Bankenregulierung Was tun gegen einen neuen Banken-Crash?

Vor drei Jahren erschütterte der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers die Weltmärkte. Ein neuer Crash ist nicht ausgeschlossen, denn eine zentrale Frage von damals ist immer noch nicht beantwortet.
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Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main (Archivfoto vom 08.08.2008). Quelle: dpa

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main (Archivfoto vom 08.08.2008).

(Foto: dpa)

BerlinDie Lehman-Insolvenz, die das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds führte, jährt sich heute zum dritten Mal. Was damals passierte war bis dato ein Novum in der Finanzwelt – mit verheerenden Folgen. Denn: Was niemand für möglich hielt, wurde mit einem Schlag bittere Gewissheit: systemrelevante Banken können nicht einfach pleite gehen, ohne dass ein Zusammenbruch des Finanzsystems zu befürchten ist. Und: Wenn große Banken nicht insolvent werden dürfen („too big to fail“)  kann auch schnell die Solvenz von Staaten in Gefahr geraten, wie zum Beispiel in Irland zu beobachten war.

Inzwischen sind diverse Reformen am Finanzmarkt beschlossen worden. Im Fall einer ernsten Schieflage muss jedoch auch heute noch der Staat einspringen. Klare Regeln, dies zu verhindern gibt es bis heute nicht. Und Großbanken mauern gegen (fast) jeden Vorstoß aus der Politik. Sie wollen nicht geschrumpft werden und argumentieren, dass nur sie die Finanzierungsbedürfnisse von großen Unternehmen bedienen könnten. Deutschland als wichtige Exportnation brauche Großbanken, die in der Weltliga mitspielen können.

Was ist also zu tun, um ein Lehman 2 zu verhindern? Wie groß sollen Banken in Deutschland sein dürfen? Dass etwas geschehen muss, darüber sind sich Experten einig. Zumal es offenkundig ist, dass weder die die Finanzwelt noch die Politik aus der der Krise von 2008 schnell gelernt und für die künftige Bankenregulierung die richtigen Konsequenzen gezogen haben. Das beklagt auch die Wirtschaftsweise Weder di Mauro. Bei einer Grünen-Anhörung zum Thema setzte sie sich jetzt nachdrücklich für schärfere Regelungen ein. Die Institute müssten vor einer Schieflage sagen, was sie mit einzelnen Teilen tun würden, wenn der Ernstfall eintritt. „Sie müssen sagen können, welcher Arm ihnen dann abgeschnitten werden soll“, schlägt die Ökonomin vor - und hat dabei auch die Deutsche Bank im Blick.

Deutschlands größte Privatbank hat Reiner Neske zu der Grünen-Veranstaltung entsandt. Das Vorstandsmitglied gibt denn auch den Bankenverteidiger, der aber auch einräumt, das noch vieles zu verbessern sei, um eine neue Krise zu verhindern. Besonders brisant ist für ihn, dass es noch keine Lösung für das Too-big-to-fail-Problem gibt und Europa sich aber bereits mit einer weiteren Krise auseinandersetzen muss – der Staatsschuldenkrise. Die kann auch für Banken gefährlich werden.

Am Mittwoch stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der französischen Großbanken Société Générale und Crédit Agricole herab, weil sie im krisengeschüttelten Griechenland engagiert sind. Sollte das Land umkippen, haben die Institute ein Problem. In den USA heißt das Sorgenkind Bank of America. Wegen milliardenschwerer Verluste fallen hier 30.000 Jobs weg. Der nächste Knall ist wohl doch nur eine Frage der Zeit.

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16 Kommentare zu "Bankenregulierung: Was tun gegen einen neuen Banken-Crash?"

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  • Habe meine Banklehre mit 8 Jahren Volksschule bei einer Volksbank gemacht. Was haben uns unsere Lehrer - sehr anständige Menschen - immer wieder die Verantwortung als Banker „eingebleut“. Hätten sie nicht gebraucht. Die hatte ich auch schon vorher. Mit mir hätte es diesen Ankauf von vergoldetet Scheisshäufchen aus Amerika nicht gegeben. Wem ich einen Kredit gebe, den schaue ich mir genau an. Dafür brauche ich auch keine Ratingagentur. Mein gesunder Menschenverstand und Sachverstand als Bankkaufmann genügen vollauf.
    Was haben unsere Landesbank mehrere Zehn-Milliarden an Euros verbrannt. Auch mit Hilfe von Politikern. Wenn man mit Hinweisen auf Risiken kam, dann wurde man als Querulant in die Ecke gestellt. Jetzt fehlt den Kommunen das Geld für Schulen, Kitas etc. Und keiner regt sich mehr darüber auf. Dumm gelaufen eben. Die Fusionitis ist immmer noch vorhanden und die Politik schläft weiter. Kleine Banken werden von der Bafin gegängelt und an die großen traut man sich nicht ran. Wenn die Linke sich nicht so dumm anstellen würde, hätte sie schnell 30% bis 40%. Sie müssen nur von ihrem Fundamentalismus (Kommunismus) weg. Denn die DDR haben sie ja bekanntlich ruiniert. Denn der Kommunist macht ein kleines Vermögen, indem er vorher ein großes hatte. Ein Wirtschaftler macht ein kleines Vermögen durch harte Arbeit, nachhaltiges anständiges Handeln und Fleiß.

