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Beschäftigung Bundesagentur für Arbeit will noch nicht von einer Krise reden

Trotz steigender Arbeitslosigkeit sieht die Behörde keinen Grund zur Beunruhigung. Von Forderungen der Arbeitgeber, jetzt Krisenvorsorge zu treffen, hält Vorstand Terzenbach nichts.
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Bundesagentur für Arbeit will noch nicht von einer Krise reden Quelle: picture alliance/dpa
BA-Vorstand Daniel Terzenbach

Die Arbeitsagentur ist auf einen Abschwung ausreichend vorbereitet, verspricht Vorstand Daniel Terzenbach.

(Foto: picture alliance/dpa)

Berlin Normalerweise ist es ein Trio, das in Nürnberg die monatlichen Arbeitsmarktdaten präsentiert. Doch am Mittwoch stellt sich Vorstand Daniel Terzenbach ganz allein den Fragen. BA-Chef Detlef Scheele weilt im Sommerurlaub. Und Terzenbachs Vorstandskollegin Valerie Holsboer hatte der Verwaltungsrat vor knapp drei Wochen abberufen. Am Mittwoch wollte das Bundeskabinett die Personalie besiegeln.

Deutschlands größte Behörde steckt vielleicht in einer Führungskrise. Aber von einer Krise am Arbeitsmarkt will Terzenbach nichts wissen. Zwar zeige sich die konjunkturelle Abkühlung, die Entwicklung insgesamt sei aber weiter „sehr robust“.

Von Juni auf Juli ist die Zahl der Arbeitslosen um 59.000 auf knapp 2,28 Millionen gestiegen. Ein Anstieg zu Beginn der Sommerpause sei aber normal, weil viele Ausbildungs- oder Hochschulabsolventen nicht sofort einen Job fänden, erklärte Terzenbach. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren 49.000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.

Auch die Beschäftigung ist weiter gestiegen. Das Statistische Bundesamt zählte im Juni 45,3 Millionen Erwerbstätige – saisonbereinigt 8.000 mehr als im Vormonat und 410.000 mehr als im Vorjahr. Die Unternehmen suchen weiter zusätzliches Personal, doch schwächt sich die Dynamik spürbar ab.

Die konjunkturelle Abkühlung zeige sich derzeit vor allem in der Zeitarbeit und in der Industrie, die deutlich weniger Arbeitskräfte nachfragten, sagte der BA-Vorstand. Von steigender Arbeitslosigkeit seien vor allem Geringqualifizierte und Ausländer betroffen. Dies könne sich auch bei der Integration der Flüchtlinge niederschlagen, weil diese oft als Helfer in industrienahen Jobs oder in der Zeitarbeit tätig seien, sagte Terzenbach.

Im größeren Informationsbedarf der Unternehmen zum Thema Kurzarbeit sieht die Arbeitsagentur bisher noch kein Warnsignal. Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Eurokrise sei jeder 20. Arbeitnehmer in Deutschland in Kurzarbeit gewesen. Heute sei mit gut 40.000 Kurzarbeitern etwa jeder tausendste Arbeitnehmer betroffen.

Arbeitsagentur für Anstieg der Kurzarbeit gewappnet

Terzenbach sieht denn auch keine Notwendigkeit, jetzt schon Krisenvorsorge zu treffen. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte die Bundesregierung im Handelsblatt aufgefordert, angesichts der anhaltenden Sorge um die Automobilindustrie und den Maschinen- und Anlagenbau jetzt mit einer Gesetzesänderung zur Kurzarbeit tätig zu werden.

„Uns geht es darum, dass die Unternehmen, wenn nötig, wieder schnell und unkompliziert auf das Instrument der erweiterten Kurzarbeit zurückgreifen können“, sagte Kramer. Im Zuge der Finanzkrise hatte die Regierung befristet von 2009 bis März 2012 die Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld gesenkt und den Arbeitgebern auf Antrag einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge abgenommen. Diese Regelung habe sich bewährt, sagte Kramer.

Die Bundesagentur sei mit ihrem Finanzpolster für einen deutlichen Anstieg der Kurzarbeit gewappnet, konterte Terzenbach. „Wir sehen noch nicht, dass in irgendeiner Art und Weise die Gesetzgebung jetzt schon handeln müsste“, sagte er. Die BA stehe aber in engem Austausch mit dem Arbeitsministerium und könne bei Bedarf schnell handeln.

Sollte sich die Konjunktur in Zukunft deutlich stärker eintrüben, gebe es die entsprechenden arbeitsmarktpolitischen Instrumente, um darauf angemessen zu reagieren, teilte auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit. „Dazu gehören die notwendigen Rücklagen bei der Bundesagentur für Arbeit, die im Krisenfall über Kurzarbeitsregelungen mithelfen werden, Beschäftigung zu sichern.“

Derzeit sei das Entlassungsrisiko noch so gering wie nie seit der Wiedervereinigung, betonte Terzenbach. Und die Arbeitsagenturen gingen davon aus, zwei Drittel der Beschäftigten, die aktuell ihren Job verlören, innerhalb von drei Monaten in eine neue Beschäftigung vermitteln zu können.

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1 Kommentar zu "Beschäftigung: Bundesagentur für Arbeit will noch nicht von einer Krise reden"

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  • immer mehr Firmen finden keine Arbeitnehmer und es sind gerade die Jobs, die kein Studium verlangen. Wie kann es sein, dass die Arbeitslosigkeit steigt und gleichzeitig der Bedarf an Arbeitskräften auch zunimmt? Sowas hatten wir wohl noch nie, oder? Die Totalversager hinterlassen auch hier ihre klaren Spuren ... nur abwählen hilft.

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