BDI-Präsident Keitel wirft Steinbrück Realitätsferne vor

Peer Steinbrück sieht sich schwerer Kritik der Industrie ausgesetzt. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel findet wenig am SPD-Kanzlerkandidaten. Vermögenssteuer und Bankenregulierung – seine Pläne seien realitätsfern.
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BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: „Steinbrücks Pläne gehen an der Realität vorbei“. Quelle: dapd

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: „Steinbrücks Pläne gehen an der Realität vorbei“.

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BerlinHans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), hat heftige Kritik an der Steuerpolitik von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geübt: „Vieles, was er als Kanzlerkandidat verkündet, ist mit der Wirtschaft nicht zu machen, speziell in der Steuerpolitik“, sagte Keitel dem Handelsblatt.

Die Vermögensteuer sei reiner Populismus und schadet nur. Laut Keitel entfallen neun Zehntel der Vermögenssteuer auf das Betriebsvermögen, also auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung. „Die Unternehmen wollen mit dem Geld lieber weiter investieren und Leute einstellen“, sagte Keitel.

Der BDI-Präsident bezeichnete auch die Pläne Steinbrücks zur Bankenregulierung als falsch: „Sie sind teilweise längst Realität, andere gehen an der Realität vorbei“, sagte Keitel. Die deutsche Industrie brauche nicht nur einheitliche Kasseninstitute um die Ecke, sondern auch starke Banken, die das internationale Geschäft der Unternehmen bedienen könnten.

Die teuersten Vorträge von Peer Steinbrück
Steinbrück hält Vortrag in Hamburg
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Die Deutsche Bank scheint zu den liebsten Auftraggebern von Peer Steinbück zu gehören. Unter mehreren Auftritten in der von ihm veröffentlichten Liste gehört beispielsweise ein Vortrag anlässlich einer Veranstaltung des Private Wealth Managements in Zusammenhang mit der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker im August 2011 in Berlin. 15.000 Euro bekam der SPD-Politiker hierfür.

Fernglas und Bankenskyline
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Die Bankentürme Frankfurts: Zum „Citi Research Day“ hielt Peer Steinbrück hier im Januar 2011 einen Vortrag, den er sich mit 15.000 Euro vergüten ließ. Die Rechnung ging an Citigroup Global Markets Deutschland.

KPMG
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Anlässlich ihres „Restructuring“-Treffens holten sich die Wirtschaftsprüfer von KPMG die rednerische Unterstützung von Steinbrück. Inklusive „Nebenkosten“ schlägt dieser Vortrag mit gut 15.700 Euro zu Buche.

BNP Paribas profits down 13 per cent in second quarter
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Auch eine der größten Banken Frankreichs holte sich den designierten SPD-Kanzlerkandidaten ins Haus: Für die BNP Paribas hielt Steinbrück im Februar 2010 einen Vortrag auf einer Fachkonferenz auf dem Petersberg – diesmal ohne Umwege über eine Redner-Agentur.

Deutsche Bank
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Zur Investorenkonferenz der Deutschen Bank in Wien sprach Steinbrück im Dezember 2009. Für seinen Vortrag, vermittelt über die Agentur Celebrity Speakers in Großbritannien, bekam er 15.000 Euro.

Sal.Oppenheim
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Auch Privatbanken nehmen die Dienste von Peer Steinbrück gern in Anspruch – so wie beispielsweise Sal. Oppenheim in Köln, eine Tochter der Deutschen Bank. Hier hielt Steinbrück im April 2012 für 15.000 Euro einen Vortrag im Rahmen einer Investmentkonferenz.

File of a man walking into the JP Morgan headquarters at Canary Wharf in London
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Ebenfalls über Celebrity Speakers kam Peer Steinbrück zu einem Vortrag für das 10. Investorenforum von JP Morgan in Frankfurt. Zu den gewohnten 15.000 Euro Honorar kamen knapp 400 Euro an Nebenkosten.

 
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33 Kommentare zu "BDI-Präsident: Keitel wirft Steinbrück Realitätsferne vor"

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  • Kritik vom Brandstifter BDI ist eine echte Wahlhilfe für Herrn Steinbrück!

  • An G.N.
    Vielen Dank für ihren hervorragenden Kommentar. Endlich beschreibt jemand richtig die unsägliche Mittäterschaft und Inkompetenz in Finanz- und Volkswitschaftsfragen dieses Möchtegern-Finanzfachmanns, Peer Steinbrück. Seine Inkompetenz in Wirtschaftsfragen wird auch nicht durch ein Volkswirtschaftsstudium besser, von dem man nicht die Abschlußnote kennt, noch weiß, wie seine Diplomarbeit zustande kam. Die vielen überbezahlten Vorträge beweisen nur, dass die Bankenwelt weiß, wie man sich bei jemandem bedankt, der das Signal mit der Rettung der IKB gab, dass die Banken ihre Schulden jederzeit beim Staat abladen können, ohne dafür in Regress genommen zu werden.

