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Bayern Wahl 2018

Bayern-Wahl Söder mimt den Staatsmann, Hartmann den Besserwisser

Das TV-Duell vor der Bayern-Wahl zeigt: CSU und Grüne liegen weit auseinander. Eine mögliche Koalition wollen beide Parteien aber nicht ausschließen.
Update: 26.09.2018 - 23:51 Uhr Kommentieren
Bayern-Wahl: Söder mimt den Staatsmann, Hartmann den Besserwisser Quelle: dpa
TV-Duell zur Landtagswahl

Am Anfang waren sie noch höflich: Der amtierende Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder (links, CSU), und sein Herausforderer Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag.

(Foto: dpa)

MünchenAm Ende steht sogar ein erster schwarz-grüner Beschluss. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann wollen gemeinsam wandern gehen, um einmal in Ruhe über ihre Politik diskutieren zu können. Die Verabredung blieb die einzige Überraschung in dem kämpferischen Fernsehduell am Mittwochabend.

Beide Politiker schlüpften zwei Wochen vor der Bayern-Wahl in vorhersehbare Rollen: Söder mimte den gestandenen Staatsmann mit regungsloser Mine und ruhigem Tonfall, die Hände stets auf dem Tisch. Und das, obwohl es im Duell immer wieder laut wurde. Hartmann gab von der ersten Frage an den motivierten Herausforderer, der die CSU-Regierung scharf attackierte.

Der Grünen-Spitzenkandidat warf Söder vor, in der Energiepolitik „krachend gescheitert“ zu sein und beim sozialen Wohnungsbau „an der Realität der Menschen“ vorbeizuplanen. „Man braucht eine Politik, die denkt, bevor der Bagger kommt“, forderte Hartmann in Bezug auf den hohen Flächenverbrauch in Bayern.

Söder stilisierte die Grünen im Gegenzug zur Dagegen-Partei, bei der eine „Verbotskultur“ herrsche. Hartmann und seine Parteikollegen würden alles immer nur „verbieten und vorschreiben“ wollen. In der Asylpolitik forderte Hartmann mehr Menschlichkeit, etwa ein Bleiberecht für in den Arbeitsmarkt integrierte Ausländer. Söder verwies dagegen auf eine notwendige Balance zwischen Humanität und Ordnung. Wer Straftaten begeht, müsse in sein Heimatland zurück.

Der bayerische Ministerpräsident gab sich viel Mühe, den Kontrahenten klein- und sich selber großzureden. Sein wichtigstes Argument im TV-Duell: Der Status Quo. Söder konzentrierte sich inhaltlich auf das, was seine CSU-Regierung seiner Meinung nach erreicht habe. Bayern stehe super da ¬– vor allem im Vergleich zu Ländern, in denen die Grünen regieren, wie er immer wieder betonte.

Schnellsprecher Hartmann wirkte neben dem Ministerpräsidenten eine Spur zu aufgekratzt, die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus. Immer wieder unterbrach er Söder, weil er eine Aussage oder Zahl „nicht so stehen lassen“ wollte. Söder mahnte dann lehrerhaft: „Es ist wichtig, dass man einander zuhört. Ich höre ganz genau zu, was sie sagen - aus Respekt.“

Es war das erste Mal, dass der Bayerische Rundfunk (BR) keinen SPD-Kandidaten zum TV-Duell eingeladen hatte. Der Sender begründet das mit den schlechten Umfragewerten der Partei, die derzeit immerhin noch zweitstärkste Kraft im Landtag ist. Die Sozialdemokraten hatten in jüngsten Umfragewerten nur noch bei maximal zwölf Prozent gelegen, die Grünen kamen hingegen auf bis zu 18 Prozent und liegen damit auch deutlich vor AfD und Freien Wählern auf Platz zwei.

Hartmann bildet zusammen mit Katharina Schulze das Spitzenduo der Grünen. Die Wahl für das TV-Duell musste auf Hartmann fallen, weil seine Parteikollegin mit 33 Jahren zu jung ist, um nach der Verfassung des Freistaates Ministerpräsidentin werden zu können. Der 40 Jahre alte Grünen-Politiker erfüllt die Altersgrenze knapp.

Das TV-Duell war für Grüne und CSU 18 Tage vor der Wahl enorm wichtig: Der noch relativ unbekannte Hartmann konnte ohne großen Aufwand seine Botschaften streuen und unentschlossene Wähler ansprechen. Söder hingegen hatte die Möglichkeit, den Abwärtstrend seiner Partei zu stoppen. Denn auch die CSU schwächelt in den Umfragen deutlich.

Die Unionspartei kommt nur noch auf Werte um die 36 Prozent. Damit wäre die CSU nach der Landtagswahl auf mindestens einen Koalitionspartner angewiesen. Das Worst-Case-Szenario aus Söder-Sicht: ein Kabinettstisch, an dem auch Hartmann sitzt. Deshalb ging es in dem einstündigen TV-Duell insbesondere auch um die Frage einer möglicherweise notwendigen schwarz-grünen Koalition.

Söder warnte in dem TV-Duell vor Verhältnissen wie in Berlin, wo sich Koalitionspartner „zerfleischen würden“, weil sie zusammengekommen seien, obwohl sie nicht mehr zusammenkommen wollten. Deshalb müsse sich jeder Bayer überlegen, wo er sein Kreuz mache und ob er damit in Kauf nehmen wolle, dass der Freistaat „völlig instabil“ werde. Hartmann hielt dagegen: In Berlin sei es doch CSU-Chef Horst Seehofer persönlich, der für Chaos und Instabilität sorge.

Trotz der deutlichen Differenzen wollten Söder und Hartmann eine schwarz-grüne Koalition nicht ausschließen. Söder betonte zwar die Differenzen zwischen den Parteien und zum Grünen-Programm, das „alte Kamellen und Feinbilder“ pflege. Er erteilte einer möglichen Allianz aber auch keine Absage. Hartmann versicherte, dass er „nicht jedes Spiel mitspielen“ würde. Über eine ökologische und gerechte Partei könne man aber jederzeit mit ihm reden. Vielleicht werden er und Söder das ja schon bald auf ihrer gemeinsamen Wanderung tun.

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