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Beitragssenkungen Teuerste Krankenkasse senkt den Zusatzbeitrag deutlich

Spahns Appell scheint Erfolg zu haben: Die größte Betriebskrankenkasse beschließt eine Beitragssenkung um 0,5 Prozentpunkte. Teurer als viele andere ist sie dann aber immer noch.
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Viactiv: Teuerste Krankenkasse senkt den Zusatzbeitrag deutlich Quelle: dpa
Krankenkassen

Die Viactiv ist bislang zusammen mit den deutlich kleineren Kassen Securvita und Merck BKK die teuerste Kasse Deutschlands mit einem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent.

(Foto: dpa)

BerlinKaum hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch via Bild-Zeitung die Krankenkassen aufgefordert, ihre finanziellen Spielräume für Senkungen des Zusatzbeitrags zu nutzen, meldete sich eine der teuersten Kassen der Republik zu Wort. Der Vorstandschef der Viactiv – größte Betriebskrankenkasse in Nordrhein-Westfalen – versprach seinen über 700.000 Versicherten eine deutliche und nachhaltige Beitragssenkung.

„Ich werde meinem Verwaltungsrat am Donnerstag eine Beitragssenkung in der Spannbreite zwischen 0,4 und 0,6 Prozent zum 1.4.2019 vorschlagen“, sagte Reinhard Brücker dem Handelsblatt. „Eine Senkung des Zusatzbeitrags um 0,5 Prozent können wir bis 2021 planen.“

Spahns Aufforderung habe er dazu aber nicht gebraucht, fügte der langjährige Kassenchef, der auch Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU ist, hinzu. „Bei uns zählt der Kunde. Um das zu wissen, brauchen die Selbstverwaltung und der Vorstand keine Direktiven aus dem Bundesgesundheitsministerium“, sagte Brücker.

Die Kasse ist bislang zusammen mit den deutlich kleineren Kassen Securvita und Merck BKK die teuerste Kasse Deutschlands mit einem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent. Zwei Jahre lang musste die Viactiv den Höchstbeitragssatz nehmen, um sich aus den Miesen herauszuarbeiten. „Als wir zum 1. Januar 2016 auf 1,7 Prozent aufgeschlagen haben, war die Situation ernst. Unsere Rücklagen drohten unter die Mindestreserve von 25 Prozent einer Monatsausgabe zu fallen“, so Brücker.

Die Beitragssenkung sei der Kasse nicht in den Schoss gefallen. „Durch einen klaren Markenauftritt, hohe Versorgungskompetenz, gutes Kostenmanagement und eine straffe Prozessgestaltung ist uns eine gesunde Konsolidierung gelungen“, sagte der Vorstandschef. Die Kasse werde das Jahr mit einem Überschuss von voraussichtlich 45 Millionen Euro abschließen.

„Krankenkassen sind aber keine Sparkassen, daher geben wir das Geld den Versicherten nun zurück. Das bedeutet für die Versicherten eine Entlastung bis zu 600 Euro“, sagte Brücker. Dass die Kasse auch 2019 mit einem Zusatzbeitrag von 1,2 Prozent zu den überdurchschnittlich teuren Kassen gehören wird, dafür gibt Brücker der Politik die Schuld.

„Ich erwarte, dass Gesundheitsminister Spahn sein Versprechen einlöst und endlich eine Reform des Finanzausgleichs auf den Weg bringt. Seit neun Jahren hat dieser Ausgleich einige Kassen immer reicher gemacht, und andere wie die Viactiv ärmer. Das Geld ist massiv falsch verteilt“, so Brücker. Die Politik habe dieser Entwicklung viel zu lange zugeschaut.

Die dadurch ausgelösten Probleme seien nicht gelöst, sondern immer größer geworden, kritisiert der Vorstandschef. Spahn sei nicht verantwortlich für die massive Schieflage, aber seine Aufgabe sei es, sie jetzt zu beheben.

Mit seiner Kritik ist er nicht allein. „Die Kassen, die sich auf gemeinsame Reformvorschläge geeinigt haben, vertreten 60 Prozent des Markte“, sagte Brücker. Und wie sehen diese Vorschläge aus? „Wir brauchen einen Regionalfaktor als Ausgleich für Kostenunterschiede, die durch ein unterschiedlich dichtes Versorgungsangebot entstehen und einen Risikopool für besonders teure Krankheiten“, so der Vorstandschef weiter.

Unfair findet es der Chef der noch teuersten Groß-Kasse, dass seine Kasse einen Teil seiner Zusatzbeitragseinnahmen an reiche Kassen abgeben muss, die das wegen ihrer niedrigen Beitragssätze nicht benötigen.

Unter den Viactiv-Versicherten sind viele Gutverdiener. Entsprechend viel macht bei ihnen der als Prozentsatz vom Lohn erhobene Zusatzbeitrag aus. Doch dieses Geld fließt nach den Regeln des Finanzausgleichs an den Gesundheitsfonds. Dort wird umgerechnet: Die Viactiv erhält nur so viel, wie zusammengekommen wäre, wenn die Versicherten genau so viel wie der Durchschnittsversicherte aller über 100 Kassen verdienen würden.

Was übrig bleibt, fließt an alle anderen Kassen. Brücker fordert nun, dass mindestens der über dem Durchschnitt liegende Teil des Zusatzbeitrags nicht in den Finanzausgleich einbezogen wird. Im nächsten Jahr wären dies immerhin 0,3 Prozentpunkte.

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