  • Fortsetzung---

    Auch bei seiner Bewertung der Regulierung des Finanzmarktes und seiner Investmentbanken, verschleiert Herr Keitel die wahren Hintergründe. Mit „starken Banken“ meint Herr Keitel doch wohl nicht den unregulierten Schattenbankenbereich, der in den Jahren bis zur Finanzkrise und weiterhin Unternehmen hilft, ihre Gewinne im Finanzkasino zu platzieren. Anstatt zu begreifen, dass Unternehmen zurückkehren müssen zu ihrem Kerngeschäft, um ihre Gewinne damit zu erzielen. Nicht im Investmentbanking, das volkswirtschaftlich völlig sinnlos und wertlos ist. Stattdessen versucht Herr Keitel eine ideologische finanzkapitalistische Ära fortschreiben, die es Unternehmen erlaubt, allein schon durch Entlassungen den Aktienkurs hochzutreiben, anstatt ihr Geld als ehrbarer Kaufmann mit seinen Produkten zu verdienen. Der Mann hat gar nichts begriffen.

  • In welcher Welt lebt Herr Keitel eigentlich, dass er so tut, als bestimme die Wirtschaft die staatlichen Rahmenbedingungen. Die Rot-grüne Regierung unter Schröder machte mit ihren Arbeitsmarktreformen und erheblichen Steuererleichterungen den Unternehmen bereits Milliardengeschenke, die sich jährlich wiederholen. Die Vermögenssteuer schadet nicht, wenn man berücksichtigt, dass i m internationalen Vergleich Deutschland und Österreich nach OECD-Zahlen (2008) sehr geringe vermögensbezogene Steuern erheben. Bereits 1995 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass eine unterschiedliche steuerliche Belastung von Grundbesitz und sonstigem Vermögen mit Vermögensteuer nicht mit dem Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) vereinbar sei. Insoweit irrt Herr Keitel. Denn, was wurde aus den Versprechen der Unternehmen, im Zuge der Reformen Arbeitsplätze zu schaffen oder ihre Gewinne arbeitsmarktfördernd in Deutschland zu investieren. Nichts wurde daraus. Die Unternehme haben die Vorteile genutzt, den Arbeitsmarkt mit Leiharbeit, Mini- und Midijobs flächendeckend zu präkarisieren. Bei Berücksichtigung aller Zählkreise der Arbeitsagentur haben wir 2012 zwar nur 2,7 Millionen offizielle Arbeitslose, aber denen stehen über fünf Millionen Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II gegenüber. Auch die 4,9 Millionen registrierten Arbeitssuchenden sprechen deutlich gegen die offizielle Darstellung. Die sogenannte »Stille Reserve« von etwa 1,2 Millionen komplettiert das traurige Bild, auch wenn hier die Statistik völlig unschuldig ist.
    Herr Keitel will das alles nicht sehen, wenn er meint, er müsse seine völlig unreflektierte Sicht der Dinge zum Besten geben. Der informierte Leser erkennt allerdings an dieser Haltung die völlige Verantwortungslosigkeit unserer Wirtschaftseliten. Es geht ihnen immer nur darum sich noch mehr vom „Kuchen“ zu sichern, als sie ohnehin schon haben.

  • @ G.N. genau! und danke für die Zusammenstellung. Dies alles scheint Steinbrück exakt für den Kanzlerjob zu qualifizieren, denn er "kann Kanzler", wie uns aus rennomiertem Mund beschieden wurde. Bedenklich!

