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Bertelsmann Stiftung Vorbild Metall- und Chemie-Industrie: Betriebe brauchen Hilfe bei der Weiterbildung

Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen gemeinsam aktiv die Weiterbildung vorantreiben. Denn die Betriebe allein sind damit überfordert, warnt die Bertelsmann Stiftung. 
16.07.2021 - 04:27 Uhr Kommentieren
Als richtungsweisend gilt der Tarifvertrag zur Qualifizierung in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg. Quelle: dpa
Weiterbildung

Als richtungsweisend gilt der Tarifvertrag zur Qualifizierung in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bertelsmann Stiftung fordert die Tarifpartner auf, die berufliche Weiterbildungen weit mehr voranzutreiben  vor allem über die Tarifverträge. Sonst seien die Herausforderungen der Digitalisierung und der Energiewende nicht zu bewältigen, befürchtet die Stiftung.

Es gebe mittlerweile diverse Tarifverträge zur Weiterbildung. Diese regeln etwa, dass der Qualifizierungsbedarf regelmäßig im Einzelgespräch festgestellt wird, oder inwiefern Weiterbildung während der Arbeitszeit stattfindet. Oft sind die Regeln jedoch selbst in der Branche kaum bekannt. Dies zeigt eine Studie des IAW Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung für die Bertelsmann Stiftung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt und für die mehr als 50 Tarifverträge analysiert wurden. 

Daher würden „die Vereinbarungen der Sozialpartner auf der betrieblichen Ebene auch nicht überall genutzt“, sagte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. „Vor allem kleinere Unternehmen haben oft nicht die Kapazitäten, um sich nachhaltig mit dem Thema Weiterbildung zu beschäftigen“, schreibt Stiftungsvorstand Jörg Dräger im Vorwort.

Daher bräuchten sie weit mehr Information und Anstöße. Als richtungsweisend gilt der Tarifvertrag zur Qualifizierung in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg. Auf dessen Grundlage haben die Sozialpartner schon 2001 die AgenturQ gegründet, die Betriebsräte und Unternehmen berät und begleitet – oder auch schlichtet, wenn sich Management und Betriebsrat nicht einig sind, wer welche berufliche Weiterbildung bekommt. 

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    Zudem könnten die Sozialpartner weit häufiger die wichtige Aufgabe übernehmen und mit den Betrieben gemeinsam den konkreten Bedarf an Schulungen herausfinden. Denn hier seien sich sehr viele Betriebe unsicher, schreiben die Autoren. 

    Zentraler Baustein für den Fachkräftemangel

    So könne verhindert werden, dass die Weiterbildung immer wieder durchs Raster fällt - und damit der zentrale Baustein gegen den Fachkräftemangel. In guten Zeiten seien vorhandene Fachkräfte zudem oft so stark eingespannt, dass die Zeit für die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen fehle. Dagegen gäbe es in schlechten Zeiten im Betrieb kein Geld für Weiterbildungsmaßnahmen.

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    Generell ist die enorme Wichtigkeit der Weiterbildung für die Zukunft des Standorts Deutschland unbestritten – zumal aus den Schulen immer weniger Nachwuchs nachkommt. Unklar ist in der politischen Diskussion jedoch, wer wie aktiv werden muss, damit in der nächsten Legislaturperiode ein Aufschwung der Qualifizierung gelingt. 

    So sieht etwa das Handelsblatt Research Institut HRI eindeutig ein „Marktversagen“: Die Privatwirtschaft und die Erwerbstätigen selbst tragen zwar die Hauptverantwortung für Organisation und Finanzierung der Weiterbildung während des Berufslebens – „es spricht aber viel dafür, dass die privaten Renditen nicht ausreichen, um ein volkswirtschaftlich effizientes Weiterbildungsgeschehen anzureizen“, heißt es in einer HRI-Studie. 

