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Ausbildung bei Daimler

Die Zahl der Lehrstellen in Deutschland ist zuletzt wieder gestiegen.

(Foto: Daimler AG)

Berufsbildungsbericht 2019 Deutschland hat mehr als 2,1 Millionen junge Ungelernte

In Deutschland haben mehr als zwei Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 keinen Berufsabschluss, zeigt der neue Berufsbildungsbericht. Ein neuer Negativ-Rekord.
2 Kommentare

BerlinDie Zahl der jungen Menschen ohne Berufsausbildung hat einen neuen Rekordwert erreicht: Laut dem Berufsbildungsbericht 2019, mit dem sich voraussichtlich an diesem Mittwoch das Kabinett beschäftigt, überschritt die Zahl der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss im Jahr 2017 die Marke von 2,1 Millionen – 2014 waren es noch 1,88 Millionen. Diese verfügen somit „nicht über die Voraussetzung für eine qualifizierte Beteiligung am Erwerbsleben“, heißt es im Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt.

Zugleich ist damit die Ungelernten-Quote von 13 auf 14,2 Prozent in dieser Altersgruppe geklettert. Das kann nicht im Sinne der Wirtschaft sein, mahnt der Bericht: Denn „angesichts der demografischen Entwicklung werden alle jungen Menschen als Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt gebraucht“. „Sie sind die Hochrisikogruppe auf dem Arbeitsmarkt und fühlen sich von den demokratischen Kräften oft nicht mehr gesehen und angesprochen“, kritisieren die Arbeitnehmer in ihrer Stellungnahme zum Bericht.

Nicht zufällig hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) 2019 zum „Jahr der Berufsausbildung“ erklärt – gilt doch die Sicherung von genügend qualifizierten Nachwuchskräften als zentrale Herausforderung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Engpässe drohen dabei nach diversen Studien vor allem bei den beruflich Qualifizierten – und aufgrund des starken Zustroms an die Hochschulen weniger bei den Akademikern.

Derzeit arbeitet das Bildungsministerium an der Modernisierung des Berufsbildungsgesetzes, der Gesetzentwurf dazu wird seit Monaten erwartet. Um die Lehre attraktiver zu machen, ist unter anderem auch erstmals ein Azubi-Mindestlohn geplant. Dieser soll – zumindest nach Vereinbarung der Sozialpartner dazu – zunächst 515 Euro pro Monat für das erste Lehrjahr betragen und bis 2023 auf 620 Euro steigen.

Daneben hat die Große Koalition auch bei der Weiterbildung einen großen Sprung nach vorn versprochen, um so die schon erwachsenen Erwerbstätigen besser zu qualifizieren. Dazu zählt auch das Heer der Ungelernten, die bislang weit seltener nachqualifiziert werden als andere Erwerbstätige. Doch die Gespräche über die „nationale Weiterbildungsstrategie“ haben erst begonnen.

Besonders hoch ist der Anteil der Ungelernten unter Ausländern, von denen jeder Dritte keine Ausbildung vorweisen kann, heißt es im Berufsbildungsbericht. Doch auch von den gleichaltrigen Deutschen zwischen 20 und 34 sind es immerhin noch gut neun Prozent, die keine Berufsausbildung haben.

Es gibt allerdings Grund zur Hoffnung: Gegenüber den Vorjahren ist der Anteil der Ungelernten unter jungen Ausländern gesunken – so etwa bei denen mit türkischem Pass.

Und der Positivtrend dürfte anhalten, denn nach vielen Jahren des Rückgangs ist 2016 und 2017 die Quote der jungen Ausländer, die eine Ausbildung beginnen, wieder gestiegen. Sie liegt nun bei gut 34 Prozent gegenüber knapp 56 Prozent bei jungen Deutschen. Der kräftige Anstieg im Jahr 2017 deutet nach Einschätzung der Autoren des Berufsbildungsberichts auch darauf hin, „dass insbesondere Geflüchtete nun stärker in die duale Ausbildung eingemündet sind“.

Ausländer füllen Lücken

Besonders groß ist das ungenutzte Potenzial jedoch bei jungen Frauen mit ausländischem Pass. Von ihnen beginnt gerade mal gut jede vierte eine duale Ausbildung. Bei den deutschen Frauen sind es 44 Prozent.

Migranten mit deutschem Pass werden nicht gesondert erfasst, doch auch der Beitrag der Ausländer zur Berufsausbildung hat enorm zugenommen: Insgesamt ist die Zahl der ausländischen neuen Lehrlinge pro Jahr seit 2011 von gut 28.000 auf fast 50.000 gestiegen. Zeitgleich sank die Zahl der deutschen Azubi-Anfänger von 470.000 auf 40. 000. Grund ist die Demografie und in den letzten Jahren der wachsende Drang zur Hochschule.

