Bayern Wahl 2018

Schlechte Umfragewerte Warum die CSU bei der heutigen Bayernwahl besser abschneiden könnte als erwartet

Der CSU droht ein historisch schlechtes Wahlergebnis. Die letzten Umfragen sehen sie bei 33 Prozent. Doch Experten trauen der Partei mehr zu.
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Viele Wähler sind unzufrieden mit der CSU-Führung. Unklar ist, inwieweit das ihre Stimmabgabe beeinflusst. Quelle: dpa
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (l.) und CSU-Chef Horst Seehofer

Viele Wähler sind unzufrieden mit der CSU-Führung. Unklar ist, inwieweit das ihre Stimmabgabe beeinflusst.

(Foto: dpa)

BerlinEs sind Zahlen, die Jahrzehnte unmöglich zu sein schienen. Bei der Wahl an diesem Sonntag könnte der CSU, der selbsternannten „letzten Volkspartei Europas“, nicht nur der Verlust der absoluten Mehrheit drohen. Die Partei könnte sogar bei nur knapp über 30 Prozent landen. In den letzten Umfragen stand die CSU zum Teil nur noch bei 33 Prozent.

Noch besteht in der Partei Hoffnung, dass es am heutigen Wahlsonntag nicht so schlimm kommen wird, wie befürchtet. Immer wieder wird auf die 50 Prozent der unentschlossenen Wähler verwiesen, die das Ergebnis noch in eine ganz andere Richtung zugunsten der CSU lenken könnten.

Ganz unberechtigt ist diese Hoffnung nicht. Auch Politikwissenschaftler glauben: Die CSU könnte am heutigen Wahlabend doch besser abschneiden als erwartet.

Für Forsa-Chef Manfred Güllner steht ohne jeden Zweifel fest, dass die CSU mit ihren ständigen Alleingängen in der Flüchtlingspolitik sich selbst extrem geschadet hat. Mit ihren „politischen Amokläufen“ habe die CSU „die bürgerliche Mitte verprellt“, sagt er. Viele Wähler in Bayern halten das Gebaren der Christsozialen in Berlin für überzogen – und wollen deshalb erstmals eine andere Partei wählen.

Die Folge: Wahlforscher stellen in Bayern völlig neue Wählerwanderungen fest. CSU-Stammwähler, die sich nie vorstellen konnten, Grün zu wählen, machen ihr Kreuz plötzlich bei der Öko-Partei, die laut Umfragen an die 20 Prozent herankommen könnte. Und doch halten Wahlforscher wie Güllner es für möglich, dass die CSU besser abschneidet als erwartet und doch an der 40-Prozent-Marke kratzen könnte.

So sind zwar viele Wähler unzufrieden mit der CSU-Führung um Ministerpräsident Markus Söder und Parteichef Horst Seehofer. Sie würden aber unterscheiden zwischen Parteispitze und den Kandidaten vor Ort, denen sie nach wie vor ihr Vertrauen schenkten. „Fast jeder Wähler kennt einen CSU-Kandidaten, den man guten Gewissens wählen kann“, sagt der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter. Das könnte der CSU am Ende helfen.

Eine weitere Frage ist, ob die 12,5 Millionen Bayern am Ende nicht doch weiter stabile Verhältnisse wollen, mit denen sie bislang ja gut gefahren sind. Ohne Zweifel wird die CSU nicht die absolute Mehrheit erreichen. Aber vielleicht könnten die Wähler die CSU zumindest so stark machen, dass es wie 2008 für eine Zwei-Parteien-Regierung reicht. Damals koalierte die CSU mit der FDP, bis sie 2013 wieder die absolute Mehrheit errang.

Bei vielen Wahlen der vergangenen Jahre wurde allerdings häufig im Vorfeld argumentiert, die Menschen sehnten sich nach Sicherheit. Am Ende aber wählten sie die alten Verhältnisse dann doch regelmäßig rigoros ab.

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