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Beschäftigung Was die Coronakrise für den Arbeitsmarkt in Deutschland bedeutet

Die Industrie denkt über Jobabbau nach, Landwirte und Supermärkte suchen dagegen dringend Helfer. Die EU drängt die Mitgliedsstaaten, die Grenzen für Saisonkräfte offen zu halten.
30.03.2020 - 18:08 Uhr Kommentieren
Im Lebensmitteleinzelhandel werden derzeit im Zuge der Coronakrise Arbeitskräfte gesucht. Quelle: dpa
Supermarkt

Im Lebensmitteleinzelhandel werden derzeit im Zuge der Coronakrise Arbeitskräfte gesucht.

(Foto: dpa)

Berlin, Brüssel Die einen haben keine Arbeit mehr, weil Bänder stillstehen und Läden geschlossen sind. Die anderen haben mehr zu tun denn je, weil sie im Gesundheitswesen, im Supermarkt oder in der Logistik arbeiten oder weil auf den Feldern die Ernte- und Pflanzzeit ansteht. Corona hat den Arbeitsmarkt in Deutschland geteilt.

Gut jedes vierte Industrieunternehmen erwartet Kurzarbeit in den kommenden drei Monaten, zeigt die neue Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts. Besonders betroffen ist die Metall- und Elektroindustrie. Im Maschinenbau denkt rund jede achte Firma über Personalabbau nach, teilte der Branchenverband VDMA unter Berufung auf eine Umfrage unter knapp 1 000 Mitgliedsunternehmen mit.

Ganz anders die Situation im Lebensmitteleinzelhandel. So hatte Aldi vor ein paar Tagen Bedarf an gut 3000 zusätzlichen Arbeitskräften angemeldet und eine Personalpartnerschaft mit McDonald’s geschlossen. Mitarbeiter, für die es in den Schnellrestaurants derzeit keine Arbeit gibt, können befristet beim Discounter aushelfen.

Damit solche Beispiele Schule machen können, hat die Bundesregierung unter anderem die Hinzuverdienstgrenzen für Kurzarbeiter gelockert, die in für die Sicherheit oder Versorgung der Bevölkerung relevanten Berufen aushelfen. „Wir sind froh, dass die Politik hier schnell und konsequent gehandelt hat“, sagt Sandra Warden, Geschäftsführerin beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

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    Denn in ihrer Branche seien die meisten Betriebe geschlossen und kämpften ums nackte Überleben. Und viele Mitarbeiter befänden sich in Kurzarbeit mit entsprechenden Einkommenseinbußen, während in anderen Branchen dringend Arbeitskräfte gesucht würden.

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    In der Umsetzung stelle die neue Regelung kurzarbeitende Betriebe, die das Kurzarbeitergeld abrechnen müssen, allerdings vor Herausforderungen. „Wenn Kurzarbeitergeld und Zuverdienst zusammen höher sind als das bisherige Nettoentgelt, kommt es zu Rückforderungen“, sagt Warden. Ihr Verband arbeite derzeit an Checklisten und Mustern, um dieses Risiko auszuschalten.

    Beim Handelsverband Deutschland (HDE) und beim Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) hebt man vor allem die erleichterte Arbeitnehmerüberlassung hervor. So dürfen Unternehmen auch ohne Verleiherlaubnis Mitarbeiter, die dem zustimmen, zeitlich begrenzt an andere Firmen ausleihen. Das sei „besonders wichtig, weil ja der Non-Food-Handel im Moment nicht öffnet, während der Lebensmittelhandel boomt“, heißt es dazu beim HDE.

    Helfen könnten die Hinzuverdienstregeln zum Kurzarbeitergeld und die Verleihmöglichkeit auch den Landwirten. Sie beschäftigen normalerweise im März bei der Spargelernte und Pflanzarbeiten etwa 30.000 Saisonarbeiter meist aus Ost- und Südosteuropa.

    Bis Mai steigt die Zahl auf rund 80.000. Doch seit vergangenem Mittwoch, 17 Uhr, dürfen keine Erntehelfer beispielsweise aus Bulgarien oder Rumänien mehr nach Deutschland einreisen. Das hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nach Abstimmung im Bundeskabinett entschieden, um Infektionsgefahren durch das Coronavirus einzudämmen. Die Bedenken von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wurden ignoriert.

    Deshalb suchen Landwirte derzeit auf Portalen wie www.saisonarbeit-in-deutschland.de nach Arbeitskräften. Doch so begrüßenswert das Engagement vieler Bürger auch sei: „Der Bedarf an Erntehelfern wird sich damit allein kaum decken lassen“, sagt der binnenmarktpolitische Sprecher der Christdemokraten im Europaparlament, Andreas Schwab.

    Grenzen für Pendler und Saisonkräfte offen halten

    Die EU-Kommission drängt deshalb die nationalen Regierungen, ihre Grenzen für Pendler und Saisonkräfte in der Krise weitgehend offen zu halten. Dies gelte besonders für kritische Berufe wie Ärzte, Pfleger oder IT-Spezialisten, aber auch darüber hinaus, schreibt die Brüsseler Behörde in neuen Leitlinien zur Freizügigkeit von Arbeitnehmern.

    1,5 Millionen Menschen in der EU arbeiteten in einem anderen Land als dem, wo sie leben, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Viele davon haben Jobs, die in der Krise für uns alle wichtig sind.“

    Dazu zählen aus Kommissionssicht auch ausländische Erntehelfer. „Wir brauchen Leute, die auf den Feldern säen und ernten“, sagte von der Leyen. In der Landwirtschaft sei die Abhängigkeit von Arbeitskräften aus anderen EU-Staaten besonders hoch. Die nationalen Behörden sollten sich daher untereinander abstimmen.

    Agrarministerin Klöckner begrüßte das Bekenntnis der EU-Kommissionspräsidentin zur Systemrelevanz der Land- und Ernährungswirtschaft. „Auch ihr Hinweis auf eine besondere Behandlung von Saisonarbeitskräften ist richtig“, sagte Klöckner dem Handelsblatt. „Viel können wir zwar durch die Vermittlung von Arbeitskräften im Inland erreichen, aber bei Weitem nicht alles.“

    „Keine Alleingänge!“, fordert auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff. Auch wenn Landwirte momentan auf jede helfende Hand angewiesen seien, müssten der Schutz aller Arbeitenden und der ganzen Bevölkerung an erster Stelle stehen.

    In der Coronakrise hatten viele EU-Staaten Kontrollen an ihren Grenzen eingeführt oder diese gleich weitgehend auch für EU-Bürger geschlossen. Bei ihrer Videokonferenz am Donnerstag erklärten die Staats- und Regierungschefs, Grenzgängern und Saisonarbeitskräften müsse es „möglich sein, wesentliche Tätigkeiten weiterhin auszuüben, ohne dass das Virus weiterverbreitet wird“.

    Das ist aber schwierig, weil etwa Berufspendler aus Polen für 14 Tage in Quarantäne geschickt werden, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. In Sachsen können sie deshalb seit Freitag Unterstützung beantragen, wenn sie eine vorübergehende Unterkunft in Deutschland brauchen.

    Mehr: Nach Adidas und Deichmann kündigen weitere Firmen an, weniger oder keine Miete zahlen zu wollen. Viele Vermieter dürften dadurch in Existenznot geraten.

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