„Besorgnis erregend“ Wirtschaftsforscher warnt vor neuer globaler Krise

An den Börsen greift die Sorge vor einer neuen weltweiten Rezession um sich. Die Ängste sind nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Horn nicht unbegründet. Jetzt sei die Politik am Zug, Schlimmeres zu verhindern.
Update: 04.08.2011 - 20:00 Uhr 17 Kommentare
Weltkugel. Quelle: dpa

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DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben sich angesichts der der dramatischen Verluste an den Börsen in Europa und den USA besorgt geäußert und die Politik aufgefordert, rasch gegenzusteuern. „Die Lage ist Besorgnis erregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Dies würde sofort eine globale Krise zur Folge haben.“

 Wichtig sei jetzt, dass die Politik Vertrauen erzeugt, betonte der IMK-Chef. „In Europa heißt dies,  dass der Europäische Rettungsschirm EFSF tätig werden muss, falls Staatsanleihen weiter unter Druck geraten. In den USA sollte die Fed entsprechend intervenieren“, sagte Horn.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Für hoch verschuldete Länder wie Italien reiche eine neue Finanzpolitik alleine nicht aus. Es seien auch „ganz kurzfristige markttechnische Maßnahmen notwendig, um die Finanzmärkte zu stabilisieren“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Markteingriffe durch den Rettungsschirm EFSF stehen hier an erster Stelle, um selbstverstärkende Spekulationswellen gleich im Entstehen  abzufangen und damit zu verhindern, dass sie sich zu schweren Turbulenzen ausweiten.“

Das schwindende Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken hat am Donnerstag derweil weitere Anleger aus dem Aktienmarkt vertrieben. „Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist“, sagte ein Börsianer. Daran änderten auch Rettungsschirme und Anleihekäufe nichts. „Denn damit ist die Krise noch lange nicht überwunden.“

In Frankfurt brach der Dax um 3,5 Prozent ein und stürzt auf den tiefsten Stand des Jahres. In der Spitze rutscht der Index um fast vier Prozent auf 6.391 Punkte - das sind noch einmal fast 100 Punkte weniger als auf dem bisherigen Jahrestief aus dem März. In den vergangenen sieben Tagen hat der Dax rund 13 Prozent eingebüßt.

Kater sagte, auch wenn Italien bereits viel Reformbereitschaft und -erfolge vorzuweisen und schon seit zehn Jahren vor Zinszahlungen einen Überschuss im Staatshaushalt habe, verlange die gegenwärtige Marktsituation weitere Anstrengungen. „Mittelfristig müssen die Länder wieder fiskalische Glaubwürdigkeit aufbauen, das gilt nicht nur für Italien.“ Italien müsse hier vor allem das umsetzen, von dem Regierungschef Silvo Berlusconi am Mittwoch gesprochen habe. „Ein solcher Aufbau von Glaubwürdigkeit braucht allerdings Jahre: Schuldenberge, die innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut wurden, lassen sich nicht in einem Jahr unsichtbar machen.“

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17 Kommentare zu "„Besorgnis erregend“: Wirtschaftsforscher warnt vor neuer globaler Krise"

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  • also ich sehe die jetzige Situation als dermaßen verfahren an, daß es jetzt keine vernünftige Lösung mehr geben wird.
    Der Karren steckt schon so tief im Dreck. Abgeshen davon, daß unsere Politiker Griechenland und Italien in die EU aufgenommen haben, obwohl sie gewußt haben, daß diese Länder die Voraussetzungen nicht erfüllen, haben sie dann noch dazu ein Gesetz nach dem anderen gebrochen, haben uns belogen und betrogen und über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen, die völlig verantwortungslos und zerstörerisch waren. Und da glauben diese Traumtänzer wirklich, daß wir ihnen jemals wieder vertrauen könnten?
    Als das ganze Desaster begann, war den meisten Bürgern klar, wo das enden wird. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß die ganzen EU-Politiker sooooo blöd sind. Da stellt sich mir die Frage, wer es darauf abgesehen hat, unser Deutschland zu ruinieren. Wer hat da die Fäden in der Hand?

  • Darum kann ein Staat entweder die Ausgabenseite ändern oder die Einnahmenseite. Wenn der Staat die Steuern senkt und die Investitionen erhöht stimuliert dieser Staat das Wachstum, diese Möglichkeit haben aber diese Staaten nicht mehr.

