BER-Technikchef entlassen Bauleiter Marks ist seinen Job los

Der BER bekommt den vierten Bauleiter in fünf Jahren: der einstige Hoffnungsträger Jörg Marks muss wegen Verzögerungen beim Eröffnungstermin gehen. Ein Nachfolger steht schon fest.
Update: 23.02.2017 - 13:01 Uhr Kommentieren
Der oberste Bauleiter wurde nach zweieinhalb Jahren entlassen Quelle: dpa
Jörg Marks

Der oberste Bauleiter wurde nach zweieinhalb Jahren entlassen

(Foto: dpa)

BerlinAuf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens muss angesichts neuer Probleme der nächste Technikchef seinen Hut nehmen. Der oberste Bauleiter Jörg Marks werde nach zweieinhalb Jahren entlassen, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. Zuvor hatten die Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ darüber berichtet. Hintergrund seien die anhaltenden Schwierigkeiten auf der Baustelle. Nachfolger wird der frühere Bahn-Manager Christoph Bretschneider.

Im Januar waren im Terminal in Schönefeld neue Probleme mit Türen und Sprinklern bekannt geworden, das Ziel einer Eröffnung noch in diesem Jahr wurde aufgegeben. Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) sprach kürzlich von einem „Erkenntnisproblem“ in der Flughafen-Geschäftsführung. Zugleich hatte der die Fortschritte auf der Baustelle unter Marks hervorgehoben.

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Marks war im Sommer 2014 als Nachfolger von Horst Amann auf die Baustelle gekommen, der nach einem Machtkampf mit dem damaligen Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte gehen müssen. Der heutige Flughafenchef Karsten Mühlenfeld dankte dem früheren Siemens-Manager. „Jörg Marks haben wir viel zu verdanken. Durch seinen Einsatz ist es gelungen, am BER seit 2014 wesentlich voranzukommen.“ So lägen erstmals seit Beginn der Planungen alle Genehmigungen vor.

Der Flughafen betonte, der Wechsel in der Bauorganisation sei eine Entscheidung, die allein in den operativen Bereich der Geschäftsführung falle. Diese habe am Mittwoch den Aufsichtsrat darüber informiert.

Um den Flughafen zügig fertig zu stellen, ist aus Mühlenfelds Sicht notwendig, „dass die schwierige Konstellation mit den verantwortlichen Unternehmen und den Sachverständigen gelöst wird“. Das Unternehmen hat die Baufirmen wiederholt zu mehr Eile gedrängt, diese verweisen jedoch immer wieder auf fehlende Pläne.

Der 56 Jahre alte gebürtige Berliner Bretschneider ist ebenfalls ein früherer „Siemensianer“. Er verweist auf dem Karriereportal Linkedin darauf, schon Großprojekte termintreu und im Budget umgesetzt zu haben. So war Bretschneider Gesamtprojektleiter beim Bau der Transrapid-Strecke in Shanghai.

Die Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens ist seit dem ersten Termin 2011 fünf Mal verschoben worden, weil Fehlplanung, Baumängel und immer neue Technikprobleme das Projekt verzögern. Die Berliner Altflughäfen Tegel und Schönfeld sind in die Jahre gekommen und arbeiten teilweise am Limit.

Bretschneider schreibt in der Rubrik „Ich suche“ im sozialen Netzwerk Xing: „Krisenprojekte, die gerettet werden müssen“. Er sei der richtige für die schwierigen Aufgaben, die anstehen, sagte Mühlenfeld. Er werde auf dem Weg zur Eröffnung des BER eine zentrale Funktion übernehmen.

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