Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

BDI-Studie Klimaschutz im Verkehr könnte Deutschland 250 Milliarden Euro kosten

Um seine CO2-Ziele zu erreichen, müsste Deutschland laut einer BDI-Studie enorme Kosten schultern. Auch die Benzinpreise würden deutlich steigen.
2 Kommentare
Laut Verband der Automobilhersteller ist „ein Elektrofahrzeuganteil von 15 Prozent in Europa bis 2025 zu erreichen“. Quelle: dpa
Elektroauto

Laut Verband der Automobilhersteller ist „ein Elektrofahrzeuganteil von 15 Prozent in Europa bis 2025 zu erreichen“.

(Foto: dpa)

Berlin Bis 2030 soll Deutschland im Verkehrssektor seine CO2-Emissionen um 40 Prozent senken. Wie dies in nur elf Jahren gelingen kann, soll eine Expertenkommission bis Ende März für die Bundesregierung durchrechnen. Gut 30 Experten aus Ministerien, Wirtschaft und Ökoverbänden diskutieren alle denkbaren Instrumente.

Auch die Wirkung eines Tempolimits hat das Öko-Institut für die Gruppe berechnet, ebenso eine um 52 Cent angehobene Spritsteuer bis 2030. Als die Pläne vergangene Woche für Furor sorgten, kam Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in die Defensive. Die Vorschläge seien „gegen jeden gesunden Menschenverstand“, sagte er.

Ein geplantes Treffen der Arbeitsgruppe an diesem Mittwoch sagte er ab. Es gebe „Gesprächsbedarf über die Arbeitsweise der Nationalen Plattform“. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat die Experten der Boston Consulting Group (BCG) sowie von Prognos nachrechnen lassen, wie kostspielig Klimaschutz für alle sein wird – vor allem in der kurzen Zeit.

Dieses Ziel sei „möglicherweise jenseits dessen, was die Verbraucher bereit sind zu zahlen“, resümiert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BDI, Holger Lösch, und stellt gleich die Grundsatzfrage: „Die Frage, ob das in der zur Verfügung stehenden Zeit lösbar ist, darf kein Tabu sein.“

Es geht um eine enorme Summe, die laut BDI-Studie nötig wäre, um das 40-Prozent-Ziel zu erreichen. „Die Mehrinvestitionen beliefen sich bis 2030 auf rund 250 Milliarden Euro“, heißt es in dem Papier. Das „Mehr“ bezieht sich auf eine umfassende Klimastudie, die der BDI vor einem Jahr vorgelegt hatte und in der dieselben Gutachter erklärten, wie es bis 2050 möglich sei, den Kohlendioxid-Ausstoß im Land bis 2050 um 80 beziehungsweise 95 Prozent zu senken, und was es kostet: 1,5 bis 2,3 Billionen Euro über alle Sektoren.

Grafik

Der Verkehrssektor müsste allein binnen der kommenden 35 Jahre eine halbe bis eine Dreiviertel-Billion Euro schultern, je nach Szenario. Gut die Hälfte des Geldes müsste etwa in Stromtankstellen und Subventionen sowie Kaufanreize für Elektromobile fließen, ein weiterer Großteil für effizientere Motoren oder andere Antriebe wie E-Fuels, Gas oder Wasserstoff verwendet werden.

Anreize und Subventionen sind dringend notwendig

Von einem Tempolimit oder drastisch steigenden Benzinpreisen war in der Studie nicht die Rede. Doch hat sich die Lage dramatisch zugespitzt, will die Regierung doch mit einem Klimaschutzgesetz auch das Zwischenziel 2030 erreichen. Darin sollen laut Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) konkrete Maßnahmen festgelegt werden, mit denen eine bestimmte Menge Kohlendioxid eingespart werden soll.

Es geht angesichts der „großen Herausforderungen“, wie es in der BDI-Studie heißt, längst um Verbote (Tempolimits), um Strafen (etwa für Autobauer, deren Flotten zu viel CO2 emittieren) und um steigende Kosten (Benzin- und Dieselpreise, eine Maut auf allen Straßen für Lkw und Pkw), damit die Bürger in Windeseile auf Bus und Bahn umsteigen oder sich ein elektrisch betriebenes Auto kaufen.

Anreize und Subventionen in ungeahnter Höhe wären notwendig – laut BDI-Studie der „Einsatz aller denkbaren technischen und relevanten Hebel“. In der ersten BDI-Studie, in der die Autoren vor allem auf neue Märkte wie für E-Mobilität und alternative Treibstoffe gesetzt hatten, wäre das Zwischenziel zwar nicht 2030, aber gut fünf Jahre später erreicht worden.

Durch das politisch vorgegebene Eiltempo aber steigen die Kosten um „das Doppelte dessen, was der BDI in seiner Studie aus dem Jahr 2018 für den Bereich errechnet hatte“, mahnt BDI-Hauptgeschäftsführer Lösch. Der Preis für den CO2-Ausstoß wird laut BDI deutlich steigen müssen. Derzeit liegt er für eine Tonne CO2 bei rund 20 Euro.

