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Beschäftigung Studie untersucht Nutzen der Kurzarbeit in der Coronakrise

Mit Kurzarbeit ist Deutschland relativ glimpflich durch die Finanzkrise gekommen. Hilft das Instrument auch in Coronazeiten? IAB-Forscher ziehen den Vergleich.
28.05.2020 - 10:00 Uhr Kommentieren
Das Gastgewerbe ist noch weit von der Rückkehr zur Normalität entfernt. Quelle: dpa
Gesperrter Tisch im Hotel

Das Gastgewerbe ist noch weit von der Rückkehr zur Normalität entfernt.

(Foto: dpa)

Berlin Sie sei froh, dass es die Kurzarbeit gebe, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Regierungsbefragung im Bundestag Mitte Mai. Denn so könne man Menschen „Brücken bauen“ und müsse sie nicht „ins Nichts entlassen“. Das Instrument habe sich schon in der Finanzkrise bewährt, hat die Regierungschefin mehrfach betont. Doch ist die Brücke auch tragfähig angesichts der prognostizierten schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte, die den Wirtschaftseinbruch von 2009 noch übertreffen wird?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat jetzt in einer aktuellen Studie die Kurzarbeit damals und heute verglichen und sich auch die Situation bei Entlassungen und Neueinstellungen angeschaut. Dazu wurden die Daten zu Kurzarbeitsanzeigen und Arbeitslosmeldungen im März und April 2020 sowie im Jahr 2009 nach Branchen analysiert.

„Die Coronakrise trifft Wirtschaft und Arbeitsmarkt schon jetzt deutlich härter als die Finanzkrise von 2009“, schreiben die Forscher Enzo Weber und Britta Gehrke. So meldeten die Unternehmen im März und April dieses Jahres für 10,1 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit an. Im gesamten Jahr 2009 wurde dagegen nur für 3,3 Millionen Personen Kurzarbeit angezeigt.

Offen ist, wie viel Kurzarbeit am Ende auch tatsächlich realisiert wird. So kann es etwa sein, dass ein Teil oder die ganze Belegschaft wieder arbeiten kann, weil Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden. Daten über die tatsächliche Zahl der Kurzarbeiter liegen erst mit zeitlicher Verzögerung vor, aktuell reichen sie als Hochrechnung bis Februar.

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    In der Finanzkrise sei nur jeder dritte anzeigende Betrieb dann auch tatsächlich in Kurzarbeit gegangen, heißt es in der Studie, in der Spitze gab es mehr als 1,4 Millionen. Damals waren im Schnitt 40,3 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer für maximal drei Monate in Kurzarbeit, die empfindliche Einkommensverluste bedeuten kann. Trotz relativ rascher wirtschaftlicher Erholung sank die Gesamtzahl der Kurzarbeiter 2009 aber erst gegen Jahresende wieder unter die Millionenschwelle.

    Im Unterschied zur Finanzkrise, die vor allem die Exportindustrie traf, sind von der Coronakrise nahezu alle Wirtschaftsbereiche betroffen. Hotels und Gaststätten, die mit Einschränkungen erst langsam den Betrieb wieder aufnehmen, haben für gut neun von zehn ihrer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet – ein absoluter Spitzenwert im Branchenvergleich.

    Geschlossene Theater, Kinos und Konzertsäle führen auch in der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche dazu, dass für gut vier von zehn Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet wurde. Ähnlich hoch liegt die Quote in jenem Dienstleistungszweig, der unter anderem die Leiharbeit, Reisebüros und Reiseveranstalter umfasst.

    Die Logistik, das Baugewerbe und der Handel sind mit Werten um 30 Prozent betroffen. Alle diese Branchen haben – im Gegensatz zur Industrie – vor Corona kaum Erfahrungen mit Kurzarbeit gemacht. Im verarbeitenden Gewerbe sind im März und April bereits für rund 40 Prozent der Beschäftigten Kurzarbeitsanzeigen eingegangen. Im ersten Halbjahr 2009 lag die Quote mit 36,6 Prozent deutlich darunter.

