„Befangen im Fall Schavan“ Forschungsmanager kritisiert Uni Düsseldorf

Annette Schavan hat ihren Doktortitel verloren und ihr Amt niedergelegt. Nun gehen die Verfechter Schavans in die Offensive. Der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft wirft der Uni Versagen vor.
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Leerer Stuhl der Bundesbildungsministerin. Nun steht die Uni Düsseldorf in der Kritik. Quelle: dpa

Leerer Stuhl der Bundesbildungsministerin. Nun steht die Uni Düsseldorf in der Kritik.

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MünchenNach der Aberkennung des Doktortitels und dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hält die Kritik am Vorgehen der Universität Düsseldorf an. Die zuständige Philosophische Fakultät sei in dem Fall „zutiefst befangen“ gewesen und hätte das Verfahren abgeben müssen, schrieb der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, am Mittwoch in einem Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“. „Das hat sie aber ganz offensichtlich nicht begriffen, oder sie hat es begriffen, und sie hatte nur Angst um ihren Ruf.“

Winnacker warf der Fakultät vor, sie habe es sich sehr einfach gemacht und „ihre Verantwortung in vollem Umfang an das schwächste Glied in der Reihe, nämlich die damals 25-jährige Kandidatin, weitergegeben“. Stattdessen hätte sie sich fragen müssen, „warum man nicht selbst vor gut dreißig Jahren die Arbeit gelesen und die angeblichen Fehler beim Zitieren bemängelt und korrigiert hat“. Im Fall Schavan gehe es nicht um echte Plagiate, wo ganze Textteile abgeschrieben seien, sondern um Fragen des Zitiergebarens, schrieb Winnacker weiter.

Der Forschungsmanager forderte einen Systemwechsel im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten: Der starre Abgleich mit Zitierregel-Heftchen oder elektronische Textvergleiche seien nur geeignet, eine „Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens“ im Wissenschaftsbetrieb zu schaffen. Notwendig sei eine unabhängige Clearingstelle, die beim Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten eingeschaltet werden könne. Eine solche könnte nach Ansicht Winnackers bei der Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle angesiedelt sein.

Die Uni Düsseldorf hatte am vergangenen Dienstag Schavan wegen Plagiaten in ihrer Doktorarbeit „Person und Gewissen“ den Titel aberkannt. Die Ministerin war daraufhin am Wochenende zurückgetreten, zu ihrer Nachfolgerin soll am Donnerstag die bisherige niedersächsische Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ernannt werden. Gegen die Aberkennung ihres akademischen Grades will Schavan klagen.

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9 Kommentare zu "„Befangen im Fall Schavan“: Forschungsmanager kritisiert Uni Düsseldorf"

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  • Lustig, genau das habe ich mir auch schon gedacht. Und wehe den ganzen politischen Mitläufern in 30 Jahren- da sind das Inhalte und Stringenz in den Überprüfungen dran. Schätze mal, dass in den Geisteswissenschaften dann weit mehr als die Hälfte ihren Doktor zurück geben müsste. Wir werden sehen.

  • Jaja, schon klar, alle die die Uni Düsseldorf kritisieren, sind zutiefst seltsame, eigentlich wollen sie doch sagen moralisch minderwertige Unmenschen, nicht wahr? Auch wenn der "reale Sozialismus" sich nur wenige Schritte vor dem Bau neuer Gulags für Systemkritiker wähnt- lesen informieren sie sich doch einfach über den Ablauf des Verfahrens. Oder lesen sie auf der Hochschulseite nach. Und wenn sie dann immer noch sagen, sie wissen nicht, was man da finden soll, dann lügen sie. Oder haben ein eher faschistisches Gerichtsverständnis. Da ist nämlich ganz unverblümt zu lesen.
    "Von Inhalten haben wir keine Ahnung und sie interessieren auch nicht. Damit unsere Mitglieder wissen, wofür sie stimmen sollen, erstellen wir eine intern in Auftrag gegebene "AbstimmungsEMPFEHLUNG" an die sich die Mitglieder doch bitte zu halten haben. Und wer uns kritisiert, ist natürlich befangen- ganz im Gegensatz dazu natürlich die Schavan-Gegner unter unseren Befürwortern. Bei so einem "Rechtsempfinden" sagt jeder normal denkende Mensch nur "gute Nacht."

