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Bayern Wahl 2018

Bayern Countdown zur Landtagswahl – so kämpft Markus Söder gegen den Niedergang der CSU

Acht Wochen bleiben Bayerns Ministerpräsidenten Söder für den Wahlkampf. Im Bierzelt geht er auf Stimmenfang und setzt dabei auch aufs Thema Flüchtlinge.
16.08.2018 - 16:05 Uhr Kommentieren
Bayerns Ministerpräsident kämpft mit sinkenden Umfragewerten. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Markus Söder

Bayerns Ministerpräsident kämpft mit sinkenden Umfragewerten.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

München Am Fuße der Alpen tragen Frauen noch gern Dirndl und Männer kurze Lederhosen und Wadenstrümpfe, wenn’s ins Bierzelt geht. In Anger, im Berchtesgadener Land, unweit des Königssees, feiern die 4500 Einwohner in dieser Woche ihr Trachtenfest. Die goldfarbene Madonna-Figur steht stolz auf einem Sockel in der Ortsmitte, das Bierzelt wartet auf die Gäste, sogar eine Zuckerbäckerei und eine Schiffschaukel stehen bereit.

Doch bevor es losgeht, darf am Vorabend ein anderer reden: Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaats Bayern.

Der 51-jährige CSU-Politiker ist auf Sommertour. Wo auch immer ein Bierzelt steht, er klappert es ab, so wie an diesem Abend. Er steht auf der Bühne, hinter ihm die Stuhlreihen für die Blaskapelle, und platziert immer wieder einen Witz und lobt gleich darauf seine Regierung: dass es ab September ein Pflegegeld geben wird, ebenso ein Familiengeld und vieles mehr.

Vor allem aber wirbt Söder für eines: Stabilität in unruhigen Zeiten. Das ist die Botschaft an die Wähler angesichts der Lage in der Welt, in Europa und im deutschen Parteiengefüge. Am 14. Oktober steht er zur Wahl, wenn der neue Landtag bestimmt wird. Und es sieht alles andere als gut aus für die erfolgsverwöhnte CSU.

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    Auch in Anger ist die bayerische Welt nicht mehr in Ordnung. Das Zelt ist nicht bis auf den letzten Platz gefüllt, die hinteren Reihen bleiben frei, Söder hin oder her. Touristen sitzen im Publikum, um das weiß-blaue Brauchtum mit Schweinswürstel, Hendl und Brezen bei einer Maß Bier zu genießen.

    Von den Einheimischen hat bei der Bundestagswahl nicht einmal jeder Zweite CSU gewählt, hingegen zwölf Prozent die AfD. Vielleicht bekommt Söder deshalb am meisten Applaus, wenn er auf die Flüchtlingskrise zu sprechen kommt und nicht das Füllhorn betont, dass seine Regierung über das Volk ausschüttet.

    Seit fünf Monaten regiert Söder und kämpft einen ungewohnten Kampf: Keine andere Partei ist so stark wie die CSU. Die SPD ist so schwach, dass es nicht einmal ein TV-Duell der Spitzenkandidaten geben wird. Wenn es aber so läuft, wie die Umfragen nahelegen, dann wird die CSU erstmals seit 1954 bei einer Landtagswahl unter die 40-Prozent-Marke rutschen – so wie bei der Bundestagswahl und so wie fast bei der Europawahl 2014.

    Sonderrolle der CSU ist in Gefahr

    Beide Male gab es hohe Verluste. Manch einer erkennt darin einen langfristigen Trend und das Ende der Alleinherrschaft und damit ihrer Sonderrolle im Land.

    Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht nur an dem erbarmungslosen Streit in Berlin, bei dem die CSU die Kanzlerschaft von Angela Merkel aufs Spiel setzte und auch die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU. Auch Söder hat dabei keine gute Rolle gespielt, als er den Streit mit dem Begriff „Asyltourismus“ anheizte.

