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Bertelsmann Stiftung „Deutschland braucht mehr qualifizierte Zuwanderung“

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„Vielfalt ist längst Normalität“

Zehn Prozent mehr Menschen in Deutschland verursachen also nicht zehn Prozent mehr Staatsausgaben, wie Sinn behauptet?
Behauptet er das? Da hätte er wohl einen Großteil der Ökonomen gegen sich. Zumindest müssen wir nicht mehr Zinsen für unsere Altschulden zahlen, nur weil wir mehr Einwohner haben. Für Deutschland stellt sich ohnehin eher die Frage, wie zu verhindern ist, das unsere Bevölkerung schrumpft.

Ist es aus Ihrer Sicht überhaupt legitim, eine Debatte zu führen, die das Lebensgefühl, die Kultur und die Gesellschaft ausblendet und sich nur auf die reine Kosten-/Nutzen-Rechnung fokussiert?
Wenn in einer Debatte immer wieder zu hören ist, Deutschland leide unter Einwanderung in die Sozialsysteme, dann ist ein Faktencheck hilfreich. Den hat die Bertelsmann Stiftung geliefert. Und es ist natürlich legitim zu fragen, ob es sich für ein Land auch finanziell lohnt, in die Bildung von Migranten zu investieren und Zuwanderung besser zu steuern. Die Studie von Herrn Bonin sagt: Ja, es lohnt sich.

Fakt ist doch: Ohne Immigration würde unsere Gesellschaft schrumpfen, die Deutschen bekommen zu wenig Kinder, um ihre Sozialsysteme intakt zu halten. Wir brauchen Zuwanderer, das sagt auch Sinn. Gleichzeitig sehen wir aber an Bewegungen wie der AfD und Pegida, dass viele Menschen sich durch Migranten bedroht sehen. Sie fürchten um ihren Arbeitsplatz, ihre Kultur, ihre Heimat. Wie passt das zusammen?
Man darf nicht verkennen, wie stark Deutschland sich verändert und geöffnet hat. Die ersten Gastarbeiter waren in den Augen der Deutschen quasi auf Montage hier: eine Zeit lang arbeiten und dann zurück in die Heimat. Dem war aber nicht so: Viele blieben, holte ihre Familien nach und bekamen hier Kinder. Inzwischen hat sich diese Einstellung gewandelt, und die Gesetzeslage auch. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die Nation definiert sich heute anders als noch vor 30 Jahren – Deutscher ist nicht nur das Kind von deutschen Eltern, sondern auch der, der hier geboren wurde oder seit langem hier lebt und arbeitet. Von diesem Wandel fühlen sich offenbar manche überfordert.

Hatten sich die Deutschen nicht gerade damit angefreundet, ein liberales, weltoffenes Einwanderungsland zu sein, in dem neue Kulturen die vorhandene bereichern?
Das gilt auch nach wie vor, da darf man sich von Pegida nicht blenden lassen. In den vielen großen Städten in Westdeutschland hat bereits jedes zweite Kind ausländische Wurzeln. Dort ist Vielfalt längst Normalität, und fast alle leben gut damit. So wie in der Fußball-Nationalmannschaft. Dass Pegida dort am meisten gegen eine angebliche Islamisierung mobilisiert, wo nur 0,1 Prozent der Einwohner Muslime sind, ist bezeichnend.

Sinn argumentiert, dass vor allem unqualifizierte Menschen nach Deutschland kämen, deswegen sei das Ganze ein Verlustgeschäft. Nicht-EU-Bürger dürfen doch aber nur kommen, wenn sie einen Arbeitsplatz haben. Ist sein Argument stichhaltig?
Nein. Die Gastarbeitergeneration der 1960er und 70er Jahre war zwar zumeist niedrig qualifiziert. Es kamen eben genau jene Menschen, die Deutschland in der Schwerindustrie gebraucht und gezielt angeworben hat. Seitdem hat sich viel verändert. Die Zuwanderer, die seit 2000 nach Deutschland gekommen sind, sind im Durchschnitt sogar höher qualifiziert als die Deutschen.

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„Die Menschen müssen sich willkommen fühlen“
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2 Kommentare zu "Bertelsmann Stiftung: „Deutschland braucht mehr qualifizierte Zuwanderung“"

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  • Wir brauchen die qualifizierte Zuwanderung? Warum wollen wir nur unausgebildete Kräfte, die auf unsere Kosten Leben? Warum wollen wir nur Sklavenlöhner und islamisten? Warum wollen unsere Politiker den Bürgerkrieg von diesen erfahrenen Personen? Warum wollen wir Tote in Polen z.B., da dort keine Pflegekräfte mehr sein dürfen?

  • Die "Denkfabrik" meldet sich wieder !

    Was machen wir mit den deutschen hochqualifizierten Arbeitslosen und HartzIV-Empfängern ?

    Zu teuer ? Zu Alt ?

    Was machen wir mit den zukünftigen Arbeitnehmern, die durch die Robotertechnik und Digitalisierung "frei" werden ???

    WER denkt darüber mal nach ?

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