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Bertelsmann Stiftung „Deutschland braucht mehr qualifizierte Zuwanderung“

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„Die Menschen müssen sich willkommen fühlen“

Ist eine striktere Einwanderungspolitik sinnvoll, die gering qualifizierte Menschen draußen hält und per Punktesystem nur Hochqualifizierte ins Land lässt, ähnlich wie in Frankreich und Großbritannien?
Einwanderer müssen mit ihren Qualifikationen eine Arbeit finden und sich in der Gesellschaft integrieren können. Die Bertelsmann Stiftung spricht sich für ein Punktesystem aus, das Einwanderungswünsche nach klaren Kriterien bewertet. Wir dürfen dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass Zuwanderung ein komplexer Prozess ist. Damit Deutschland für qualifizierte Einwanderer ein attraktives Zielland wird, braucht es weit mehr als ein Punktesystem. Die Menschen müssen sich willkommen und wertgeschätzt fühlen.

Angenommen, es kämen mehr Hochqualifizierte. Käme es dann nicht zum selben Effekt: Würden dann nicht die gut ausgebildeten Deutschen Montags protestieren aus Angst um ihr „Abendland“ und ihre Jobs?
Wir erleben in der Tat ein politisches Dilemma: Deutschland braucht dringend Einwanderung. Weil wir sonst immer weniger werden und schon heute nicht genug Fachkräfte haben. Aber kaum ein anderes Thema ist für die Politiker und Parteien in der Öffentlichkeit so schwer zu vermitteln. Insofern tun uns die ideologisch aufgeladenen Debatten nicht gut. Ich empfehle dringend, nüchtern auf die Chancen und natürlich auch auf die Herausforderungen von Zuwanderung zu blicken und diese offen zu diskutieren. Und keine Mühe zu scheuen, das Verständnis füreinander und das Zusammenleben miteinander zu fördern.

Lässt sich Migration im vereinigten Europa überhaupt steuern? Es herrscht doch Arbeitnehmerfreizügigkeit. Die Menschen können dort arbeiten, wo sie wollen.
Ohne Frage kommen die meisten Migranten aus Europa zu uns, nur wenige aus den sogenannten Drittländern. Davon profitiert Deutschland ja auch gewaltig seit der Wirtschafts- und Finanzkrise in Süd- und Osteuropa. Dieser Zustrom wird aber versiegen, wenn es den anderen EU-Ländern wieder besser geht. Und dann brauchen wir erst recht mehr qualifizierte Zuwanderung von außerhalb der EU. Dafür müssen wir jetzt die Weichen stellen.

Wie andere Länder die Einwanderung regeln
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USA - Höhere Qualifikation gefordert Die US-Bürger debattieren das Thema Einwanderung zurzeit so leidenschaftlich wie lange nicht mehr - dabei geht es vor allem um die illegalen Einwanderer, deren Zahl jetzt schon auf zwölf Millionen geschätzt wird. Politikwissenschaftler wie Darrell M. West vom angesehenen Brookings Institut in Washington fordern hingegen: "Wir brauchen eine Einstein-Einwanderungs-Politik". Er spielt damit darauf an, dass es hochbegabte Immigranten wie Albert Einstein waren, die das Land wissenschaftlich und damit auch wirtschaftlich nach vorn gebracht haben. "Wissen, Talent und besondere Fertigkeiten" müssten wieder Priorität haben, sagte West. Die Realität sieht anders aus. Foto: AP

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Während die Zahl der illegalen Einwanderer steigt, geht die Zahl der gut ausgebildeten Einwanderer seit Jahren zurück. Die US-Regierung erteilte zuletzt pro Jahr nur noch 65 000 "H-1B-Visa" für Experten mit besonderen Fertigkeiten, etwa Wissenschaftler oder Ingenieure (und deren Familienangehörige). Zwischen 1999 und 2004 lag die Zahl der H-1B-Visa noch bei rund 195 000. Außergewöhnliche Spitzenkräfte können einwandern, ohne bereits einen festen Job in Aussicht zu haben. Alle anderen müssen ein Arbeitsangebot oder sogar schon einen festen Arbeitsvertrag vorweisen. Außerdem gilt der Grundsatz: Für den Job darf kein Amerikaner zur Verfügung stehen. Darüber hinaus verlost die Regierung jedes Jahr 60 000 Green Cards - die Qualifikation spielt hierbei keine Rolle. Foto: AP

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Kanada - Mehr Nachfrage als Angebot Kanada wird in diesem Jahr erneut 240 000 bis 265 000 Einwanderer aufnehmen. Darunter sind 50 000 gut ausgebildete Arbeitskräfte. Kanada setzt vor allem aus wirtschaftlichen Gründen auf Immigration. "Wir glauben an die Macht der Einwanderung, zu unserem Wohlstand beizutragen", sagte Einwanderungsminister Jason Kenney. Foto: Reuters