    Davon spricht er in Bierzelten nicht mehr, stellt aber klar, dass Asylbewerber in Bayern kein Geld mehr bekommen und jeder, der randaliert, rausfliegen soll. So etwas kommt an. Zugleich sagt er: „Für mich persönlich ist es keine einfache Zeit.“ Es sei „aggressiv“ geworden. Erst gebe es böse Gedanken, dann böse Worte. „Wer weiß, was darauf folgt.“

    Seine Partei hat die politische Stimmung befördert. Etwa im Kampf um die Nachfolge von Horst Seehofer als Ministerpräsident. Viele wollten Söder verhindern, doch weder Alexander Dobrindt noch Ilse Aigner schafften es. Darüber verging wertvolle Zeit: Deshalb regiert Söder noch nicht lange und muss gegen das Image einer brutalen Partei ankämpfen.

    Das Autoritäre ist zwar in Mode, passt aber so gar nicht zu einer lebendigen Volkspartei, die nach einer Diskussion ihre Breite zu einer gemeinsamen Position verengt und daraus ihre Stärke bezieht.

    Nur noch acht Wochen Zeit

    Da fallen Querschüsse aus Schleswig-Holstein kaum ins Gewicht, wenn Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) etwa über Koalitionen mit der Linken sinniert (Söder in Anger: „Mit solchen Leuten möchte ich nie im Leben koalieren“) oder vorschlägt, gut integrierte, aber abgelehnte Asylbewerber als Zuwanderer anzuerkennen.

    In der CSU wissen sie, dass es viele Unternehmer gibt, die so denken, weil ohne Asylbewerber ihr Geschäft kaum noch laufen würde. Doch die Hand zur illegalen Zuwanderung wollen sie nicht reichen, allein schon wegen der AfD.

    Acht Wochen bleiben, um den Niedergang der Volkspartei zu verhindern. Und das in der Kernferienzeit. Die Lage ist so ernst, dass Staatskanzleichef Florian Herrmann in seinem Wahlkreis im Münchener Norden an den Badeseen Plastikfußbälle verteilen lässt wie am Tag vor Söders Auftritt in Anger.

    Nicht jedem Urlauber gefällt das, was die Probleme beschreibt: Viele zieht es in die Stadt, andere fliehen. Bayern hat zwei Millionen Zugezogene, für die Trachten eher Folklore sind; im Bierzelt von Anger ist es Brauchtum. In dem Spannungsfeld muss die CSU die richtige Ansprache finden. Es ist ein Spagat, der schmerzhafter wird, je länger sie ihn aushalten muss.

    In der Münchener Parteizentrale arbeitet ein kleiner Haufen junger Menschen daran, dass die Volkspartei CSU das mobilisiert, was sie ausmacht: ihre 140.000 Mitglieder. „Zu Beteiligten“ will Wahlkampfmanager Markus Blume sie machen, sie sollen ausschwärmen, an die Haustüren im Land klopfen.

    Den „Teamspirit“ soll es befördern. 100.000 Stoffbeutel hat die Partei bestellt, die gefüllt mit der Regierungsbilanz die Menschen erreichen sollen. Im September soll ein Wahlprogramm folgen, für das die CSU eigens noch einen Parteitag abhält. Und die Landesgruppe in Berlin wird noch mit einer eigens erdachten Sommerklausur versuchen, Themen zu setzen.

    Die AfD klingelt nicht an Türen, sie greift über die sozialen Netzwerke an. Deshalb koordinieren die Mitarbeiter die Wahlkreise, setzen Online-Beauftragte ein, die liken, bloggen und kommentieren sollen. Weil die AfD die „mit Abstand größte Reichweite in den sozialen Netzwerken hat“, wie Blume sagt, sollen alle mit anpacken.

    Wie viel Geld die Partei ausgeben wird, will Blume nicht verraten. Von fünf Millionen Euro ist die Rede, mehr als alle etablierten Parteien zusammen. Vielleicht wird es auch mehr.

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