Beck-Affäre Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird

Volker Beck hat nach Vorwürfen des Drogenmissbrauchs seine Ämter niedergelegt. Er ist nicht der erste Politiker, der erwischt wurde. Beispiele aus den USA zeigen, einigen wird vergeben - zum Beispiel Barack Obama.
67 Kommentare
Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat seine Ämter in der Grünen-Fraktion abgegeben: Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat den Fund eines verdächtigen Stoffs beim 55-Jährigen bestätigt. Quelle: dpa
Volker Beck

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat seine Ämter in der Grünen-Fraktion abgegeben: Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat den Fund eines verdächtigen Stoffs beim 55-Jährigen bestätigt.

(Foto: dpa)

San FranciscoDie Meldung schlug ein wie eine Bombe. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Fund eines verdächtigen Stoffs bei dem 55-jährigen Politiker Volker Beck. Die „Bild“-Zeitung hatte als Erstes über den Vorfall berichtet. Dem Blatt zufolge soll es sich dabei um die synthetische Droge Crystal Meth handeln, die den Ruf hat, noch gefährlicher als Heroin oder Kokain zu sein. Beck äußerte sich nicht näher zu den Vorwürfen, erklärte aber, dass er seine Ämter in der Grünen-Fraktion zur Verfügung stelle.

Schnell verbreitete sich auf Twitter der Hashtag #BreakingBeck - mit Anspielung auf die erfolgreiche US-TV-Serie „Breaking Bad“, in der ein unbescholtener Hochschullehrer durch unvorhersehbare Ereignisse immer tiefer im Sumpf der Drogen versinkt und sich nicht mehr daraus befreien kann.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich jetzt um das Ende der politischen Karriere des Grünen-Politikers handelt. Seit über 30 Jahren als Abgeordneter im Bundestag und langjähriger Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion machte er oft von sich reden und setzte sich vehement für die Rechte von Minderheiten ein, kämpfte gegen Rassismus und Vorurteile. Ob er selbst jetzt noch einmal aus dem Morast der moralischen und sozialen Vorurteile auftauchen wird, ist noch offen. Hebt der Bundestag seine Immunität auf, könnte ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft auf ihn zukommen.

Der Blick in die USA verrät, dass es möglich ist, Drogenvorwürfe politisch zu überleben. Wenn auch nicht immer unbeschadet. Es kommt darauf an, wie die Betroffenen damit umgehen.
Die USA in den 60er und 70er-Jahren: Vietnamkrieg, Flower-Power, San Francisco, freie Liebe und Drogen, Eric Clapton macht den Song „Cocaine“ von JJ Cale weltberühmt. Viele der jungen Männer und Frauen, die damals aufgewachsen sind, bekleiden heute politische Ämter.

Journalisten und politische Gegner wissen, was sich damals in High Schools oder Freiluftkonzerten abgespielt hat. Darum gehört die Frage nach dem Drogengebrauch längst zum Standardrepertoire. Die einen gestehen, die andern nicht, andere werden erwischt. Das Urteil der Wähler ist nicht vorherzusehen.

Zehntausende Tote durch Alkohol
Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2015
1 von 12

Trotz aller Aufrufe zum Maßhalten riskieren Millionen Menschen in Deutschland Gesundheit und Leben durch Alkohol, Tabak und illegale Drogen. So gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene bis 64 Jahren als alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben nach unveränderten Angaben mindestens 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch oder Alkohol und Tabak zusammen, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung hervorgeht.

Alkohol
2 von 12

74.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkohol. 9,5 Millionen Menschen konsumieren riskant viel davon. Der zweithäufigste Anlass für einen Klinikaufenthalt waren 2013 psychische Störungen durch Alkohol mit 338.204 Fällen. An erster Stelle lag Herzschwäche. Die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurden, sank aber um 12,8 Prozent auf 23.267 (2013).

Drogenbeauftragte Marlene Mortler
3 von 12

Rund 600.000 vorwiegend junge Menschen haben laut dem Bericht Probleme mit Cannabis. Cannabiskonsum sei bei den unter 25-Jährigen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagte, zwischen 2007 und 2013 sei die Zahl der Betroffenen um 31 Prozent gestiegen. „Cannabis ist eine ernsthafte Gesundheitsgefahr gerade für Jugendliche“, mahnte sie, „deshalb müssen wir alles vermeiden, was den Eindruck erweckt, es sei ein harmloses Genussmittel.“ Sie wandte sich gegen Forderungen wie jüngst von der FDP nach Freigabe von Cannabis jenseits medizinischer Zwecke.

Alkoholkomsum bei Jungen
4 von 12

Besser erreichen wolle sie Erwachsene bis 25 Jahren, kündigte Mortler an. „In dieser Altersgruppe gibt es besonders riskante Verhaltensweisen.“ Als riskant geltende Mengen Alkohol tranken 2012 19,2 Prozent der jungen Männer und 12,8 Prozent der jungen Frauen. Mitte des vergangenen Jahrzehnts waren es noch jeweils rund vier Prozentpunkte mehr.

Rauchen
5 von 12

24,5 Prozent der Erwachsenen rauchen – bei den Kindern und Jugendlichen sind es 9,7 Prozent. Mit 24,5 Prozent raucht fast jeder Vierte ab 15 Jahren – nach 28 Prozent vor 14 Jahren.

Medikamente
6 von 12

2,3 Millionen Menschen sind medikamentenabhängig.

Glücksspiel
7 von 12

Ein krankhaftes Glücksspielverhalten sollen 191.000 bis 339.000 Menschen haben.

