Bayern Wahl 2018

Landtagswahl Bayerns Wirtschaft unterstützt Wahlaufruf gegen Populisten

Zwei große Unternehmen in Bayern haben ihre Mitarbeiter aufgerufen, Parteien der Mitte zu wählen. Die Wahlaufrufe lösten nicht nur positives Echo aus.
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Die deutsche Geschäftsführung der Unternehmensberatung hat ihre Mitarbeiter dazu aufgerufen, bei den anstehenden Landtagswahlen nicht für Populisten zu stimmen. Quelle: dapd
Ernst & Young

Die deutsche Geschäftsführung der Unternehmensberatung hat ihre Mitarbeiter dazu aufgerufen, bei den anstehenden Landtagswahlen nicht für Populisten zu stimmen.

(Foto: dapd)

BerlinEs ist noch nicht lange her, da schaltete sich mit Siemens-Chef Joe Kaeser ein prominenter Konzernlenker in die Debatte um Nationalismus und Rassismus in Deutschland ein. Würde das wieder salonfähig, wäre das für die Wirtschaft und auch sein Unternehmen verheerend, sagte Kaeser Mitte August dem Bayerischen Rundfunk. Deutschland lebe vom Export und möglichst offenen Grenzen, Konzerne seien global aufgestellt, mit Mitarbeitern und Kunden jeder Hautfarbe und Religion.

Kaeser erinnerte daran, dass in der Zeit des Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen hätten, „bis es zu spät war“. Und das dürfe in Deutschland nicht wieder passieren. Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Mai im Bundestag habe er als rassistisch und ausgrenzend empfunden, sie hätten ihn im Ton an die NS-Zeit erinnert. Deshalb habe er in einem Tweet dagegengehalten. Neben humanistischen Werten gehe es auch um handfeste geschäftliche Interessen.

Mit seinem ungewöhnlich deutlichen Vorstoß erzeugte Kaeser viel Aufsehen. Danach zeigten weitere Unternehmen und Unternehmenschefs öffentlich Flagge. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern und in Hessen melden sich nun erneut Vertreter der Wirtschaft zu Wort.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft etwa unterstützt den Appell der deutschen Geschäftsführung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), die ihre Mitarbeiter dazu aufgerufen hatte, bei den anstehenden Landtagswahlen nicht für Populisten zu stimmen.

„Die VBW unterstützt generell die Forderungen, keine Populisten zu wählen. Wir beraten unsere Mitgliedsunternehmen auf Anfrage beim Umgang mit ihren Mitarbeitern im politischen Bereich“, sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt dem Handelsblatt. Die VBW vertritt nach eigenen Angaben 132 bayerische Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sowie 42 Einzelunternehmen. In den Branchen der Mitgliedsverbände sind bayernweit etwa 4,7 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte tätig.

Der EY-Geschäftsführer Hubert Barth hatte jüngst in einer internen E-Mail „alle Kolleginnen und Kollegen“ aufgerufen, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, „um die demokratischen und rechtsstaatlichen Kräfte in unserem Land zu stärken“. Es gebe „viele demokratische Errungenschaften, auf die wir zu Recht stolz sind“, die nun infrage gestellt würden, heiß es in der Mail, aus der der „Spiegel“ zitiert. Ernst & Young hat zwei Niederlassungen in Bayern. Zuvor hatte schon der Flugzeugzulieferer MTU mit Sitz in München in einem Brief an die Mitarbeiter erklärt: „Abschottung auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene bringt keinerlei Fortschritt.“

Der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, sieht die Wahlaufrufe kritisch. Es sei zwar „gut, wenn sich Unternehmen zu demokratischen Werten bekennen und im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein Vorbild sind“, sagte Gerke dem Handelsblatt. Aber: „Wenn sie glauben, dem Bürger Empfehlungen zur Abstimmung bei der Landtagswahl geben zu müssen, haben sie ein falsches Demokratie-Verständnis und überhebliches Bild von der Souveränität des Bürgers.“

Kurz vor der Wahl an diesem Sonntag in Bayern kämpfen alle Parteien noch einmal um unentschlossene Wähler. Sowohl die CSU als auch die SPD hoffen darauf, am Ende doch noch merklich besser abzuschneiden als in den jüngsten Meinungsumfragen. Nachdem sich CSU und SPD am Freitagabend in München und Schweinfurt bei ihren letzten Großkundgebungen feiern ließen, buhlen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen an diesem Samstag bei kleineren Veranstaltungen letztmals um die Gunst der Wähler.

Die letzte Umfrage vor der Wahl, ein ZDF-„Politbarometer“ vom Donnerstag, hatte die CSU bei 34 Prozent gesehen. Auf Rang zwei kamen die Grünen (19 Prozent), gefolgt von SPD (12 Prozent), Freien Wählern und AfD (beide je 10 Prozent), FDP (5,5 Prozent) und Linke (4 Prozent).

Allerdings haben vergangene Wahlen gezeigt, dass Umfragen nur begrenzte Aussagekraft haben. Ein Grund ist, dass viele Wahlberechtigte bis zum Schluss unentschlossen sind, ob sie überhaupt zur Wahl gehen und wen sie dann wählen werden. In Bayern gab sich in Umfragen zuletzt jeder Zweite noch unsicher.

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