Im Verkehrssektor, so die Berechnung von BCG und Prognos für die Wirtschaft, müsste er künftig bei 250 Euro liegen, also zehnmal so hoch wie in anderen Sektoren. Dieser Hinweis soll im Verkehrsministerium regelrechtes Entsetzen ausgelöst haben.

Denn er bedeutet, dass der Benzin- und der Dieselpreis deutlich steigen werden und obendrein der Staat mit massiven Subventionen und Anreizen dafür sorgen muss, dass in Windeseile nicht nur Stromtankstellen aufgestellt, sondern auch massenhaft Elektroautos und Gasfahrzeuge von den Menschen gekauft werden.

Der Spritpreis müsste bis 2030 laut Studie um 58 Cent auf 2,04 Euro (Diesel: um 66 Cent auf 2,01 Euro) je Liter steigen. Weniger wäre nur mit Kaufanreizen von bis zu 30 Milliarden Euro realistisch. Von vier Millionen Gas- und bis zu zehn Millionen E-Autos bis 2030 ist die Rede. Fraglich ist, ob die Verbraucher so viele kaufen wollen. Und ebenso fraglich ist, ob die Hersteller so viele Autos produzieren können.

Jährlich werden in Deutschland rund drei Millionen Autos neu auf den Markt gebracht, EU-weit waren es im vergangenen Jahr 15,6 Millionen. Davon waren zwei Prozent, also gut 300.000 teilelektrisch (Plug-in-Hybrid) oder elektrisch. Laut Verband der Automobilhersteller ist „bei einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Industrie und Politik ein Elektrofahrzeuganteil von 15 Prozent in Europa bis 2025 zu erreichen“.

Dies wäre, bezogen auf Deutschland, die Hälfte der in der BDI-Studie geforderten zehn Millionen. „Ehrgeiziger Klimaschutz ist möglich, braucht aber Augenmaß und die richtigen Leitplanken“, heißt es beim VDA. Dort fordern sie „technologieoffene Vorgaben und maximale Flexibilität für die Akteure statt Verbotspolitik“.

Einzelmaßnahmen wie ein Tempolimit oder steigende Benzinpreise vorzuschreiben sei wirtschafts- und klimapolitisch nicht der effizienteste Weg. Genau das aber plant das Umweltministerium. Und auch das Verkehrsministerium kalkuliert schon seit Längerem neben der Lkw- und der Pkw-Maut vor allem mit steigenden Spritpreisen.

Sie sind sogar Teil der Annahmen von künftigen Verkehrsprognosen, die wiederum die Grundlage dafür sind, wo der Bund in Zukunft welche Straßen und Schienenwege bauen will. So haben die Gutachter des Ministeriums bereits 2014 einen Benzinpreis von 2,11 Euro zugrunde gelegt.

Ministerium: Spritpreis von 2,11 Euro

In der Verkehrsverflechtungsprognose 2030 heißt es dazu: „Eine noch höhere Bedeutung für den gesamten Kraftstoffpreis kommt dem Mineralölsteuersatz zu. Für ihn ist sowohl aus finanz- als auch aus klimaschutzpolitischen Gründen eine weitere (reale) Anhebung als wahrscheinlich zu betrachten.“ Insgesamt ist von einer Verteuerung um „rund 60 Prozent“ die Rede.

Die Gutachter unterstellten in ihrem Bericht, dass der Spritpreis auf jeden Fall steigen wird: entweder durch höhere Steuern oder aber über steigende Rohölpreise. Würde etwa der Ölpreis auf 50 US-Dollar sinken, so läge die Mineralölsteuer bei 1,37 Euro je Liter, bei 200 US-Dollar hingegen nur beim heutigen Wert von 65 Cent.

Auf der Basis dieses Modells beschloss der Bund 2017, wo konkret er bis 2030 gut 50 Milliarden Euro in den Neu- und Ausbau der Verkehrswege investieren wird. BCG-Gutachter Philipp Gerbert will nicht ausschließen, dass sich die Klimaziele erreichen lassen und „bei guter Umsetzung sogar leicht positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben“.

Doch klar sei auch: Die Ziele bis 2030 im Verkehr seien „im Vergleich zu anderen Sektoren außerordentlich ambitioniert und damit teurer“.

Startseite

Mehr zu: BDI-Studie - Klimaschutz im Verkehr könnte Deutschland 250 Milliarden Euro kosten

2 Kommentare zu "BDI-Studie: Klimaschutz im Verkehr könnte Deutschland 250 Milliarden Euro kosten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 250 Mrd im Verkehr, zig Mrd in der Industrie, zig Mrd im Wohnungsbestand, zig Mrd für die daraus erwachsende Arbeitslosigkeit, wer soll das bezahlen und warum?
    Man sieht ja an der aktuellen endlich durch die Lungenfachärzte mal ein bißchen fachlichen Diskussion über die NOx Grenzwerte und deren Messung, daß das alles ohne Fachleute nur aus ideologischen Gründen so wurde, wie es ist.
    Die Regierung muß jetzt deutlich auf die Bremse treten, hier könnte die CDU mal Farbe bekennen und notfalls die leidige GroKo beenden.

  • Die Regierung hier in Deutschland will wohl unbedingt französische Zustände haben ? so mit Gelbwesten, Krawall und allen was dazu gehört und das als wochenend beschäftigung.