Trey Radel, republikanischer Kongressabgeordneter aus Florida, schrieb im November 2013 Geschichte. Ihm gebührt die Ehre, als erster gewählter Volksvertreter im US-Kongress während seiner Amtszeit wegen eines Drogenvergehens verurteilt worden zu sein. Damals, als 37-Jähriger, war er Undercover-Agenten in die Falle gegangen, als er versuchte, 3,5 Gramm Kokain für 250 Dollar zu kaufen. Um einen langen Prozess unter den Augen der Öffentlichkeit zu vermeiden, bekannte er sich schuldig und bekam eine Gefängnisstrafe auf Bewährung. Aber politisch war er nicht mehr tragbar.

Ausgerechnet er war einer der schärfsten Befürworter einer Gesetzesinitiative, nach der sich Sozialhilfeempfänger, die Essensmarken vom Staat bekamen, routinemäßig Drogentests unterziehen sollten. Bei einem positiven Ergebnis sollten die Leistungen gekürzt werden.

Die Häme, die ihm, der auch noch alkoholabhängig war, entgegenschlug, war überwältigend. Nach einer Entziehungskur kehrte er in die Politik zurück. Ende Januar 2014 verließ er den Kongress, in dem er zunehmend isoliert war. Es drohte ihm eine Untersuchung der Ethik-Kommission, die ihn wie auch seine Familie und Freunde schwer hätte belasten können. 2015 eröffnete er eine Agentur für Krisenkommunikation.

Jeb Bush und Obama gestehen Jugendsünden
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Beck-Affäre - Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird

67 Kommentare zu "Beck-Affäre: Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion

  • Ich würde mir mal den Macker con Claudia Roth gerne anschauen.

    Würde mich auch nicht wundern, wenn sie über etwas herzieht, wovon sie keine Ahnung hat. Das machen die Grünen am besten. Ansonsten können diese ungelertne Kräfte nicht viel, zumindest in der Politik.

    Ich vermute mal, dass sie keinen Macker hat.

    Dann kann ich diese Äußerung gegen die anderen Männer von ihr eher verstehen.




  • Es handelt sich hier um einen eklatanten Verstoß gegen das BtMG (hier harte Drogen). Es kann nicht seine, dass einem Politiker durch die Hintertür vergeben wird (keine Häme) und andere werden hart verurteilt. Es kann auch nicht sein, dass ein Politiker (hier ein Politiker des Bundestages!) dieses Amt überhaupt noch ausüben darf.

  • http://www.welt.de/politik/deutschland/article118234356/Der-alltaegliche-Missbrauch-in-einer-gruenen-Kommune.html

  • Vinci Queri,

    dem sind nur noch die einzlenen Vorfälle nicht alle bekannt oder mehr bekannt. Ansonsten würden die Schwaben nun abstrafen.

    Das ist schon lange überfällig. Aber es solche Menschenschläge geben, die wollen und können nicht.

    So ähnlich ist es auch bei der Migration. Ob es bei den Schwaben so ist, da bin ich mir nicht sicher.

    Aber wir werden es bald wissen, wie und ob die noch richtig ticken.

  • >> Die Staatsanwaltschaft Gießen hat gegen den Leiter des Gießener Wahlkreisbüros des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs einen Haftbefehl erwirkt. Dem 61-Jährigen wird zur Last gelegt, seit 2007 sexuellen Missbrauch an mehreren Kindern, deren Vertrauen er zuvor erworben hatte, verübt zu haben. >>

    HTTP://WWW.HANDELSBLATT.COM/PANORAMA/AUS-ALLER-WELT/HAFTBEFEHL-GEGEN-BUEROLEITER-GRUENEN-MITARBEITER-SOLL-KINDER-MISSBRAUCHT-HABEN/8906754.HTML

  • Unglaublich was für Menschen die Grünen führen. In schlechter Erinnerung sind bei mir noch die Kommentare der Grünen bzgl. der Sylvesternacht. Uns normalen Deutschen Männern wurde unterstellt nicht "besser" zu sein.
    Von Frau Roth z.B habe ich mehr Kommentare über die Vorzüge der Türkei gehört als Bekenntnisse zu Deutschland(0)
    https://www.youtube.com/watch?v=hSgXp9R32mM

  • Hallo Redaktion,
    der Spiegel-Troll muß auf die Löschliste kommen.
    Der geht einem so was auf den Geist.

  • >> Daniel Cohn-Bendit hatte 1975 in einem halb fiktiven Buch über seine Zeit als Erzieher geschrieben, es sei passiert, dass Kinder seine Hose geöffnet und ihn gestreichelt hätten. >>

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/studie-vor-der-wahl-gruene-wollen-paedophilie-vorwuerfe-untersuchen-lassen/8253076.html

    Und hier muss man sich fragen, ob die Schwaben, die zu 30 % Grün wählen wollen, vor lauter "schaffa, schaffa, Häusle baue" , ihren Verstand verbaut haben !



  • Künast: Eier, Eier....es ist keine schöne Sache, es ist schon klar.


    Wer wählt eigentlich soetwas in Deutschland? Göring-Eckardt, Claudia Roth, Renate Künast, Özdemir, Volker Beck & Co.

    Wer unterstützt die denn eigentlich noch?

    Das kann nur eine besondere Spezies von Menschen sein und selbstvso gestrickt sind. Anders lässt sich mir das nicht erklären.

    Hoffentlich bekommen wir mehr Kinder mit einem gesunden Menschenverstand, Charakter und einer tüchtigen Portion Selbstbewußtsein.

    Solche Spezies haben wir sxhon genug rumlaufen.

    Sogar im Bundestag.

    Ohne Worte!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%