    Handeln müsse daher vor allem der Staat und einen effektiven Rahmen für Weiterbildung schaffen. Genau dort kommen die Parteien ins Spiel: Auf dem Papier der Wahlprogramme wollen alle Parteien die Weiterbildung künftig besser fördern.

    Parteien fordern mehr Weiterbildungen

    Die FDP verspricht ein „Midlife-BAföG“ von bis zu 1000 Euro im Jahr und will dafür sorgen, dass auch die Hochschulen „endlich Orte der Weiterbildung“ werden. Auch fordern die Liberalen eine zentrale digitale Bildungsplattform. Diese hatte die scheidende GroKo schon versprochen – sie soll nun 2023 kommen.

    Die Grünen und die SPD planen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung inklusive finanzieller Förderung. Die Sozialdemokraten wollen zudem die Volkshochschulen künftig auch durch den Bund fördern, weil diese besonders niedrigschwellig arbeiteten. 

    Die FDP fordert, Hochschulen zu einem Ort der Weiterbildung zu machen. Quelle: dpa
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    Die FDP fordert, Hochschulen zu einem Ort der Weiterbildung zu machen.

    (Foto: dpa)

    Die CDU betont an besonders vielen Stellen ihres Wahlprogramms die zentrale Bedeutung der Weiterbildung – vor allem für die Energiewende. Qualifizierung sei zudem unabdingbar, um das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen. Als konkrete Maßnahme kündigen die Christdemokraten jedoch nur den Ausbau der Bildungsprämie an. 

    Das Institut der deutschen Wirtschaft kam denn bereits zu dem Schluss: Gute Ideen zur Weiterbildung hätten allenfalls die Grünen und die FDP. Geht es nach der Bertelsmann Stiftung, müssen die Sozialpartner selbst weit häufiger Branchenregeln treffen – und zugleich die bestehenden Verträge bekannter und konkreter verbessern. 

    Kein digitalisiertes Tarifregister beim Arbeitsministerium

    Ausgerechnet Corona könne helfen, indem sie die Vorteile digitaler Kurse aufgezeigt habe: Sie sind „nicht nur flexibler und meist kostengünstiger als Präsenzangebote, sondern stärken auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagt der Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung Schleiter. So könnten die Belegschaften in ihrer ganzen Breite und Vielfalt an Weiterbildungen teilnehmen.

    Die mangelnde Transparenz behindere jedoch die Orientierung an den schon bestehenden Tarifregelungen: So gebe es zwar beim Bundesarbeitsministerium ein Tarifregister. Wer sich aber einen Überblick verschaffen wolle, müsse „hinfahren und Einsicht nehmen, denn die Tarifverträge sind nicht digitalisiert“, berichtet der Bertelsmann-Experte.

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    Zudem wird das Verzeichnis der für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge „derzeit überarbeitet“ heißt es auf der Ministeriums-Homepage. Und selbst bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden beginne „das große Suchen“, wenn sich ein Betrieb nach den Regelungen erkundige. „So sind keine gegenseitigen Lernprozesse möglich“, meint Schleiter. 

    Neben der Metall- und Elektroindustrie lobt die Studie die Chemieindustrie, die schon früh einen Demografie-Tarifvertrag abgeschlossen hat. Beide Branchen gingen so „die Herausforderungen durch den Strukturwandel, den demografischen Wandel und die Digitalisierung gezielt an“.

    Daneben zeige der Bereich des Schienenverkehrs, dass gesetzliche Interventionen durchaus hilfreich sein könnten, um die Sozialpartner zusammenzubringen: Weil die Fahrer im Güter- oder Personenverkehr gesetzlich zu bestimmten Fortbildungen verpflichtet sind, hätten Arbeitgeber und Gewerkschaften ein gemeinsames Interesse, diese möglichst gut zu organisieren. 

    Mehr: Der Staat muss den Weiterbildungsdschungel lichten, fordert das Handelsblatt Research Institut

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