Bauernregeln-Kampagne Hendricks entschuldigt sich

Mit spaßbetonten Sprüchen wollte Bundesumweltministerin Hendricks auf Missstände in der deutschen Landwirtschaft hinweisen. Einige Bauern fanden das gar nicht witzig. Landwirtschaftsminister Schmidt fühlt mit ihnen.
4 Kommentare
Diese elf Bauernregeln machen Landwirte wütend
Neue „Bauernregeln“
1 von 20

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks provoziert mit flotten Sprüchen. Ihr Ziel: eine Diskussion über Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft. Zu sehen auf Plakaten in über 70 Städten und im Netz. Und das geht so.

Regel 1
2 von 20

Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.

Regel 2
3 von 20

Steht nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.

Regel 3
4 von 20

Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.

Regel 4
5 von 20

Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.

Regel 5
6 von 20

Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.

Regel 6
7 von 20

Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese.

BerlinBundesumweltministerin Barbara Hendricks hat nach der massiven Kritik an ihren „neuen Bauernregeln“ eingelenkt. Anstatt weiterhin mit frechen Sprüchen über Massentierhaltung und Überdüngung zu polarisieren, will die SPD-Politikerin in Zukunft mit Bauern und Verbrauchern einen „Dialog“ zu Missständen im Agrarsektor führen. In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ entschuldigte sich die Ministerin. Hendricks sagte, einige Menschen hätten sich durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen und in ihrer Berufsehre verletzt gefühlt, „das tut mir leid“.

Die größten Agrarbetriebe der Welt
Holsteiner Rinder für Katar
1 von 12

Holsteiner Rinder für Katar: Der blockierte Wüstenstaat will seine Milchversorgung sichern und die Zahl der Kühe im Land von 4000 auf schrittweise 25.000 Tiere erhöhen. Eine immer noch überschaubare Zahl, wenn man sie mit den großen Agrarbetrieben der Welt vergleicht. Eine Übersicht.

Quelle: agrarheute.com

Al Safi Dairy in Saudi Arabien
2 von 12

37.000 Holstein-Rinder und 700.000 Liter Milch pro Tag: Das Unternehmen, dass 1979 durch Prinz Mohammed Bin Abdullah Al Faisal gegründet wurde, schaffte es im Jahr 1998 als der größte vollstufige Milchviehbetrieb der Welt ins Guinness Buch der Rekorde. 2011 ging Al Safi ein Joint Venture mit dem französischen Lebensmittelkonzern Danone ein. Diese Partnerschaft sicherte dem Unternehmen einen Anteil von 36 Prozent am saudi-arabischen Milchmarkt.

Ekoniva in Russland
3 von 12

Russlands größter Bauer kommt aus Deutschland: Der im Odenwald aufgewachsene Stefan Dürr hat es in Russland zum größten Milchproduzenten gebracht. Dürrs Imperium Ekoniva, aufgebaut durch die Übernahme zahlreicher insolventer Agrargenossenschaften, bewirtschaftet mittlerweile fast 3400 Quadratkilometer Land. Mehr als 45.000 Milchkühe produzieren 1000 Tonnen Milch täglich, insgesamt hält der Betrieb über 99.000 Rinder. 5000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2016 an acht Standorten in Russland eine Betriebsleistung von 149 Millionen und ein EBIT von 32 Millionen Euro. Dabei geht das Unternehmen rustikal gegen landestypische Unsitten vor – wer mit Alkohol erwischt wird, fliegt raus.

APH Hinsdorf
4 von 12

Einer der größten Agrarbetriebe Deutschlands mit insgesamt 10.800 Hektar bewirtschafteter Ackerfläche ist die APH Hinsdorf im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Die Genossenschaft produziert im Jahr circa 20.000 Tonnen Weizen und ist Partner von BASF.

KTG Agrar in Deutschland
5 von 12

Mehr als 800 Mitarbeiter, Landwirtschaft auf über 46.000 Hektar Land: Die KTG Agrar des Bayern Siegfried Hofreiter war bis zum Sommer 2016 der größte Agrarkonzern Europas, mit 46.000 Hektar Ackerland in Deutschland und Litauen. Dann konnte das börsennotierte Unternehmen die Zinsen für eine Anleihe nicht rechtzeitig zahlen, nach der geplatzten Zwischenfinanzierung eines Grundstücksverkaufs folgte die Insolvenz. 10.000 Investoren hatten zwei Anleihen über insgesamt nominal 342 Millionen Euro gezeichnet. Die Gesamtschulden von KTG liegen bei 600 Millionen Euro.