  • • Steinbrück erklärte die IKB für »systemrelevant« (vermutlich hatte das damit zu tun, dass Steinbrück den Banken, die bei einer Insolvenz Geld verloren hätten, einen Gefallen tun wollte!), mit sogenannten Produktinnovationen, neuen Formen der Verbriefung und Derivaten, wollte den Finanzstandort Deutschland auf Augenhöhe mit London und New York bringen. Diese Papiere sollten wenige Jahre später als ABS, CDO und CDS zu weltweit (trauriger) Berühmtheit gelangen. Zudem war Steinbrück während der IKB-Krise im Vorstand der BfW. Er hat also in der von ihm mit verursachten Krise seine Pflichten als Aufsichtsrat verletzt.
    • Bereits ein Jahr vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers geriet die deutsche Mittelstandsbank IKB in Schieflage. Die Gläubiger wurden mit rund 10 Milliarden Euro Steuergeldern ausbezahlt. Das Mantra der Systemrelevanz war geboren, doch nie war es unzutreffender als bei der unbedeutenden IKB.
    • Noch teurer kam den Steuerzahler ein Jahr später Steinbrücks Blankoscheck für die Gläubiger der Hypo Real Estate (HRE) zu stehen. Zusammen mit seinem Staatssekretär Jörg Asmussen ließ sich Steinbrück von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion über den Tisch ziehen. Er sicherte den Banken eine Übernahme der Verbindlichkeiten der HRE zu, die den Steuerzahler insgesamt wahrscheinlich mehr als 100 Milliarden Euro kosten wird.
    • An der Einführung der Abgeltungsteuer für Kapitalerträge war Steinbrück 2009 als Finanzminister der Großen Koalition ebenfalls maßgeblich beteiligt, mit 25 Prozent liegt sie deutlich unter dem Einkommenssteuersatz.
    • Nennenswerte Gesetzesinitiativen zur Regulierung der Finanzmärkte blieben während seiner Amtszeit aus.
    • Während des Krisenjahres 2008 lehnte er jegliche konjunkturpolitische Antwort auf die Finanzkrise so lange ab, bis er von der Realität überholt wurde und zähneknirschend den Mini-Konjunkturprogrammen zustimmte, die im November 2008 beschlossen wurden. Im Folgejahr erlebte Deutschland die stärkste Rez

  • ein zweites Mal einen Steinbrück braucht auch NIEMAND!

    • Steinbrück fordert offen die Euro-Schulden- und Transferunion.
    • Steinbrück ist Mitverursacher der Krise, die er durch Bankenderegulierung, Derivate und Zockereien der Landesbanken zusammen mit Asmussen verursacht hat.
    • Trennbanken und die Regulierung der Banken wurden von Schröder
    und Steinbrück schon vor Jahren vernichtet.
    • Steinbrück hatte schon 2008 einen Regulierungsplan gegen das Bankengezocke angekündigt, aber NICHTS davon umgesetzt, sondern diese als regierender Bundesfinanzminister stattdessen blockiert.
    • Unter Steinbrücks Aufsicht (1998-2005) steuerte die WestLB mit dubiosen Geschäftspraktiken in eine Existenz bedrohende Krise. Abdem Jahr 2005 sorgte er als Bundesminister für die Liberalisierung der Finanzmärkte. Unter den Augen des Kontrolleurs Steinbrück verwandelte sich die ehemals provinzielle Landesbank in eine international tätige Zockerbude, die im Finanzkasino mitspielte und schon lange vor der Subprime-Krise Milliarden verbrannte. Die „Conduit-Geschäfte“, die der WestLB wenige Jahre später das Genick brechen sollten, nahmen unter Steinbrück richtig an Fahrt auf.
    • Er hat in seiner Amtszeit als Finanzminister den Mitarbeiter und SPD-Bankster Jörg Asmussen protegiert, der die Pleite der IKB als Aufsichtsrat herbeigeführt hat.

  • Dazu vielleicht noch der Hinweis, wie hoch genau der Target 2 Saldo der Bundesbank im September 2012 war:

    Forderungen der Bundesbank aus TARGET2:
    Betrag: 695.458.426.588,41 Euro
    (Stand: 30. September 2012)

    alles uneinbringbare Forderungen!
    Die Steuerzahler werden hier in einem unerhörten Maße ausgeplündert!
    Wir finanzieren unseren eigenen Export!

  • „Die Unternehmen wollen mit dem Geld lieber weiter investieren und Leute einstellen“
    ----------------
    So Keitel
    Ja, warum haben Sie es denn all die Jahre nicht gemacht?
    Die Wirtschaft hat doch nur noch Billigstlöhner eingestellt, dank Schröder.
    D. h. im Klartext nichts anderes, als dass der Staat also die Steurzahler den Firmen die Gehaltszahlungen abgenommen hat, denn diese Billigslöhner werden ja vom Staat aufgestockt
    Studienabgänger, selbst mit besten Abschlüssen, wurden nur als unbezahlte Praktikanten eingstellt mit dem "Erfolg", dass sie mengenweise ausgewandert sind,und nun stellen sich Unternehmen auch noch rotzefrech hin und verlangen weitere Zuwanderung, weil angeblich Fachkräfte fehlen.
    Herr Keitel soll erst einmal Ordnung in seiner Klientel schaffen und zurückkehren zur sozialen Marktwirtschaft.

  • XRay
    diser Ton ist hier nicht üblich

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