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Die Einwanderung der "skilled worker" richtet sich in Kanada nach einer Liste mit 29 Berufen, in denen es einen Fachkräftemangel gibt. Dazu gehören ausgebildete Handwerker, Naturwissenschaftler, Ärzte, Krankenpfleger, Psychologen, Pharmazeuten und Facharbeiter im Bergbau. Für Ausländer, die einen dieser Berufe in ihrer Heimat ausgeübt haben, stehen die Chancen gut, in Kanada Arbeit zu finden. Bewerber müssen sich aber noch über ein Punktesystem qualifizieren, in dem Sprachkenntnisse in Englisch oder Französisch, Ausbildung, Berufserfahrung und Alter bewertet werden. 67 der maximal möglichen 100 Punkte müssen erreicht werden, um im „Skilled worker“-Programm die Eintrittskarte zu bekommen. Unter den Begriff "Einwanderer" fallen aber auch 25 000 Flüchtlinge, die Kanada jedes Jahr aufnimmt. Außerdem können die Kanadier pro Jahr bis zu 70 000 wirtschaftlich gut situierte Angehörige aus dem Ausland nach Kanada holen. Foto: AP

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Skandinavien - Niedrige Hürden Alle nordeuropäischen Länder leiden unter einem Fachkräftemangel. Deshalb versuchen sie seit Jahren, Ausländer in ihre Länder zu locken. Bei Fachkräften wie Ärzten und Ingenieuren aus EU-Ländern gibt es - auch beim Nicht-EU-Mitglied Norwegen - keine Zuwanderungsbeschränkungen. Norwegische und schwedische Krankenhäuser werben zwar nicht unbedingt mit besonders hohen Gehältern, aber sie bieten geregelte Arbeitszeiten und gute Sozialleistungen, inklusive Kinderbetreuung. Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland erhalten in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden eine Arbeitserlaubnis, wenn die Nachfrage nach ihrer Qualifikation hoch ist. Foto: dpa

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In Absprache mit der Industrie wird regelmäßig eine Bedarfsanalyse erstellt. Gibt es eine Nachfrage, sind die Zugangshürden gering. Konnte etwa Dänemark 2002 gerade einmal 185 Ingenieure ins Land locken, waren es 2009 bis Ende September schon 2 208. Dänemark hat als einziges nordisches Land auch eine Green Card eingeführt. Um sie zu erhalten, muss der Antragsteller mindestens 100 Punkte erhalten. Das Punktesystem bewertet, ähnlich wie in Kanada, Ausbildung, Alter, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse. Die meisten ausländischen Fachkräfte, die in Skandinavien arbeiten, kommen aus Indien und China. Foto: AP

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England - Begrenzung statt Zuzug Die Briten diskutieren nicht, wie man Fachkräfte anlocken könnte, sondern wie stark man ihren Zustrom beschränken darf. Die Regierung ist in dieser Frage zerstritten. Während Premier David Cameron (links im Bild) an der "Deckelung" der Einwanderung festhalten will, die er im Wahlkampf versprochen hat, kritisiert der liberaldemokratische Wirtschaftsminister Vince Cable die Deckelung als "verrückt". Foto: Reuters

Ist es überhaupt sinnvoll, weiter über eine nationale Einwanderungspolitik und schärfere Regeln zu debattieren wie Sinn es tut? Braucht es nicht eine Europäische Debatte?
Einwanderer unterscheiden schon zwischen Frankreich, Deutschland und England. Der Wettbewerb um kluge Köpfe hat längst begonnen. Wichtig erscheint mir etwas anderes: Einwanderungsländer und Herkunftsländer müssen besser zusammenarbeiten. Deutschland sollte so attraktiv wie möglich sein, aber neben der Verantwortung für den individuellen Einwanderer haben wir auch eine Verantwortung gegenüber dessen Heimatland. Migration darf nicht zu einem Verlust von dringend benötigten Fachkräften in Herkunftsländern führen. Der Gedanke einer internationalen Migrationspolitik ist zwar relativ neu, aber umso wichtiger.

Auch für die USA ist Einwanderung immer wieder ein Thema. Laut Sinn ist Deutschland inzwischen nach den USA das Land mit den meisten Immigranten. Anders als hier ist aber den meisten Amerikanern klar: Wir brauchen die Zuwanderer. Sind nicht die USA ein Beispiel dafür, wie man als Volkswirtschaft von Einwanderern profitieren kann: kulturell, sprachlich und auch bilanziell?
Die USA verstehen sich eigentlich seit ihrer Gründung als Einwanderungsland. Als ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Trotzdem wird die Debatte um die richtige Einwanderungspolitik auch dort sehr kontrovers geführt. Derzeit etwa streiten die Amerikaner erbittert über den Umgang mit illegalen Migranten, obwohl diese in Teilen schon seit Jahrzehnten im Land leben.

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2 Kommentare zu "Bertelsmann Stiftung: „Deutschland braucht mehr qualifizierte Zuwanderung“"

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  • Wir brauchen die qualifizierte Zuwanderung? Warum wollen wir nur unausgebildete Kräfte, die auf unsere Kosten Leben? Warum wollen wir nur Sklavenlöhner und islamisten? Warum wollen unsere Politiker den Bürgerkrieg von diesen erfahrenen Personen? Warum wollen wir Tote in Polen z.B., da dort keine Pflegekräfte mehr sein dürfen?

  • Die "Denkfabrik" meldet sich wieder !

    Was machen wir mit den deutschen hochqualifizierten Arbeitslosen und HartzIV-Empfängern ?

    Zu teuer ? Zu Alt ?

    Was machen wir mit den zukünftigen Arbeitnehmern, die durch die Robotertechnik und Digitalisierung "frei" werden ???

    WER denkt darüber mal nach ?

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