National Trust in Großbritannien
6 von 12

Größter Landbesitzer in England, Wales und Nordirland ist der National Trust, Präsident einer der größten Organisationen in Großbritannien ist Prinz Charles (Foto). Dem Trust gehören mehr als 250.000 Hektar Land und knapp 1200 Kilometer Küstenlinie. Das Geschäftsmodell: Zahlreiche britische Adlige vermachten ihre Herrenhäuser und Ländereien der Stiftung. 185.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen sind verpachtet, die verbliebenen 15.000 Hektar – zumeist Weideflächen – werden mit eigenem Personal gemanagt.

Mudanjiang in China
7 von 12

Der Milchviehbetrieb im Nordosten Chinas befindet sich noch im Bau, soll am Ende aber 100.000 Milchkühe versorgen. Das Futter für die Tiere soll auf etwa 100.000 Hektar Land in China sowie Russland angebaut werden. Der Betrieb soll noch auf 200.000 Hektar erweitert werden. Damit wird er zum größten Milchviehbetrieb der Welt.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, mit den „spielerisch-humorvollen „Bauernregeln““ sei es gelungen, die Aufmerksamkeit eines großen Teils der Öffentlichkeit für das Thema zu gewinnen. Jetzt komme das Ministerium aber zu seinem „Kernanliegen“: einen breiten Dialog darüber zu führen, wie Landwirtschaft und Naturschutz miteinander versöhnt werden könnten.

Für diesen „Dialog“ soll bald eine neue Website (bmub.bund.de/dialog-landwirtschaft) online gehen. Nach Angaben des Sprechers sind außerdem Debatten in sozialen Medien und bei einer Reihe von Veranstaltungen mit Hendricks geplant. Weitere Plakate mit „Bauernregeln“ soll es nicht geben.

Das Ministerium hatte in den vergangenen Tagen mit Sprüchen wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“ für Furore gesorgt. In der Union und bei vielen Landwirten kam die Kampagne gar nicht gut an. Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) legte der SPD-Ministerin den Rücktritt nahe. CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt forderten Hendricks auf, sich bei den Bauern zu entschuldigen.

„Ich kann doch nicht diejenigen zum Gespött machen, mit denen ich Veränderungen erreichen will“, sagte Schmidt der „Mittelbayerischen Zeitung“. Er begrüße es, dass Hendricks sich jetzt bei den Bauern entschuldigt habe.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Bauernregeln-Kampagne - Hendricks entschuldigt sich

4 Kommentare zu "Bauernregeln-Kampagne: Hendricks entschuldigt sich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • " In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ entschuldigte sich die Ministerin. Hendricks sagte, einige Menschen hätten sich durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen und in ihrer Berufsehre verletzt gefühlt, „das tut mir leid“."

    Die Entschuldigung ist sicher kein Fehler. Aber eigentlich müssten sich alle in der Landwirtschaft beschäftigten, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt durch diese Kampagne weder angegriffen noch in ihrer Berufsehre verletzt fühlen. Im Gegenteil: Es ging bei dieser Kampagne war es doch gerade darum, ihr Anliegen (das Wohl der Tiere) zu fördern, indem man es in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Letzteres scheint ja immerhin gelungen zu sein.

    Überhaupt scheint Entwicklungshilfeminister Gerd Müller der Einzige in der ganzen CSU zu sein, der mit wirklich konstruktiven politischen Ansätzen auffällt.

  • Bei mir hört der Spaß auf, wenn Grundwasser verseucht wird. Genau das scheint der Fall zu sein, wobei das Fleisch auch noch in das Ausland verkauft wird, weil man es im Inland nicht brauchen kann.

  • Anstatt die Landwirtschaft zu fördern hat die Ministerin ökoreligiöse Propaganda gegen die moderne Landwirtschaft verbreitet.

    Gem. der Ökoreligion soll es gesünder sein zu einer Landwirtschaft analog der vorindustriellen Zeit, als Menschen durchschnittlich kaum älter als 30 Jahre wurden, zurückzukehren.

    Schön wäre es wenn die Verfechter dieser ins Mittelalter gerichteten Religion mal einige Zeit in einem Land leben würden wo noch richtige Biolandwirtschaft herrscht.

    Faszinierend wozu eine übersättigte Gesellschaft fähig ist.

  • "Einige Bauern fanden das gar nicht witzig. "

    "Anstatt weiterhin mit frechen Sprüchen über Massentierhaltung und Überdüngung zu polarisieren, will die SPD-Politikerin in Zukunft mit Bauern und Verbrauchern einen „Dialog“ zu Missständen im Agrarsektor führen."

    Ich finde die Aktion gut, denn endlich wird über die Mißstände im Agrarsektor (Pestizide, Massentierhaltung, Gentechnik, Antibiotikamißbrauch und hoffentlich auch über die Bezahlung der Bauern) miteinander geredet. Ohne diese Aktion wäre der Dialog wahrscheinlich nicht in Gang gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%