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BA-Vorstand Heinrich Alt „Es ist gut, von Vollbeschäftigung zu träumen“

Wann darf die Bundesregierung von Vollbeschäftigung sprechen - und wie groß ist die Sockelarbeitslosigkeit in Deutschland? In einem Interview spricht Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt über Traum und Wirklichkeit.
22.07.2012 - 10:33 Uhr Kommentieren
Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt. Quelle: dpa

Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland ist trotz des niedrigsten Arbeitslosenstandes seit 21 Jahren von Vollbeschäftigung immer noch ein gutes Stück entfernt. „Aber Vollbeschäftigung ist keine Utopie“, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist gut, eine Vision zu haben und von Vollbeschäftigung zu träumen - und man sollte das Ziel auch nie aufgeben.“

Gleichwohl gelte: „Unter realistischen Bedingungen werden wir nie eine Arbeitslosigkeit von Null erreichen.“ Selbst unter optimalen Bedingungen gebe es eine sogenannte Sucharbeitslosigkeit, die umso größer sei, je mehr Bewegung es am Arbeitsmarkt gebe, sagte Alt.

Zuletzt waren 2,8 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 6,6 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 1991. Ex-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte im Oktober 2010, als die Arbeitslosenzahl erstmals nach langer Zeit unter die 3-Millionen-Marke fiel, frohlockt, Deutschland befinde sich „auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung“.

Nach Alts Definition ist Vollbeschäftigung bei einer Arbeitslosenquote von etwa zwei Prozent erreicht. In bestimmten Regionen sei dies bereits der Fall. Es gebe aber auch Bezirke mit Arbeitslosenquoten um 14 Prozent und einer sich verfestigenden Sockelarbeitslosigkeit.

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    Vollbeschäftigung setzt nach den Worten von Alt uneingeschränkt berufliche und regionale Mobilität der Arbeitnehmer voraus. „Aber in unserer Wirtschaftsordnung ist eine gleichmäßige regionale Verteilung der Nachfrage nach Arbeitskräften nicht vorstellbar.“

    In der Grundsicherung nähere man sich jetzt dem harten Kern der Langzeitarbeitslosigkeit. Es blieben die zurück, bei denen sich durch verschiedenste Problemlagen keine Integration in naher und vielleicht auch in weiterer Zukunft abzeichne. „Wir dürfen es aber nicht zulassen, eine hohe verfestigte Arbeitslosigkeit zu haben und gleichzeitig massenhaft Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Das können wir niemand erklären“, sagte Alt.

    Gleiche Lebens- und Arbeitsbedingungen in ganz Deutschland sind nach seiner Einschätzung weiterhin nicht in Sicht. „Sicherlich haben wir im Osten gerade in den ländlich geprägten Bundesländern stabil hohe Arbeitslosenquoten. Die haben wir aber zum Beispiel auch im Ruhrpott. Genauso haben wir im Osten Städte, die nah an der Vollbeschäftigung sind.“

    • dpa
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