  • ha ha ha

    seit wann bestimtm der Ochs,w as mit dem Jupiter passiert

    Junge, nun bleib mal auf dem Teppich.

    Die Banken sitzen an den (für uns noch erkennbaren-) Schalthebeln der Macht. Sie steuern Politik und Wirtschaft. Es sind quais die ausführenden Organe von gewissen Beschlüssen und Weisungen.

  • Das System ist ganz einfach (nur Deppen oder arglistige Agenten stellen es als kompliziert da)

    1. Die Zentralbanken geben den Banken das Geld
    2. die Empfänger Banken geben es der Wirtschaft / Privat Bürgern

    Wenn man eine Kise (erzieherische Maßnahme) haben will, reduzieren die Zentralbanken die Geld Ausgabe und es komtm zu monetären Tzunamie Wellen mit dem Ziel, Angst un Chaos zu erzeugen. Erst unter den Banken, später beim Endkunden.

    Man kann aber auch die Geldweitergabe steuern.
    Wer nicht gehorcht, bekommt weniger Geld.



  • @Bastian: Abstrakt betrachtet stimme ich Ihnen zu, aber das Problem ist konkreter Natur. Im Kern liegt das Problem in der Bankenlobby, welche immensen Einfluss (via Spenden und Erpressungspotential) auf politische Entscheidungen hat. Aus Angst vor dem Bankrunszenario missachtet die Poltik geltendes Recht. Die derzeitige Bundesregierung und auch die "Opposition" erachten die aus dem ESM folgende Kreditknechtschaft auf Generationen als das geringere Übel. Sie wagen es nicht, das System infrage zu stellen. Argumentiert wird vor allem mit der "Angst vor dem Systenzusammenbruch". Und Menschen, insbesondere die Deutschen, mögen nun mal keine Unsicherheiten. Letztlich geht es nur um eine Interessenabwägung, Partikularinteressen der Banken gegen das Interesse der Allgemeinheit.
    Der Staat verkauft seine Bonds an die Banken, die Banken versuchen das Ausfallrisiko nunmehr europaweit auf den am solventesten erscheinenden Schuldner abzuwälzen. Sollte der Staat sich sperren, kaufen die Banken keine Bonds mehr, der Staat hat Finanzierungsschwierigkeiten, was seinen Handlungsspielraum einengt. Ein Schneeballsystem eben, was nur solange gut gehen kann, solange der Ball rollt.

  • Staatsschuldenkrisen enden im Staatsbankrott bzw. in einer Währungsreform, um sich von einem Großteil der Schulden trennen zu können. Die Bürger als Hauptgläubiger und Bürgen werden mit geschoren und das möglichst stark.

    http://www.youtube.com/user/Beobachter1927

  • „Allerdings sei die nächste Krise schon da, obwohl die vorherige noch gar nicht bewältigt sei. Und, so Neske: „Eine Staatsschuldenkrise ist durch keine Bankenregulierung zu lösen.““

    Die Banken haben die Finanzmarktkrise verursacht und ihre Rettung ist auch die Hauptursache der Staatsschuldenkrise. Mehr geht auch die Zuspitzung der Staatsschuldenkrise auf das Konto der Finanzmarktakteure.

    Sehr geehrter Herr Neske,

    mir scheint, sie leiden entweder unter Realitätsverlust oder ihre Aussage ist rein interessengeleitet.

  • Man sollte auch einmal über die Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten offen nachdenken!

    Solange dort ausschließlich die "Guten" ins Kröpfchen und die schlechten ins Töpfchen kommen, wird sich nichts ändern.

    Viele Regelungen wären nicht mehr notwendig, wenn die Managerhaftung in ausgewogenem Verhältnis zur Entscheidungskompetenz stünde. Zumindest Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender sollten dabei unbeschränkt und vorab haften.

    Wie obiges Beispiel schon aufzeigt, war es offensichtlich schon immer so. Wenn wir es nicht anders wollen, sollte es auch so bleiben. Wenn wir es nicht mehr so wollen, dann sollten wir es ändern. Wer erwartet aber ernsthaft von Lobbyisten, dass sie dazu etwas konstruktiv und dem Gemeinwohl beitragen?

  • @baroneamrelli ... aber das sollte doch eigentlich kein Problem darstellen! Nochmal: die Einlagen der Privathaushalte sind sicher, Firmen haben besseres mit ihrem Geld zu tun als es auf der Bank liegen zu haben und um die institutionellen Anleger handeln eh mit so einer Geschwindigkeit (ausserdem müssen sie handeln) dass es nicht mal auffallen wird wenn eine Bank aus dem Rennen ist. Nochmals die Frage: Wo ist das Problem???

  • @soenk01 ... ok so richtig neu ist das ganze nun auch nicht! Und warum man keine Bank pleite gehen lassen kann steht dort auch nicht! :(

  • @Buerge-r ... noch ein weitere Panikmachartikel nur eben diesemal gegen Eurobonds. Erklärt wird dort ebenfalls nichts! :(
    Warum sollte, wenn eine Bank pleite geht der Zahlungsverkehr zusammenbrechen? Die Banken die dieser Bank Geld geliehen haben sollten den Verlust leicht verschmerzen können (deswegen haben Sie ja eine höhere Eigenkapitalquote), ganz im Gegenteil ein Konkurrent ist weg das sollte die übrigen Banken doch eher beflügeln!?

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