Baupolitik „Nur die Königsklasse ist bezahlbar“ – Deutsche Wohnungsbauer warnen vor sozialem Problem

Die Baumaßnahmen in den großen Städten reichen immer noch nicht aus. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW schlägt nun Alarm.
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Wohnungsbau: Deutsche Wohnungsbauer warnen vor sozialem Problem Quelle: dpa
Bautätigkeit in Deutschland

Für den Bundesinnenminister ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraums eine der wichtigsten sozialen Fragen. Dennoch entwickelt sich die Bautätigkeit noch nicht, wie erforderlich.

(Foto: dpa)

BerlinFür Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist die angespannte Lage am Wohnungsmarkt eine der zentralen sozialen Fragen. Dumm nur, dass seine Energie so gut wie ausschließlich in das Thema Flucht und Asyl fließt und keine Zeit bleibt, sich den Problemen auf dem Wohnungsmarkt anzunehmen.

Dabei gibt es viele: „Hohe Baukosten, fehlende oder viel zu teure Grundstücke, unzureichende Planungs- und Baukapazitäten, steigende Grunderwerbsteuern und hohe energetische Anforderungen in Kombination mit Diskussionen um neue Mietendeckel führen dazu, dass der bezahlbare Wohnungsneubau nicht ausreichend Fahrt aufnimmt“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, am Mittwoch in Berlin.

Im oberen Preissegment zu bauen falle leicht, weil man nicht auf die Kosten achten müsse, sagte Gedaschko. „Die Königsklasse ist der bezahlbare Sektor.“

Insgesamt habe sich in Deutschland inzwischen ein Wohnungsdefizit von 1,1 Millionen Wohnungen angesammelt, das weiter anwachsen werde, wenn nicht endlich gegengesteuert werde. In den 14 größten Städten in Deutschland entstünden nur zwei Drittel der notwendigen Wohnungen. Von rund 84.000 eigentlich benötigten Wohnungen in den Hotspots seien 2017 nur rund 56.000 Wohnungen gebaut worden. Von den größten sechs Städten erreiche lediglich Frankfurt am Main eine Neubautätigkeit, die den Bedarf treffe.

Der GdW, der seinen Fokus auf bezahlbaren Wohnraum legt, hat in seinem Bestand etwa 30 Prozent der bewirtschafteten Wohnungen in Deutschland. 2017, so Gedaschko, hätten die GdW-Unternehmen mit 23.900 Wohnungen bundesweit rund 40 Prozent aller neuen Mietwohnungen gebaut. Für 2018 planten die GdW-Unternehmen den Neubau von rund 31.000 Wohnungen, vor allem in Berlin, Hannover, Hamburg, Köln, München und Nürnberg. Das wäre der höchste Wert seit 1999. Aufgrund von Kostensteigerungen und knapper Kapazitäten werde es allerdings immer schwieriger für die Unternehmen, im bezahlbaren Segment zu bauen.

Und selbst wenn sie noch mehr bauten, so Gedaschko, der Nachholbedarf von 1,1 Millionen Wohnungen sei so nicht zu decken. Kommunen, Länder und die Bundesregierung müssten dringend dafür sorgen, dass der Wohnungsneubau ausreichend Fahrt aufnehme. „Sonst wird der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in vielen Großstädten zum größten sozialen Problem der nächsten Jahre werden.“

Bundesweit gebe es immer weniger Sozialwohnungen. Waren es 2002 noch rund 2,6 Millionen Wohnungen mit Preisbindung, verringerte sich die Zahl bis 2017 auf rund 1,24 Millionen Wohnungen. Insgesamt würden bis 2020 jährlich rund 80.000 Sozialwohnungen benötigt. 2017 wurden aber nur 25.000 Sozialwohnungen fertiggestellt. Das ist angesichts des großen Wohnungsbedarfs wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

In den Städten sei die angespannte Wohnraumsituation auf absehbare Zeit nicht zu verändern. „Das dürfen wir den Menschen nicht vorgaukeln.“ Man müsse viel stärker und klüger in Stadt-Umland-Kooperation denken, forderte Gedaschko. Im Umland gebe es noch Flächen, ebenso zu geringeren Preisen.

Es seien aber nicht nur Wohnungen, die auch dort gebaut werden müssten, sondern beinhalte auch die Infrastruktur, den öffentlichen Nahverkehr, die digitale Anbindung, Gesundheitsversorgung und E-Government. In diesem Zusammenhang richtete Gedaschko seine Hoffnung auf Ideen und Konzepte der neu geschaffenen Heimatabteilung im Bundesinnenministerium. Bislang, so Gedaschko, „wird überwiegend in Stadtgrenzen egoistisch gedacht“.

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  • Hohe Baukosten: zuviele und teure Vorschriften!
    Fehlende oder viel zu teure Grundstücke: Kommunen, die zuwenig Bauland ausweisen bzw. keine Grundstücke verkaufen!
    Unzureichende Planungskapazitäten: staatliche Defizite in den Bauämtern!
    Steigende Grunderwerbsteuern: gierige Kämmerer und Finanzminister!
    Hohe energetische Anforderungen: zuviele und teure Vorschriften!

    Es ist eigentlich klar, was zu tun wäre - aber unsere Berufspolitiker sind nicht Teil der Lösung, sondern (wesentlicher) Teil des Problems!

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