Ausländer füllen also zunehmend die Lücken, die sich beim Nachwuchs auftun. Und der Effekt könnte noch größer sein, wären da nicht die offenbar anhaltenden Vorurteile: Obwohl die Zahl der unbesetzten Lehrstellen 2018 einen neuen Rekordwert von fast 58.000 erreicht hat, haben Migranten generell schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz, heißt es im Bericht. Das liege auch keinesfalls nur an ihren im Schnitt schlechteren Schulabschlüssen, sondern gelte auch bei gleichen Noten.

Enorm gestiegen ist die Zahl der jungen Flüchtlinge, die eine Lehre begannen: 2017 waren es 15.400 – und damit fast dreimal so viele wie noch ein Jahr zuvor. Die Hälfte davon ging ins Handwerk. Das ist überproportional viel, insgesamt findet ein Drittel der Ausbildung im Handwerk statt.

Lehrstellenangebot steigt

Insbesondere die männlichen jungen Flüchtlinge münden auch in Berufe mit starken Besetzungsproblemen, wie etwa Bäcker oder Koch. „Sie helfen somit, die hohe Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen in diesen Berufen zu reduzieren“, schreiben die Autoren des Berufsbildungsberichts. Allerdings sind die Chancen der Flüchtlinge offenbar noch deutlich geringer als die anderer ausländischer Bewerber. Sie finden „deutlich seltener“ eine Lehrstelle als alle anderen und bleiben „doppelt so oft gänzlich unversorgt“.

Insgesamt zeigt der Trend am Ausbildungsmarkt zumindest leicht nach oben. Die Zahl derer, die im Herbst 2018 eine Ausbildung begonnen haben, ist gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent auf 531.000 gestiegen.

Das Angebot an Lehrstellen stieg um fast drei Prozent auf fast 590.000 Plätze, die Zahl der Bewerber auf 610 000. Rechnerisch kamen so auf 100 Interessierte 106 Lehrstellen. Weil jedoch Lehrherren und Bewerber regional und von der Branche her nicht immer zusammenkommen, stieg auch die Zahl der Unversorgten auf den Rekordwert von 24 500 – 800 mehr als ein Jahr zuvor.

Dazu kommen noch 54.000 Jugendliche, die zwar eine Alternative gefunden haben – meist weiter zur Schule gehen –, aber weiter nach einer Lehre suchen. Zudem sind auch 2018 wieder 270.000 Jugendliche zunächst im „Übergangssystem“ untergekommen. Wer allerdings eine Lehre beendet, hat größere Chancen auf einen Anschlussjob: Die Übernahmequote steigt seit sieben Jahren und betrug zuletzt 74 Prozent.

Selbst die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist erstmals seit 2009 wieder etwas gewachsen: Ihre Zahl kletterte um 0,2 Prozent auf 427 000. Das war allerdings weniger als die Zunahme der Betriebe insgesamt, die um ein halbes Prozent zulegte. Zudem sind lediglich in Ostdeutschland neue Ausbildungsbetriebe dazugekommen.

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2 Kommentare zu "Berufsbildungsbericht 2019: Deutschland hat mehr als 2,1 Millionen junge Ungelernte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Gillmann,

    "mehr als 2,1 Millionen Ungelernte" gebe es, erzählt uns der Berufsbildungsbericht. Aber was treiben eigentlich die vielen jungen Leute den ganzen lieben langen Tag und die ganze Nacht? Mir scheint, dass die Autoren des Berufsbildungsberichts dies einfach nicht wissen. Auf der anderen Seite aber anscheinend die irrige Vorstellung haben, es gäbe keine Selbständigen. Auch die 2,1 Millionen junger Ungelernter müßten sich deshalb auf dem Arbeitsmarkt als Arbeitnehmer bewerben. Natürlich am besten für hochqualifizierte Tätigkeiten.

    Ich plädiere dafür, dass die Autoren des Berufsbildungsberichts ihre Wissenslücke schleunigst schließen. Was dabei herauskommt, wage ich zu erahnen.

    Ich wohne in einer Großstadt. Hier gibt es zahlreiche gastronomische Betriebe (Pizzerias, Eisdielen, Imbißstände und vieles andere) in der Hand ausländischer Familien. Andere ausländische Familien betätigen sich im Handel, sie haben einen Internet-Laden oder verkaufen Obst und Gemüse. Und drittens gibt es auch noch das Handwerk mit Tätigkeiten wie Gebäudereinigung, Schlüsseldienste oder Werkstätten, in denen ausländische Familien ihren Lebensunterhalt verdienen können.

  • Offensichtlich haben positive Hilfen (Nachhilfe, Psychologen, spezielle Erzieher, bei Straftätern milde Staatanwälte und Richter keine oder nur milde Strafen) nichts, aber r r e i n Garnichts ausrichten können.
    Die Rentner werden diskriminiert, die tätigen Arbeitnehmer werden veräppelt, die lernwilligen Schüler ausgelacht und Auszubildende werden angepöbelt.

    Aber die deutschen "Gutmenschen" sagen nichts, vorne weg die Politiker. (Berlin u.a.)

    Sämtliche Geldzahlungen einstellen bis gearbeitet oder gelernt wird.

    Aber bald sind Wahlen.

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