    Für viele Branchen war Kurzarbeit 2009 ein Fremdwort

    Aber hilft die Kurzarbeit wirklich, Entlassungen zu vermeiden, so wie Kanzlerin Merkel hofft? Wohl nicht in dem Maße wie in der Finanzkrise, erwarten die IAB-Forscher. So haben sich im April – dem ersten Monat nach dem Corona-Shutdown – bereits über 100.000 mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im Vorjahresmonat. Einen solchen monatlichen Zuwachs habe es im ganzen Jahresverlauf 2009 nicht gegeben.

    Wie sich die Beschäftigung entwickelt, hängt aber auch davon ab, wie viele Arbeitslose einen Job finden. Die Einstellungsbereitschaft ist in Zeiten der Viruspandemie jedoch deutlich gesunken. Im April dieses Jahres hat es 78.000 weniger Neueinstellungen aus der Arbeitslosigkeit heraus gegeben als im April 2019. Ein solcher Rückgang wurde 2009 ebenfalls in keinem Monat registriert.

    Besonders hoch ist das Entlassungsrisiko derzeit im Gastgewerbe, das auch den höchsten Kurzarbeiteranteil hat. Dort haben im März und April knapp 25.000 Beschäftigte ihren Job verloren.

    Der Anteil der zusätzlichen Arbeitslosmeldungen in den Monaten März und April dieses Jahres beläuft sich damit auf über zwei Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten – mehr als in jeder anderen Branche. Selbst in der Leiharbeit, die als besonders krisenanfällig gilt, ist der Zugang in Arbeitslosigkeit gemessen an der Zahl der Beschäftigten geringer.

    Um die weitere Arbeitsmarktentwicklung abschätzen zu können, hat das IAB aber auch die Kurzarbeitsanzeigen und die Arbeitslosmeldungen in Beziehung gesetzt. „Denn daraus lässt sich ableiten, wie stark eine Branche (zumindest bis dato) auf Kurzarbeit setzt, um Entlassungen zu vermeiden“, schreiben die Forscher.

    So überstieg die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen im verarbeitenden Gewerbe die der Arbeitslosmeldungen im ersten Halbjahr 2009 um den Faktor 17 – der mit Abstand höchste Wert aller Branchen. Für März und April dieses Jahres liegt der Faktor in der Industrie sogar bei 296, es gab also bisher kaum Entlassungen im Verhältnis zur angezeigten Kurzarbeit. In anderen Branchen ist die Relation weniger stark ausgeprägt, die Kurzarbeitsanzeigen übersteigen die Arbeitslosmeldungen aber auch dort stets um ein Vielfaches.

    Im Kunst- und Kulturbereich, im Gastgewerbe oder bei Finanzdienstleistern überwiegt die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen die der Arbeitslosmeldungen heute deutlich stärker als 2009. Bei Banken und Versicherern liegt das vor allem an der im Vergleich zur Finanzkrise geringeren Zahl von Entlassungen. Im Gastgewerbe und Kulturbereich zeigt sich die deutlich stärkere Nutzung der Kurzarbeit, die für beide Branchen 2009 noch fast ein Fremdwort war.

    „Die Tatsache, dass alle Branchen bis dato sehr viel stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen setzen, zeigt, dass die Betriebe bisher ganz überwiegend gewillt sind, ihr Personal zu halten“, bilanzieren die IAB-Forscher. Wie viele Menschen in der Coronakrise wie lange in Kurzarbeit sein und dann vielleicht doch noch arbeitslos werden, lasse sich derzeit aber nicht sagen. Das werde „stark von der Dauer der Rezession abhängen“.

    Mehr: IAB-Experte Weber: „Wir müssen auch für neue Jobs sorgen“

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