Bernd Lucke als Chef AfD-Abtrünnige gründen neue Partei „Alfa“

Bernd Lucke positioniert sich mit einer neuen Partei gegen die Ex-AfD-Kollegen: Die Allianz für Fortschritt und Aufbruch („Alfa“) grenzt sich in ihrem Programm klar ab. Die SPD reagiert mit Hohn, die Grünen sorgen sich.
Update: 19.07.2015 - 21:43 Uhr 47 Kommentare

Lucke: „Es ist eine Wiedergeburt der alten Partei“

KasselDie rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt wie erwartet Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. Dieser wurde am Sonntag bei einem nicht-öffentlichen Treffen in Kassel zum Vorsitzenden der Neugründung gewählt. Die Gruppierung nennt sich Allianz für Fortschritt und Aufbruch, kurz: Alfa.

Rund 70 Mitglieder des von Lucke gegründeten Vereins „Weckruf 2015“ hatten zuvor in einem Hotel in Kassel hinter verschlossenen Türen die Gründung beschlossen und den Vorstand der neuen Partei gewählt. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der Europaabgeordnete Bernd Kölmel, der frühere Landessprecher der AfD-Hessen, Gunther Nickel, und der aus Nordrhein-Westfalen stammende Unternehmer Reiner Rohlje gewählt. Generalsekretärin wird die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius.

Lucke sprach von insgesamt bis zu 5000 Interessenten für die neue Partei. „Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst“, sagte er vor den Teilnehmern. Der Politiker war am 10. Juli aus der AfD ausgetreten. Zuvor hatten sich bei einem außerordentlichen Bundesparteitag die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht.

„Das ist nicht mehr meine Partei“
Bernd Lucke
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Bernd Lucke hat sich verkalkuliert. Mit so einer deutlichen Niederlage auf dem Bundesparteitag (seiner) der Alternative für Deutschland hatte er nicht gerechnet. Seine Anhänger sprechen von einem Massenaustritt. Spekulationen über eine mögliche Partei-Neugründung unter Lucke machen die Runde. Fünf führende AfD-Politiker haben die Partei schon verlassen. Und der Grund ist nicht allein der Wahlsieg Frauke Petrys...

Hans-Olaf Henkel, Ex-Parteivize
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„Mit der Wahl Petrys zur alleinigen Parteisprecherin hat sich die Mehrheit der in Essen anwesenden Parteimitglieder nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und dem Verbreiten von Vorurteilen entschieden“, sagte Henkel zur Begründung.

Ulrike Trebesius, AfD-Europaabgeordnete
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usNach dem Sieg des nationalkonservativen Flügels der AfD beim Parteitag in Essen hat auch die AfD-Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt aus der Partei angekündigt. Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius dem Sender NDR 1 Welle Nord. Derweil könnte die Entscheidung über einen kollektiven Austritt des wirtschaftsliberalen Parteiflügels noch diese Woche fallen.

Konrad Adam, Mitbegründer der AfD
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Auch wenn es vielleicht auf dem Foto von Samstag nicht so aussieht, Adam ist einer derjenigen, die den Ausstieg in Betracht ziehen. „Ich habe noch nicht entschieden, ich erwäge es aber“, sagte er. Er habe sich während des Bundesparteitages in Essen am vergangenen Wochenende sehr über die „Bierzeltparolen“ einiger Teilnehmer geärgert. Der neuen Parteivorsitzenden Frauke Petry warf er vor, sie predige zwar Basisdemokratie, sei aber dabei, die AfD in eine gut organisierte Kaderpartei zu verwandeln.

Uwe Zimmermann, Landesvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz
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Auch der AfD-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz hat hingeschmissen: Uwe Zimmermann erklärte zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Austritt aus der Partei. Grund sei Luckes Niederlage. Die drei Vorstandsmitglieder waren ebenfalls Unterzeichner des „Weckrufs“.

Bernd Kölmel, Vorsitzender AfD Baden-Württemberg
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Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte auch Kölmel am Montag an, die AfD zu verlassen. Kölmel begründete seine Entscheidung mit der Wahl von Petry zur Parteivorsitzenden und mit der Wahl weiterer Nationalkonservativer in den Bundesvorstand. „Ich fühle mich von diesem Vorstand nicht mehr repräsentiert“, sagte Kölmel. Zudem sei auf dem Bundesparteitag in Essen ein „politischer Stil“ gepflegt worden, den „ich nicht tolerieren kann“.

Joachim Starbatty, AfD-Parteivorstand
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Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel hatten bereits am Wochenende angekündigt, in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt zu entscheiden. Für Ökonomie-Professor Starbatty ist die Entscheidung gefallen. Gründe nannte er nicht.

Wie schon bei der AfD-Gründung soll die Europapolitik eine zentrale Rolle spielen. Der Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel sprach sich im Vorhinein dafür aus, Alfa vor allem als Anti-Euro-Partei in Stellung zu bringen. „Das neue Programm sollte mit der Aussage „Wir sind die einzige Partei, die Alternativen zu und die Kompetenz für eine bessere Euro-Politik hat!“ beginnen. Damit werden wir identifiziert“, sagte Henkel dem Handelsblatt. „Wir sollten dieses Kapital auch bei der Neugründung gut anlegen und nicht zu sehr durch ein Sammelsurium anderer Themen entwerten.“

Tatsächlich startet das Parteiprogramm in der Präambel mit den Worten: „Alfa wurde gegründet, um politische Lösungen für Herausforderungen zu finden, die Deutschland und seine Bürger in einer globalisierten Welt zu meistern haben. Als politische Partei wollen wir den Anforderungen einer hochdifferenzierten, vielschichtigen und pluralistischen Industriegesellschaft gerecht werden, in der es für komplexe Probleme meist keine einfachen Lösungen gibt. Wir wenden uns gegen eine Politik der populistischen Schlagworte, die den unzutreffenden Eindruck vermittelt, dass mit „Schwarzweiß-Denken“ und Pauschalurteilen befriedigende Ergebnisse zu erzielen seien.“ Damit versucht sich Alfa deutlich von den populistischen Untertönen abzugrenzen, die in der AfD zuletzt besonders mit Blick auf die deutsche Einwanderungspolitik aufkamen.