  • Die Universität Düsseldorf macht sich mit ihrer Homepage-Stellungnahme- einmal mehr lächerlich.
    So heißt es pampig "Wer uns kritisiert ist ohnehin als befangen anzusehen"- und deshalb sprechen wir jeder Kritik das Recht auf freie Meinungsäußerung ab und gehen lieber gar nicht auf Inhalte ein. Könnte uns ja sonst dumm dastehen lassen.
    Die "wirklich neutralen" Institute stünden der Universität Düsseldorf dagegen bei. Die meisten dieser "Befürworter" sind SPD nah oder als schärfste Kritiker von Schavans Bologna-Reform bekannt. Auch das kann jedermann im Internet nachlesen.
    Dazu bestätigt sich die Hochschule selbst"strikteste Neutralität"-ein 5. Klasse Grammatikfehler. Zumal man die von Schavan beigefügten Expertisengutachten erst einmal mit Gänsefüsschen bedenkt.
    Die Persönlichkeitsrechte von Frau Schavan "seinen zu keiner Zeit verletzt worden." Auf der selben Seite wird die Vorveröffentlichung des belastenden Gutachten natürlich ganz neutral relativiert. "Sowas passiere auch an anderen Hochsculen." Na ja, dann. Ein hochschulinternes Verfahren habe ergeben, dass ungeachtet dieses Vorfalls die Tagung weiter stattfinden könne...Na wenn ihr Kompetenzbestien das sagt....Prüfer und Richter in selber Funktion. Weiter zum Verfahren.
    Von Inhalten habe man keine Ahnung, man habe sich auch nicht damit befasst. Interessiert ja auch niemanden. Ebenso wie die Einschätzung von Schavans Doktorvater, darum hat den auch niemanden angehört. Ach ja.
    Die studentischen Mitglieder des Ausschusses hatten selbst noch nicht einmal einen Bachelorabschluss und geben gleich nach Verfahren dann ein Interview in der Zeitung. Schavan habe sie "fünf Monate ihres Lebens gekostet." und mit ihrer Klage "mache sie sich lächerlich."So sieht also "strikteste Neutralität" der Uni Düsseldorf aus.
    Der eigentliche Skandal ist jedoch das interne Gutachten, das der Hochschuldekan in Auftrag gegeben hat und das- als eingeräumte AbstimmungsEMPFEHLUNG der fachlich ahnungslosen Mitglieder galt. Sorry folks,6 setzen

  • Die zuständige Philosophische Fakultät sei in dem Fall „zutiefst befangen“ gewesen und hätte das Verfahren abgeben müssen, schrieb der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)…. Im Fall Schavan gehe es nicht um echte Plagiate, wo ganze Textteile abgeschrieben seien, sondern um Fragen des Zitiergebarens, schrieb Winnacker weiter (Zitat)
    Eine Feststellung, die Beachtung erfordert. Diese Düsseldorfer Fakultät steht durch die Art ihrer Vorgehensweise jetzt selbst in der Kritik einer fahrlässigen Behandlung. Das letzte Wort dürfte also noch lange nicht „gesprochen“ sein.

  • Herr Winnacker verspielt seinen guten Ruf: In der Leopoldina bekleidet er selbst eine hohe Position, und unter Schavan wurde diese Institution extrem aufgewertet. Warum SZ und Handelsblatt nicht mal kurz diese Verbindung wenigstens erwähnen, erschließt sich mir nicht. Eine unabhängige Instanz zur Prüfung von Arbeiten ist wirklich wünschenswert - nur dann wird es garantiert nicht die Leopoldina. Die ist für ein solches Unterfangen m.E. in keinster Weise geeignet.

    Überhaupt sind das aus meiner persönlichen Sicht seltsame Menschen, die der Uni Düsseldorf ein unkorrektes Verfahren unterstellen: HU Präsident Olbertz zum Beispiel hat stark vom Realsozialismus getränkte Arbeiten verfasst, und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ist vor allem ein Verbund vom BMBF finanzierter Organisationen. Herr Winnacker reiht sich da nahtlos ein.

  • OK, und die Tatsache, dass die Frau Bildungsministerin war, spielt überhaupt keine Rolle?

    Natürlich ist der Standard einer Dissertation Beginn Jahre 80 wesentlich niedriger gemessen an den heutigen Leistungsanforderungen, das ist aber auch nicht der Punkt der Aberkennung.

    Was wollen Sie eigentlich sagen, solange es ein innovatives Element gibt, ist es OK, wenn ich klaue? Ob Sie das auch noch sagen, wenn ich nachts bei Ihnen einsteige und die gestohlenen Güter dann weiterverarbeite zu etwas vorher nicht dagewesenem wie man das ja oft mit Schmuck macht?

  • Der Fall Schavan zeigt doch nur, wie wenig die Öffentlichkeit begriffen hat, worum es bei einer Doktorarbeit eigentlich geht. Diese muss einen innovativen Charakter oder wenigstens innovative Ansätze haben. Ist dieser Fall, wird sie als solche der Fakultät zur Annahme empfohlen. Falsches oder ungenaues Zitieren, zumal in seiner Häufigkeit, kann und muss die Qualität einer Diss. zwar erheblich einschränken. Eine Aussage über ihre wissenschaftliche Qualität lässt sich daraus aber nicht ableiten. Es stellt sich doch die Frage, wie es um diese Qualitäten von Frau Schavans Arbeit bestellt ist.
    Stellen wir uns doch einmal das Gegenteil vor, eine Arbeit, in der makellos zitiert wird. Doch ihr Innovationsgehalt tendierte gegen Null. In dieser ließen sich eben nicht mit Hilfe diverser Programme Mängel nachweisen. Sie würde auch wohl die heutigen Kontrollmechanismen der diversen Plags gut passieren. Nein, es bedarf eines wissenschaftlichen Gremiums, das die besagte Arbeit auf Grund der damaligen Forschungslage in der Erziehungswissenschaft ebenso würdigt wie die formalen Mängel. Wer dies nicht versteht, weil er es sich gern einfacher vorstellen und machen will, sollte sich etwas mehr zurückhalten. Altem Unrecht ist nicht neues Unrecht hinzuzufügen.

  • Was will der Mann damit sagen?
    Weil die Uni damals geschlampt hat, könne man den zu Unrecht verliehenen Doktorhut jetzt nicht mehr kassieren? Eine merkwürdige Denke!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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