zurückgefahren haben.

(Foto: Daimler AG)

Berlin Der Rückgang der Lehrlings-Ausbildung in den Dax-Konzernen hat in Mittelstand und Politik teils heftige Kritik ausgelöst: „Renditegetriebene Kapitalgesellschaften, die trotz bester Auftragslage nicht bereit sind, junge Menschen auszubilden, sondern stattdessen am Markt fertige Fachkräfte lediglich über höhere Löhne abfischen, übernehmen keinerlei gesellschaftliche Verantwortung“, sagte Reinhold von Eben-Worlée, Präsident der Familienunternehmer, dem Handelsblatt.

Ausbildung habe eine „stabilisierende Bedeutung für unsere Gesellschaft“. Familienunternehmen bildeten vier von fünf Azubis aus und „übernehmen oft als einziger Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb Verantwortung in der Provinz, indem sie dort bleiben“, fügte er hinzu.

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mahnte: „Fachkräftemangel lässt sich nur durch Ausbildung erfolgreich verhindern. Das sollten auch die Dax-Unternehmen wissen, die heute weniger als früher ausbilden.“ Deutschland brauche „überall, im Handwerk, in den kleinen und mittleren Unternehmern und natürlich auch in den Dax-Unternehmen mehr und nicht weniger Ausbildung“. Das gelte umso mehr, als der digitale Wandel die Unternehmen vor besondere Herausforderungen stellt.

Eine Umfrage des Handelsblatts hatte ergeben, dass Deutschlands Topunternehmen die Ausbildung deutlich zurückgefahren haben. Von 28 Dax-Konzernen ist die Ausbildungsquote bei 19 im Lauf von zehn Jahren zurückgegangen. Erhöht hat sie sich nur bei fünf Unternehmen.

„Es ist ernüchternd und traurig, wie wenig sich gerade die großen Dax-Unternehmen in den letzten Jahren bemühen, unser erfolgreiches berufliches Ausbildungssystem zu erhalten und auszubauen“, sagte die SPD-Politikerin Yasmin Fahimi. „Kurzfristiges Denken sucht den billigsten Weg, nicht die qualitativ nachhaltigste Investition.“ Deutschland habe bisher „keine gesetzliche Ausbildungsquote, keine Umlagefinanzierung, keine Übernahmepflicht, sondern setzt auf Freiwilligkeit und Vernunft der Unternehmen. Wenn sich diese „aber zunehmend mit solchen Ausreden von diesem Selbstverständnis verabschieden, werden wir über andere Konsequenzen reden müssen“, drohte Fahimi.

„Der Mittelstand wird die berufliche Bildung nicht allein schultern können“, mahnt Jens Brandenburg (FDP). „Auch große Unternehmen stehen in der Verantwortung. Wer heute zu wenig ausbildet, soll morgen nicht über Fachkräftemangel jammern.“ Ähnlich klingt es bei den Grünen: „Ausbildung ist nicht nur Aufgabe des Mittelstandes. Fachkräftemangel beklagen und andererseits nicht ausbilden – das geht nicht“, sagte Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae. „Wer nicht ausbildet, trägt nicht zur Sicherung bester Wettbewerbsfähigkeit bei.“

„Enttäuschend“ findet Stefan Kaufmann (CDU), „dass nun gerade bei den großen Unternehmen die Ausbildungsquote sinkt“. Denn sie „tun sich wesentlich leichter, junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen als kleine und mittlere Unternehmen. Da darf man sich ruhig etwas mehr Engagement wünschen – auch im wohlverstandenen eigenen Interesse“. Schließlich trage die berufliche Bildung „maßgeblich dazu bei, dass bei uns so wenig junge Menschen arbeitslos sind wie nirgendwo sonst in Europa“, so Kaufmann.

Im Gegensatz zu den Dax-Konzernen ist die Ausbildungsbereitschaft in Familienunternehmen nach einer neuen Umfrage der Familienunternehmer und der jungen Unternehmen zuletzt sogar gestiegen: Danach wollen 19 Prozent die Ausbildung 2019 steigern, 54 Prozent wollen sie konstant halten, nur sieben Prozent reduzieren. Im Zeitraum 2012 bis 2018 sei die Ausbildungsbereitschaft in den Familienunternehmen sehr beständig gewesen.

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