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Beschäftigung Trotz des Teil-Lockdowns: Der Arbeitsmarkt läuft nicht aus dem Ruder

Die Coronakrise lässt die Kurzarbeit ansteigen. Bund und Arbeitsagentur sind optimistisch, dass es keine Massenarbeitslosigkeit geben werde. Die wichtigsten Aspekte der aktuellen Zahlen.
01.12.2020 - 13:16 Uhr Kommentieren
Vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Quelle: Stefan Boness/Ipon
BA-Chef Scheele (l.), Arbeitsminister Heil

Vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen.

(Foto: Stefan Boness/Ipon)

Berlin Trotz des Teil-Lockdowns sinkt die Arbeitslosigkeit. Im November registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) knapp 2,7 Millionen Arbeitslose. Das sind 61.000 weniger als im Oktober, aber 519.000 mehr als im Vorjahresmonat. Wie sind die Zahlen zu bewerten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie schlimm wird der erneute Teil-Lockdown?

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, hat keine Glaskugel. Die Bundesregierung habe aber zugesagt, dass die Schließung von Gaststätten, Fitnessstudios oder Kinos zeitlich begrenzt sein solle, wahrscheinlich bis Anfang oder Mitte Januar. „Das, hoffen wir, bleibt auch so“, sagte Scheele bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im November verglichen mit dem Vormonat um 61.000 Personen gesunken und damit stärker als in den Vorjahren. Stichtag für die Zählung war allerdings der 11. November, sodass die Auswirkungen des Teil-Lockdowns sich hier noch nicht vollständig widerspiegeln.

Der BA-Chef geht aber davon aus, dass die erneute Schließung von Teilen der Wirtschaft nicht so gravierende Auswirkungen haben wird wie der Lockdown im Frühjahr. Allerdings sehen sich immer noch 15 Prozent der deutschen Unternehmen durch die Coronakrise in ihrer Existenz bedroht, wie das Münchener Ifo-Institut in seiner Konjunkturumfrage für November ermittelt hat. Im Juni waren es aber noch 21 Prozent.

In den vom Teil-Lockdown betroffenen Branchen ist die Sorge besonders groß: 86 der Reisebüros und -veranstalter, 76 Prozent der Hotels und 62 Prozent der Gaststätten fürchten das baldige Aus.

Trägt die Brücke Kurzarbeit noch?

Nach einem deutlichen Rückgang wird die Zahl der Kurzarbeiter mit dem Teil-Lockdown wieder leicht zulegen. Vom 1. bis zum 25. November haben die Unternehmen laut BA für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angemeldet. Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber den Vormonaten Oktober (148.000) und September (107.000).

Vom Rekord im April, als für gut acht Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet wurde, sind die Zahlen aber weit entfernt. Selbst wenn die aktuell angemeldete Kurzarbeit komplett realisiert werden sollte, würde die Zahl der Kurzarbeiter nicht wieder über die Marke von drei Millionen steigen.

Nach den jüngsten verfügbaren hochgerechneten Daten wurde im September für 2,2 Millionen Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Der Höchstwert lag im April bei knapp sechs Millionen. Bis zum Teil-Lockdown war die Kurzarbeit also weiter rückläufig, ohne dass dies zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt hätte.

„Trotz der massiven Erschütterungen ist das große Beben am deutschen Arbeitsmarkt ausgeblieben“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) – auch dank des Kurzarbeitergelds.

Stellen die Unternehmen wieder ein?

Die Entwicklung der Arbeitslosenzahl hängt nicht nur davon ab, wie viele Menschen ihren Job verlieren, sondern auch davon, wie viele Arbeitslose eine Beschäftigung finden. Den Corona-Effekt insgesamt beziffert die BA für die Monate April bis November auf 520.000 zusätzliche Arbeitslose. Darunter sind aber nur 123.000 Personen, die ihre Stelle verloren haben.

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen, die im Frühjahr stark gedämpft war, hat seither wieder merklich zugenommen. Darauf deuten Indikatoren wie das exklusiv für das Handelsblatt berechnete Ifo-Beschäftigungsbarometer oder das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hin.

Bei der Bundesagentur für Arbeit wurden von April bis November 990.000 Stellen neu gemeldet, 29 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Vor allem die Zeitarbeitsbranche, der Handel und das Gastgewerbe halten sich bei der Personalsuche zurück.

Ist die Arbeitslosenquote schöngerechnet, weil Arbeitsuchende in Maßnahmen „geparkt“ werden?

Die Arbeitslosenquote ist im November mit 5,9 Prozent wieder unter die Sechs-Prozent-Marke gesunken. Im Bundesländervergleich liegt die Quote in Bremen mit 11,3 Prozent am höchsten, in Bayern mit 3,6 Prozent am niedrigsten.

Nicht als arbeitslos gezählt werden Personen im sogenannten Übergangssystem, die an einer Fortbildung, Qualifizierung oder anderen Maßnahmen teilnehmen, oder die wegen einer Erkrankung zeitweise nicht arbeiten können. Auch das Übergangssystem hat unter Corona gelitten, weil Kurse und Seminare nicht im gleichen Umfang wie vor der Pandemie angeboten werden konnten.

Die Zahl der sogenannten Unterbeschäftigten, die neben den Arbeitslosen auch diese Personengruppen umfasst, belief sich im November auf 3,52 Millionen Personen, Kurzarbeiter werden hier nicht eingerechnet. Die Coronakrise hat die Unterbeschäftigung laut BA um schätzungsweise 392.000 Personen erhöht. Die Zahl der Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen lag aber im November um rund 13 Prozent unter dem Wert vom März.

Wie fällt die Jahresbilanz auf dem Arbeitsmarkt aus?

Die Arbeitsmarktdaten für Dezember präsentiert die BA erst im neuen Jahr, Vorstandschef Scheele nutzte die Pressekonferenz am Dienstag deshalb bereits für eine vorgezogene Bilanz. Trotz der Coronakrise gebe es eine „ausgesprochen gute Situation“ auf dem Arbeitsmarkt, sagte Scheele.

Der Dezember werde wegen möglicher Einbußen im Weihnachtsgeschäft sicher noch einmal risikoreicher als der November, aber er sehe keine Anzeichen dafür, dass etwas aus dem Ruder laufe.

Arbeitsminister Heil erklärte, man müsse jetzt noch „ein paar Monate die Zähne zusammenbeißen“. Die Aussicht auf einen Impfstoff und die Wahl eines neuen US-Präsidenten stimmten aber zuversichtlich, dass es im neuen Jahr zu einer wirtschaftlichen Erholung und einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt komme.

Die Politik wende zwar Milliarden für das Kurzarbeitergeld oder den erleichterten Zugang zur Grundsicherung auf, aber: „Massenarbeitslosigkeit wäre für unser Land viel, viel teurer“, sagte Heil.

Das IAB geht in seiner Anfang Oktober veröffentlichten Jahresprognose davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000 Personen steigt und die Zahl der Erwerbstätigen um 400.000 sinkt.

Im Zuge der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung werde sich aber auch die Arbeitsmarktentwicklung wieder verbessern. Für das Jahr 2021 geht das IAB von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 130.000 und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 100.000 Personen aus.

Mehr: So gelingt es, eine Kündigung als Chance zu begreifen

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