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Bertelsmann-Studie Generationengerechtigkeit bei den Pflegekosten: Diese Vorschläge machen Experten

Die Pflege-Finanzierung wird künftige Generationen vor Herausforderungen stellen. Eine Studie untersucht, wie Lasten gerecht verteilt werden können.
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Die Studie geht davon aus, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 und 5,3 Millionen im Jahr 2050 erhöhen dürfte. Quelle: dpa
Pflegeheim

Die Studie geht davon aus, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 und 5,3 Millionen im Jahr 2050 erhöhen dürfte.

(Foto: dpa)

Berlin Die Finanzierung der Pflege ist eine der großen sozialpolitischen Verteilungsfragen der nächsten Jahrzehnte. Dabei geht es auch um einen Ausgleich zwischen den Generationen. Die Bertelsmann-Stiftung hat in einer Studie untersucht, wie sich die Mehrbelastungen zwischen jüngeren und älteren Beitragszahlern aufteilen ließen.

Die Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung sind alleine zwischen 2015 und 2018 von 29 auf 41 Milliarden Euro gestiegen. Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung könnte sich der Finanzbedarf bis 2030 auf 74 Milliarden Euro und bis 2050 auf 181 Milliarden Euro erhöhen.

Der derzeit größte Kostentreiber sind die jüngsten Leistungsausweitungen in der Pflege. Weitere Mehrausgaben stehen an, nicht zuletzt durch die geplanten flächendeckenden Tariflöhne für Pflegekräfte. Mittelfristig wird die Alterung der Gesellschaft die umlagefinanzierte Pflegeversicherung unter Druck setzen.

„Die demographische Entwicklung führt dazu, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sein werden“, so Bertelsmann-Experte Stefan Etgeton. „Viele davon leiden unter demenziellen, chronischen oder mehrfachen Erkrankungen und bedürfen daher umfassender Pflege, häufig in stationären Einrichtungen.“

Die Studie geht davon aus, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen von aktuell etwa 3,5 Millionen Menschen auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 und 5,3 Millionen im Jahr 2050 erhöhen dürfte. Vor allem der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen wird die Finanzsituation verschärfen.

Bei der Einführung der Pflegeversicherung vor 25 Jahren lag der zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezahlte Beitragssatz bei einem Prozent des Bruttoeinkommens. Aktuell sind es 3,05 Prozent, Kinderlose zahlen 3,3 Prozent. Erst Anfang 2019 hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Satz um 0,5 Prozentpunkte anheben müssen, um die Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung zu stabilisieren.

Die Pflege-Beiträge müssen deutlich steigen

Die Beiträge müssten der Studie zufolge schon wegen der demografischen Effekte im Jahr 2030 bei 3,55 Prozent und 2050 bei 4,6 Prozent liegen. Zusätzliche Ausgaben, beispielsweise durch Lohnsteigerungen oder Leistungsausweitungen, seien dabei noch gar nicht berücksichtigt. In diesem Fall könnte der Beitragssatz sogar auf 4,9 Prozent im Jahr 2050 steigen.

Mit derartigen Prognosen ist die Bertelsmann-Stiftung nicht alleine. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherung (WIP) könnte sich der Beitragssatz bis 2040 auf 4,1 bis 7,9 Prozent erhöhen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnete in einer Untersuchung ebenfalls damit, dass der Beitragssatz in der Pflege nach 2040 auf mehr als vier Prozent steigen wird.

„Wir brauchen bei der Pflege einen neuen Generationenausgleich innerhalb des solidarischen Umlagesystems“, sagte Bertelsmann-Stiftungs-Vorständin Brigitte Mohn. Die Studienautoren hätten daher Finanzierungswege in der Pflegeversicherung mit Blick auf ihre Belastungseffekte zwischen den Generationen analysiert.

Neben einem Bundeszuschusses aus Steuermitteln könnte demnach eine vorgezogene, moderate Anhebung des Beitragssatzes für mehr Generationengerechtigkeit bei den absehbaren Ausgabensteigerungen sorgen. Die zunächst überschüssigen Beitragseinnahmen würden über den Pflegevorsorgefonds angelegt. Schon heute fließt ein kleiner Teil der Pflegeversicherungsgelder in den Fonds, um künftige Beitragssteigerungen abzumildern.

Die Studienautoren schlagen vor, den Beitragssatz bereits im kommenden Jahr auf 3,5 Prozent anzuheben. Zugleich sollte 2020 ein Steuerzuschuss von jährlich 9,6 Milliarden Euro eingeführt werden, der bis 2050 auf 24,5 Milliarden Euro ansteigen würde. So ließen sich den Berechnungen zufolge die Beiträge bis 2050 bei 3,5 Prozent stabilisieren.

Bundesgesundheitsminister Spahn will bis Mitte kommenden Jahres einen Vorschlag zur Pflege-Finanzierung vorlegen. Die politische Debatte dreht sich derzeit allerdings weniger um die langfristige Frage der Generationengerechtigkeit, sondern vor allem um die Entlastung von Pflegebedürftigen, die in stationären Einrichtungen immer höhere Zuzahlungen leisten müssen.

Mehr: Eine DAK-Studie zeigt: Viele Menschen wünschen sich einen Kostendeckel für Pflegebedürftige. Denn die Sorge, alle Ersparnisse im Krankheitsfall zu verlieren, ist groß.

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