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Beschäftigung Viele Angestellte können mit einem kräftigen Plus rechnen

Die Tariflöhne werden dieses Jahr um mehr als drei Prozent steigen. Ökonomen mahnen, bei den Erhöhungen die Wettbewerbsfähigkeit im Blick zu behalten.
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Die Metall- und Elektroindustrie liegt bei der Lohnentwicklung vorn. Quelle: imago images / Rainer Weisflog
Zugmontage im Bombardier-Werk in Bautzen

Die Metall- und Elektroindustrie liegt bei der Lohnentwicklung vorn.

(Foto: imago images / Rainer Weisflog)

Berlin Dass derzeit vor allem die Binnenkonjunktur die deutsche Wirtschaft vor einem schlimmeren Absturz bewahrt, darüber herrscht unter Ökonomen weitgehend Einigkeit. Die Bauinvestitionen und der Konsum hielten die Konjunktur noch in Gang, schrieb das arbeitgeberfinanzierte Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner Frühjahrsprognose.

Die Risiken für die exportorientierte Industrie seien hoch, kommentierte Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Die insgesamt gute Einkommensentwicklung dürfte jedoch die Dienstleister hierzulande stützen, vor allem die konsumorientierten wie etwa den Einzelhandel.“

Tatsächlich steigen die Einkommen der Beschäftigten weiter kräftig. In diesem Jahr werden die Tariflöhne um mindestens 3,2 Prozent zulegen, schreibt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in seiner Halbjahresbilanz.

In den beiden zurückliegenden Jahren waren die Tariflöhne um 3,0 und 2,4 Prozent gestiegen. Zieht man den durchschnittlichen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent im ersten Halbjahr ab, bleibt unter dem strich ein Reallohnzuwachs um 1,6 Prozent.

„Damit leisten die Tariflöhne einen wichtigen Beitrag dafür, dass durch eine starke Binnennachfrage einer sich abkühlenden Konjunktur entgegengewirkt wird“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Auch der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht keine Übertreibung beim Lohnzuwachs: „Die gute Entwicklung der Löhne stützt die Binnenkonjunktur und ist angesichts der hohen Beschäftigung auch angemessen.“ Schließlich herrscht in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung, was die Konkurrenz um Arbeitskräfte anheizt und die Preise treibt.

Das WSI hat in seine Bilanz alle zwischen Januar und Juni erzielten Tarifabschlüsse einbezogen, etwa für die Beschäftigten der Länder, der Textil- oder der Druckindustrie. Außerdem sind schon in früheren Jahren vereinbarte Tariferhöhungen eingeflossen, die dieses Jahr wirksam werden. Am Ende des Jahres kann das Tarifplus noch höher ausfallen, weil noch einige Lohnrunden anstehen, etwa im Versicherungsgewerbe oder der chemischen Industrie.

Aufs Jahr bezogen liegt die Metall- und Elektroindustrie mit einer Tarifsteigerung von 4,1 Prozent vorn, gefolgt von der Eisen- und Stahlindustrie mit 3,9 Prozent und dem öffentlichen Dienst der Länder mit 3,6 Prozent. Angesichts des letzten teuren Abschlusses mahnt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehende Tarifrunde schon jetzt zur Zurückhaltung: Die Metall- und Elektroindustrie liege an der Spitze der Lohnzuwächse, sagte ein Sprecher: „Dies bedeutet hohe und dauerhafte Kostensteigerungen für die Unternehmen, egal ob in wirtschaftlichen Boomzeiten oder in der Phase einer sich abschwächenden Konjunktur, wie wir sie gerade erleben.“

Auch der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, mahnt: „Die Inlandsnachfrage kann nur dann dauerhaft steigen, wenn wir den Beschäftigungsaufbau nicht gefährden. Daher müssen wir auch auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit achten.“ Die industriellen Arbeitskosten hätten sich in den letzten fünf Jahren deutlich stärker erhöht als im Ausland. Gegenüber den Euro-Ländern seien die Kosten hierzulande jetzt um ein Viertel teurer. „2013 betrug dieses Kostenhandicap noch 19 Prozent“, sagte Hüther.

Tatsächlich hat – neben dem öffentlichen Dienst der Länder – vor allem die Industrie die Tariflöhne angeheizt. Unterdurchschnittliche Steigerungsraten verzeichneten etwa Bund und Kommunen, das Hotel- und Gaststättengewerbe oder die Gebäudereiniger. Insgesamt haben die im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossenen Gewerkschaften in der ersten Jahreshälfte neue Tarifverträge für rund 3,3 Millionen Beschäftigte vereinbart.

Beim DGB freut man sich natürlich über die positive Entwicklung bei den Tariflöhnen. „Dennoch ist die Tarifbindung an sich eine Baustelle, denn die Reichweite der Tarifverträge nimmt ab“, kritisiert Vorstandsmitglied Stefan Körzell. So arbeiten laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) nur noch 54 Prozent der Beschäftigten nach Tarif.

Um den Tarifschutz zu stärken, müsse der Gesetzgeber die Regeln zur Allgemeinverbindlichkeit erleichtern, um so Tarifverträge für alle Unternehmen einer Branche verbindlich zu machen – auch für solche, die nicht in einem Arbeitgeberverband seien, fordert Körzell. Außerdem sollten öffentliche Fördergelder und staatliche Aufträge nur noch Firmen erhalten, die ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. „Als größter Auftraggeber am Markt muss der Staat Vorbild sein und darf keinen Billiganbietern mit Niedriglöhnen den Zuschlag erteilen“, fordert Körzell.

Auch tarifgebundene Beschäftigte müssen sich aber womöglich schon bald auf magerere Zeiten einstellen: „In den nächsten Jahren könnte die schwächere Konjunktur wieder zu einem langsameren Lohnwachstum führen“, sagt Ifo-Chef Fuest. Dort, wo Fachkräfte knapp seien, werde der Preis der Arbeit aber weiter steigen.

Mehr: Der überraschend hohe Anstieg der Tariflöhne in diesem Jahr dürfte der vorerst letzte gewesen sein – trotz des anhaltenden Fachkräftemangels, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Frank Specht.

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