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Bayern Wahl 2018

Bayernwahl Selbst nach dem Wahldebakel in Bayern lobt sich Seehofer noch selbst

Einen Tag nach dem Wahldebakel hört man kaum Selbstkritik von CSU-Chef Seehofer oder Ministerpräsident Söder. Dafür ist die Kritik außerhalb des Führungszirkels umso lauter.
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MünchenDass am Tag nach der Wahl in Bayern alles anders ist, zeigt schon der Presserummel vor der CSU-Zentrale im Münchener Norden. Hier tagt an diesem Montag der Parteivorstand. Im Sonnenschein warten draußen die Journalisten darauf, dass die CSU-Oberen klare Worte für die Stimmenverluste finden.

Obwohl die Landtagswahl die Mehrheitsverhältnisse komplett verändert hat – die CSU hat ihre Vormachtstellung verloren, die SPD ist nur noch fünftstärkste Kraft – bemühen sich die Christsozialen vor Ort allem darum, das Fiasko schönzureden. Allen voran derjenige, der am meisten zu verlieren hätte – sein Amt als Parteivorsitzender und schließlich das des Innenministers: Horst Seehofer.

Wäre der Parteichef nicht so ein Riese, man würde ihn nicht erkennen, so sehr wird er von Fotografen und Kamerateams eingezwängt. Mit leiser Stimme beantwortet er die Fragen der Presse, etwa ob er der Richtige sei, um die CSU nach so einem Ergebnis weiterzuführen. „Ich bin fit“, sagt Seehofer. Ob er in der Lage sein werde, für die Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen, hänge auch von den Parteikonzepten ab. Die Doppelspitze mit ihm und Ministerpräsident Markus Söder habe sich bewährt.

„Ich führe auch heute keine Personaldiskussion über mich“, sagte er vor der CSU-Vorstandssitzung. Gleichwohl machte er deutlich, dass er keine Diskussion abwürgen wolle. „Ich stehe für jede Debatte zur Verfügung.“

Seehofer sagt, er habe am Wahlsonntag mit der Kanzlerin telefoniert. Es gebe noch viele Beschlüsse aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen. Er gehe davon aus, dass die CSU auch weiter eine wichtige Rolle in Berlin mit einem starken eigenen Profil übernehmen werde.

Zudem, diesen Erfolg schreibt Seehofer sich und dem Wahlkampf seiner Partei zu, habe die AfD in Bayern deutlich weniger Stimmen als im Bundesdurchschnitt erhalten. Auch auf die Frage, ob die ewigen Streitereien in der Partei mit ein Grund für das Ergebnis gewesen seien, pariert Seehofer, Diskussionen gehörten nun einmal dazu.

Es ist kaum zu glauben. Die CSU muss ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950 verkraften. Doch Selbstkritik oder eine Abkehr vom Weiter-so hört man auch am Tag nach dem Debakel, bei dem die CSU nur 37,2 Prozent der Stimmen bekam, von den Verantwortlichen nicht. Dafür ist die Kritik außerhalb des CSU-Führungszirkels umso lauter.

Günther: „Der Politikstil, den die CSU pflegt, passt nicht mehr in die Zeit“

So sagte Erwin Huber direkt am Wahlabend, er habe nach der Landtagswahl 2008, bei der die CSU die absolute Mehrheit verlor, die Verantwortung übernommen und sei von seinem Amt als Parteivorsitzender zurückgetreten, was langfristig zum Erfolg geführt habe. Die Aussagen Seehofers nach den herben Verlusten der CSU bezeichnete Huber als „zu beschönigend“. Das werde dem Ernst der Lage nicht gerecht.

Deutlich wurde auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er sieht die gesamte CSU-Führung in der Verantwortung für das schlechte Abschneiden der Schwesterpartei bei der bayerischen Landtagswahl.

Dem Handelsblatt sagte Günther: „Horst Seehofer und Alexander Dobrindt sind beide mit dafür verantwortlich, was in Berlin passiert ist. Markus Söder kenne ich zu wenig, was aber eindeutig ist: Der Politikstil, den die CSU pflegt, passt nicht mehr in die Zeit.

Darauf angesprochen, ob Günther mit seiner Kritik Recht habe, antwortet die CSU-Landtagspräsidentin Barbara Stamm vor der Münchener Zentrale ausweichend. Sie gehört zu den Abgeordneten, die die Rechnung für die Wahlkampffehler der Partei bezahlen muss.

Nach 42 Jahren verliert die beliebte CSU-Politikerin aus Würzburg ihr Landtagsmandat. Sie trägt eine dicke Make-up-Schicht auf den Wangen und blinzelt in die Sonne. „Ich hoffe“, sagt die 73-Jährige, „die Partei zieht jetzt die richtigen Schlüsse“. Dann verschwindet sie auf ihren Gehstock gestützt im Sitzungssaal.

Bundesaußenminister Heiko Maas sieht die CSU als Hauptverliererin der Bayern-Wahl. „Ich finde, dass in erster Linie die CSU eine Konsequenz daraus ziehen muss – weil sie feststellen konnte, dass ihre Strategie der Konfrontation und der Übernahme von AfD-Positionen ein einziger Rohrkrepierer gewesen ist – mit Auswirkungen in Bayern, aber auch in Berlin“, sagte der SPD-Politiker am Montag am Rande eines EU-Treffens in Luxemburg. Er hoffe deshalb, dass jetzt alle „sowohl im Stil als auch im Inhalt“ zu vernünftiger Arbeit zurückkehrten.

Doch nach schnellen personellen Konsequenzen sieht es an diesem Montagvormittag nicht aus. Wie problematisch die Kommunikation zwischen dem Ministerpräsidenten Markus Söder und dem Parteivorsitzenden Horst Seehofer nach wie vor ist, lässt sich an einer Aussage von Söder ablesen, der kurz nach Seehofer mit müden Augen vor die gezückten Mikrofone in der Parteizentrale tritt.

Auf die Frage eines Journalisten, ob Seehofer Teil der Koalitionsgespräche sein wird, sagt Söder bemüht lakonisch: „Ich habe gehört, er will bei der Sondierung dabei sein. Die ist natürlich klar Aufgabe des Regierungschefs“, also von Söder.

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1 Kommentar zu "Bayernwahl: Selbst nach dem Wahldebakel in Bayern lobt sich Seehofer noch selbst"

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  • Es gibt wie immer nur Gewinner und wer verloren hat zeigt auf andere Verlierer, um nicht als Verlierer da zu stehen.
    Der letzte Politiker der Neuzeit der Charakter hatte war Henning Voscherau.
    Die CSU hat jetzt wieder die absolute Mehrheit mit ihrem FW-Flügel erreicht und die bayrische Sonne geht, wie immer, niemals unter.
    Horst Seehofer wird nach seinem irgenwann oder auch nicht Rücktritten, Vertreter für Klebstoff und nachfolgenden Politikergenerationen, egal welcher Couleur, werden seine besten Kunden sein.
    Der Deutsche Michel zahlt für das Volksschauspiel der Politiker, den Preis der Spaltung, Bevormundung und der finanziellen "Enteignung" !
    In Zeiten des wirschaftlichen Aufschwungs hätten wir mit Investitionen für blühende Landschaften anfangen können !