    Die Staaten müssen in der Ausgabenseite neue Prioritäten setzen. Das heißt klassisch die Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen verbessern, Beschäftigungsprogramme zu initiieren die in der Folge neue Arbeitsplätze schafft (z. b. Aufforsten von Wäldern)

    Die Rüstungsausgaben sind zu reduzieren und maßvolle Rückführung der Sozialausgaben (Rente, Sozialhilfe, Hartz 4, Arbeitslosengeld etc.) dabei darf die Grundversorgung nicht gefährdet werden.

    Die Rückführung der Subventionen ist deutlich schwieriger, weil diese im Rahmen der „Globalisierung“ und der weggefallenen Zölle eingeführt wurden.

    Die Ausgabenseite muß aber deutlich langsamer wachsen als die Einnahmenseite, das führt zwar zu einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums. Diese Dämpfung wird aber durch eine Senkung des Leitzinses teilweise kompensiert, weil die Nachfrage von Krediten vom Staat (größter Schuldner des Landes) zurückgeht und damit die Zentralbank die Möglichkeit erhält die Zinsen zu senken weil die Preisstabilität nicht mehr vom Staat gefährdet wird. (siehe Geldschöpfung)



  • Eine Wirtschaftspolitik wie unter den Reichskanzler Brüning ist unter keinen Umständen zu empfehlen. (Kurzversion: Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen)


    Leider wird diese Politik derzeit von Griechenland, Spanien und Irland verfolgt weitere Länder werden folgen.

    Es ist dann auch kein Wunder das sich in diesen Ländern sich die Rezession sich verschärft und der „Exportmotor“ anspringt.

    Wir konnten bis 1933 unser Außenhandelsdefizit deutlich reduzieren!

    Die Politische Destabilisierung wird billigend im Kauf genommen.

    Die Rolle des Staates in der Volkwirtschaftlichen Formel ist einfach zu groß wenn dieser Faktor in einer Volkswirtschaft spart (wirkliches Sparen) werden die andern Faktoren in dieser Formel auch sparen.

  • Die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken löst heute die Probleme nicht mehr. Mit jedem Kojunkturpaket, jedes Zinssenkung und jedem Quantitative Easening wird mehr Geld in das Finanzsystem geworfen. Damit gibt man diesem Sektor immer mehr und noch mehr Macht. Diese Geldmengen sind längst so groß, dass auch klassische Investmentbanken schon systemgefährdend groß wären und in dem Moment fehlt ihnen dann auch noch das "sichere" Geschäft als Stabilisator.

    Der Glass Steagal Act hat in seiner Zeit Sinn gemacht, weil die Bereinigung bereits stattgefunden hatte. Damals ging es darum das System unter neuen Bedingungen langsam wieder hochzufahren. Momentan ist die Situation eine ganz andere.

  • Grundsätzlich haben sie Recht. Die Schuldenquoten müssen zurückgefahren werden.

    Über Sparen geht das aber nicht - gerade jetzt nicht. Hans Eichel hat versucht Deutschland über Sparprogramme zu sanieren und das ist fehlgeschlagen. Fängt man jetzt ernsthaft an in Süd-Europa oder den USA zu sparen, dann wird es ihnen gehen wie Deutschland unter Brüning. Wenn jetzt ernsthafte Sparprogramme kommen, dann landet man todsicher in einem deflationärem Schock und dann steht die Stabilität ganzer Länder auf dem Spiel.

    Was jetzt kommen müsste: klare Signale, dass ab dem Punkt X massiv gespart wird - dann wenn die Wirtschaft wieder etwas stabiler steht. Es müsste jemand vorausgehen und es müssten in Europa und den USA große Koalitionen entstehen, um diesen Versprechen Sicherheit zu geben. Parallel müssten jetzt schon massive Reformen beginnen, um die Wachstumsbremsen zurückzufahren.

    Am Ende des Tages geht es nur über Wachstum. Wir können die Schulden nur prozentual zurückdrängen, wenn wir mehr wachsen als Schulden machen. Wahrscheinlich ist das schon längst unmöglich, aber eine andere Chance gibt es nicht.