Henkel: Kernkompetenz bewahren
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47 Kommentare zu "Bernd Lucke als Chef: AfD-Abtrünnige gründen neue Partei „Alfa“"

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  • Besser populistische Töne in der Einwanderungpolitik als eine extremistische Einwanderungspolitik


    Damit versucht sich Alfa deutlich von den populistischen Untertönen abzugrenzen, die in der AfD zuletzt besonders mit Blick auf die deutsche Einwanderungspolitik aufkamen.

    Diese "populistischen Töne" kamen von der AfD höchstens in der ideologisch-verzerrten Wahrnehmung des linken Autors dieses Artikels, Daniel Neuerer auf.
    Darüber hinaus verantworten die etablierten Parteien eine Einwanderungspolitik, durch die Deutschen und darüber hinaus die gesamte europäische Bevölkerung dieses Landes in Wideseile zu einer Minderheit verdrängt ein. Diese komplette Umstrukturierung der Bevölkerung ist nicht mehr nur bloß populistisch, sondern extrem und extremistisch.

  • Die Webseite der neuen Partei:
    http://www.alfa-partei.de/

  • .. Ein Jahr ist euer Verein somit nicht beschlussfähig. ..

    Nur die 70 Gründungsmitglieder, die anderen nicht ??

    Zu den Alafisten: Der Name ALFA od. Alfa darf von den Alafisten vielleicht gar nicht benutzt werden.

  • Alfa-Verein will gegen Namen der neuen Lucke-Partei vorgehen. (WAZ)

    Rechtlich könnte es zum Beispiel auf eine Abmahnung hinauslaufen und auf eine Klage auf Unterlassung gegen die neue Lucke-Partei, heißt es bei Juristen.

    Schon wenn die "Weckruf"-Truppe sich einen neuen Namen gibt, beginnen die Schwierigkeiten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @kein Blatt vor den Mund

    Na dann herzlichen Glückwunsch mit ihrem elitären Verein. Genau diese Punkte, die sie schön fein, säuberlich aufgezählt haben interessiert den Normal-Bürger eben nicht.
    Wenn die Zuwanderung ausufert und Europa, geschweige denn Deutschland können nunmal nicht ganz Afrika und den nahen Osten aufnehmen, dann ist es dem einzelnen hier völlig Wurst aus welchen Beweggründen alle zu uns wollen.

    Und Fremdbestimmung durch Brüssel haben wir ohnehin schon genug, dazu braucht es keine überhöhte Anbiederung an die USA, den TTIP oder gar die bundesweit abgelehnte Gentechnik. Ihr Verein betreibt Lobbyisten-Poltik für die globale Großindustri. Der Mittelstand interessiert euch doch einen feuchten ...

    "Aufgenommen wird man für die Frist eines Jahres nur als „Gastmitglied“ – ohne Stimmrecht."

    Auch so eine tolle Lucke-Erfindung. Ein Jahr ist euer Verein somit nicht beschlussfähig. Stark dann haben wir ja mal bis Herbst 2016 unsere Ruhe vor den Aalfisten.

  • @lung Wong
    ... naja Terrororganisation vielleicht nicht, aber zu Mord und Folter fällt mir schon eine große Nation auf der anderen Seite des Atlantiks ein.

  • Zu DDR-Zeiten gab es ein Kombinat "Fortschritt" und prangte auf den Traktoren und Mähdreschern als sozialistische Formel.

    Frau Merkel kam 1990 über die Partei "Demokratischer Aufbruch" durch Verschmelzung mit der Ost-CDU in die CDU. Sie hatte nie einen Aufnahmeantrag bei der CDU gestellt. Wurde über den "Aufbruch" reingeschmolzen.

    Soviel fällt mir zu Fortschritt und Aufbruch ein. Sozialischer Stallgeruch !

  • "Die CDU passt sich lediglich an die gesellschaftlichen Veränderungen der Mitte an. "

    Ein Synoym für angepasst ist gleichgeschaltet .... das trifft es wohl eher!

    Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke (in unser Zeit: grün-rote) Gesellschaft gut angepasst zu sein.

    Jiddu Krishnamurti

  • Bei der FDP halte ich es [sinngemäß] mit dem Motto "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht". Sie können nicht wissen, wie viel Korrespondenz ich seinerzeit zum Thema "Eurorettung" mit dieser Partei geführt habe... Und die mir gegenüber gemachten Äußerungen des Herrn Lindner sind nicht von 1998, sondern gerade mal 1 Jahr alt. Was er jetzt nachschiebt, halte ich für unglaubwürdig. Das sehen sogar Orts- und Kreisvorsitzende der FDP in Bayern so, die weiland stinksauer auf das Lavieren der Bundespartei waren.

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