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BA-Vorstand Machtkampf um Spitzenpersonal: Schlammschlacht bei der Bundesagentur für Arbeit

Soll Vorständin Valerie Holsboer wegen Inkompetenz gehen? Oder weil sie auf ihre Freiheiten besteht? Am 12. Juli soll eine Entscheidung fallen.
27.06.2019 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Selbstbewusst und jovial, aber fachlich nicht auf der Höhe? Quelle: Sebastian Arlt/laif
BA-Vorständin Holsboer

Selbstbewusst und jovial, aber fachlich nicht auf der Höhe?

(Foto: Sebastian Arlt/laif)

Berlin Anfang der Woche beim „Hoffest“ des Arbeitsministeriums: Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), flaniert zwischen den Stehtischen. Wie es laufe, wird der BA-Chef gefragt. Gut, sagt Scheele. „Nur drehen wir uns zu viel um uns selbst.“

Etwas weiter steht eine hochgewachsene Dame, die schon allein wegen ihrer Körpergröße unter den Gästen auffällt. Sie ist der Grund, warum die BA sich derzeit vor allem um sich selbst dreht. Valerie Holsboer soll nach nur gut zwei Jahren als Mitglied des dreiköpfigen BA-Vorstands abgelöst werden. So wird es der Verwaltungsrat aller Voraussicht nach am 12. Juli entscheiden – wenn die 42-Jährige nicht vorher hinwirft.

Und danach sieht es nicht aus. Beim Hoffest kommen immer wieder Gäste an Holsboers Tisch, Abgeordnete, Amtsträger – vor allem Frauen. Eine Frage dringt immer wieder aus den Gesprächsfetzen heraus: „Was können wir jetzt noch für dich tun?“

Seit die „Bild am Sonntag“ die Personalie Anfang Juni öffentlich gemacht hatte, steht die BA im Zentrum einer Schlammschlacht. Und das in einer Zeit, in der die Nürnberger Behörde mit ihren 95.000 Beschäftigten Besseres zu tun hätte.

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    Erst im März hatte der Bundesrechnungshof in den Jobcentern Mängel bei der Erfassung der Arbeitslosenzahlen aufgedeckt, die dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit in der Statistik niedriger erscheint als in der Realität.

    Dann soll sich die BA – wie von der Regierung vorgegeben – stärker um die Weiterbildung von Beschäftigten kümmern und das Qualifizierungschancengesetz mit Leben füllen. Aus einer Behörde zur Bewältigung der Massenarbeitslosigkeit muss eine Behörde zur Bewältigung des digitalen Wandels werden.

    Wer sich in der BA umhört, erfährt, dass hier der Grund für den bevorstehenden Rauswurf Holsboers liegen könnte. Als Vorständin für Personal und Finanzen habe die Juristin zu wenige eigene Akzente für den nötigen Umbau gesetzt.

    In der Fach- und Organisationsentwicklung etwa sei in den zurückliegenden Jahren gar nichts passiert. Auch habe Holsboer nach zwei Jahren die Probleme der Behörde noch immer nicht verstanden. Vor ihrer BA-Zeit hatte sie als Arbeitgeberfunktionärin in der Gastronomie- und Nahrungsmittelbranche Karriere gemacht.

    „Bei Events ist sie toll“, sagt ein BA-Mann, der sich wie alle anderen aber nicht mit Namen zitieren lassen will. So bringe Holsboer zu Meetings auch schon mal Brötchen für alle mit. Aber spätestens beim dritten Treffen merke man, dass fachlich wenig dahinterstecke.

    Es gibt aber noch eine andere Lesart des Konflikts: Holsboer, die mit ihrer jovialen Art abends am Biertisch die Runde unterhält und damit kokettiert, es mit jedem Mann aufnehmen zu können, ist einem mächtigen Mann in der Selbstverwaltung zu selbstbewusst geworden.

    Vertrauensverhältnis nicht mehr ungestört

    Dieser Mann heißt Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Arbeitgeberverbands BDA. Seit mehr als 15 Jahren ist der 64-Jährige Sprecher der Arbeitgeberbank im BA-Verwaltungsrat und derzeit dessen Chef.

    Will hier ein Mann kurz vor dem Ruhestand die Frau im BA-Vorstand wegmobben, die er einst selbst für den Posten vorgeschlagen hatte? Wer Clever kennt, weiß, dass der Rheinländer durchaus anspruchsvoll im Umgang mit Mitarbeitern und zuweilen aufbrausend sein kann. Das spricht für die Theorie, dass hier mit einer Frau aufgeräumt werden soll, die nicht nach seiner Pfeife tanzt.

    Dagegen spricht, dass es im 21-köpfigen Verwaltungsrat die nötige Zweidrittelmehrheit für die Abberufung geben soll. Ganz sicher scheint die Zustimmung der von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach geführten Arbeitnehmerbank aber nicht zu sein.

    Immerhin hatte Holsboer als Arbeitgeberfunktionärin mitgeholfen, die Systemgastronomie und die Fleischwirtschaft tariflich in geordnetere Bahnen zu lenken, ein Gewerkschaftsanliegen. Auch bei den Unionsmitgliedern im Gremium wachsen offenbar Zweifel, ob es eine gute Idee ist, CSU-Mitglied Holsboer zu beschädigen.

    In Teilen des Verwaltungsrats gibt es offensichtlich eine Sehnsucht nach den Zeiten, in denen Frank-Jürgen Weise die BA führte und auf Effizienz trimmte. Der habe Personalien teils bis zur zweiten oder dritten Ebene unterhalb des Vorstands mit dem Verwaltungsrat abgestimmt.

    Ein so ungestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Aufsehern gebe es heute nicht mehr. Der Verwaltungsrat werde oft zu spät oder gar nicht informiert. Ein Vorwurf, den man allerdings nicht allein Holsboer anlasten kann.

    Am 12. Juli wird nun über ihre berufliche Zukunft entschieden. Laut Geschäftsordnung muss die Einladung zur Verwaltungsratssitzung mit der Tagesordnung mindestens zehn Tage vorher verschickt werden.

    BA-Chef Scheele hatte in einem Brief an die Mitarbeiter die öffentlich ausgetragene Schlammschlacht kritisiert: Er wünsche sich „sehr nachdrücklich, dass Fähigkeiten und Kompetenzen nicht öffentlich infrage gestellt werden, ohne dass Ross und Reiter genannt sind“.

    Mehr: Hubertus Heil im Interview – Der Fachkräftemangel könnte 100 Milliarden Euro pro Jahr kosten, warnt Arbeitsminister Heil. Helfen soll die Nationale Weiterbildungsstrategie.

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    2 Kommentare zu "BA-Vorstand: Machtkampf um Spitzenpersonal: Schlammschlacht bei der Bundesagentur für Arbeit"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Herr Powa,
      Sie haben durchaus Recht mit Ihrer Spekulation. Aber die Karre ist dermaßen schon in den Dreck gefahren worden, so dass es kaum ein Zurück gibt.
      Erschwerend kommt hinzu, das fast alle Mitarbeiter bei der BA "Beamte" sind und denen eh nichts passieren kann.
      Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • Die BA ist eine Zumutung für alle pflichtversicherten (!) Arbeitnehmer und gehört umgehend abgeschafft. Wenn man die dadurch gesparten Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stattdessen einfach selbst zur Seite legt, kann man sich mindestens genauso gut gegen Arbeitslosigkeit versichern - aber ohne den ganzen Funktionärswasserkopf zu füttern oder die Gewinnung von billigen Arbeitskräften im Ausland zu finanzieren.

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