  • Die Eurozone sowie insbes. die USA befinden sich meines erachtens in einem Dilemma! Bei einem Sparkurs besteht die Gefahr die Wirtschaft abzuwürgen was die Schuldenproblematik aufgrund sinkender Staatseinnahmen somit weiter verschärfen könnte. Bei einer weiteren Lockerung erhöht sich die Schuldenproblematik ebenfalls. Warum sieht eigentlich niemand ein, dass vergangene Exzesse auch wieder abgebaut werden MÜSSEN. Dieser Prozess ist schmerzhaft. Das ist aber nun mal der Lauf der Dinge!
    Bei dem was jetzt passiert, wird alles nur vor sich hergeschoben und endet am Ende nur noch dramatischer...
    Eine Lösung, welche von heute auf morgen Alles wieder in Ordnung bringt gibt es möglicherweise einfach nicht!!!

  • "Jetzt sei die Politik am Zug, Schlimmeres zu verhindern."
    Ha Ha Ha Ha *lach.
    Unglaublich!

  • Schulden mit Schulden (EFSF) zu bekämpfen gehört zu den „dümmsten Vorschlägen“ die man durchführen kann.

    Wenn man einen solchen Schritt einleitet müsste der Schuldner in der Lage versetzt werden die Schulden auch zurückzuzahlen.

    Der Schuldner wäre auch verpflichtet seine Währung- und Finanzpolitik mit den Gläubigern abzustimmen (Beispiel: Bundesrepublik Deutschland= Griechenland)

    Die Subventionspolitik der EU nach Südeuropa ist aber gescheitert und diesen Weg kann man nicht weitergehen.

    Wir erleben es doch auch im eigenen Land. Wir haben Mitteldeutschland auch nicht in eine „blühende Landschaft“ verwandelt trotz Milliardenschwerer Subventionen. (Beispiel: Es wurden 4,50 DM an Subventionen ausgezahlt wenn man 5,00 DM in Mitteldeutschland investierte, im Vergleich zu 0,50 DM an Subventionen in Westdeutschland)

    Wie erfolgreich waren wir damit?

    Es werden keine angenehmen Zeiten aber das schuldenfinanzierte und Subventions- getriebene Wirtschaftswachstum gehört der Vergangenheit an.

    Länder wie Griechenland müssen mit einen Rückgang von 30 Prozent des BSP rechnen und ein Staatsbankrott ist nicht das Ende.

    Wir haben doch in Europa doch damit Erfahrung.


  • Vertrauen in diese Politiker? Dazu muss man schon schwer gehirngewaschen sein. Die Politiker sind die Verursacher dieser Finanzkrise!

    Wir müssen RAUS AUS DEM EURO, KEINE WEITEREN GARANTIEN UND BÜRGSCHAFTEN GEBEN. Wir sind doch selbst pleite und sollen noch für andere haften? Die Vertragsbrüche von Merkel und Schäuble sprechen für sich. Schaut nach Ungarn - wann ist es bei uns soweit?

  • Jetzt wacht die EU und ihre Marionetten vielleicht auf. Die immer noch schlafenden Bürger hoffentlich auch.
    Es muß immer erst ein Donnerschlag kommen, bevor sie alle wieder wach werden.
    Zitat:
    „Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist“, sagte ein Börsianer.
    -------
    Ach Gott, wie traurig. Haben die nicht alle Ökonomie studiert?
    Oder haben die ihr Diplom in der Lotterie gewonnen?
    Ich sage ihnen mal eine Lösung-Vorschlag- erster Schritt.
    Wiedereinführung - Trennbankensystem- Glass-Steagall-Gesetz....
    Geschäftsbanken und Investmentbanken konsequent trennen.
    Anders läuft gar nichts mehr geordnet und sie bekommen gar nichts mehr in Griff. Wenn sie damit noch lange warten, dann ist alles zum Absturz verdammt.
    Aber , sie sind ja unbelehrbar.
    Was sie tun das hilft nichts, was sie tun müssten, das tun sie nicht. Wer hält sie denn davon ab. Wem müssen sie denn
    gehorchen? In wessen Interesse handeln denn unsere EU-Politiker? Wer gibt denn da das Komando? Da stinkt was gewaltig.
    Weitere Schritte müssten dann natürlich noch folgen.

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