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Bilanz 10 Jahre Unternehmergesellschaft – Die erstaunliche Karriere von Zypries' Mini-GmbH

Gaunermodell „UG“? Über die Unternehmergesellschaft ist viel gelästert worden. Eine Bilanz zeigt: Die Mini-GmbH kann als Erfolg gewertet werden.
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Die erstaunliche Karriere von Zypries' Mini-GmbH Quelle: dpa
Brigitte Zypries

Die damalige Bundesjustizministerin hat die Gesellschaftsform eingeführt.

(Foto: dpa)

BerlinAm Anfang gab es vor allem spöttische Deutungen für die neue Rechtsform der Unternehmergesellschaft, kurz UG: „Unter Gaunern“, „Unsaubere Geschäfte“ oder „Unter Geiern“. Anlass für die Schmähungen war der Umstand, dass diese Mini-GmbH schon ab einem Euro Stammkapital ins Leben gerufen werden konnte.

Sie war also wesentlich geringer kapitalisiert als die reguläre GmbH mit einem Mindeststammkapital von 25.000 Euro. Darum auch der stigmatisierende Firmenzusatz Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt).

Zehn Jahre ist es nun her, dass die Mini-GmbH von der damaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) geschaffen wurde, als deutsche Alternative für den Boom, den die nicht börsennotierte britische Limited bei Gründern hierzulande ausgelöst hatte. Doch entstand tatsächlich ein „Gaunermodell“? Oder entpuppt sich die Reform letztlich als Erfolg?

Das haben nun zwei Wissenschaftler aus Jena analysiert: Walter Bayer, Direktor des Instituts für Rechtstatsachenforschung zum Deutschen und Europäischen Unternehmensrecht, und Thomas Hoffmann, geschäftsführender Assistent. Die Bestandsaufnahme, die im November in der Zeitschrift „GmbH-Rundschau“ erscheinen wird, liegt dem Handelsblatt vorab vor. Insgesamt dürfe man die Mini-GmbH „wohl als einen relativen Erfolg“ des Gesetzgebers ansehen, betonen die Rechtswissenschaftler. „Jedenfalls war sie die richtige deutsche Antwort auf das Limited-Konkurrenzmodell.“

Laut Analyse werden zum zehnten Geburtstag am 1. November 2018 rund 140.000 UG bestehen. Und würden noch sämtliche „Ex-UG“ hinzugerechnet, die nach einem „Upgrade“ als Voll-GmbH weiterexistieren, läge die Zahl bei mehr als 160.000 Gesellschaften. Allerdings wurden auch zahlreiche Mini-GmbHs mittlerweile wieder gelöscht, etwa wegen Vermögenslosigkeit. Insgesamt gehen die Forscher von rund 200.000 UG-Gründungen aus.

Bei den meisten Mini-GmbHs handelt es sich um kleinere und kleinste Dienstleistungs-, Händler- und Handwerkergesellschaften. UG werden aber auch als Beteiligungs- und Holdinggesellschaften eingesetzt, so etwa bei der börsennotierten und im Frankfurter Prime-Standard-Bereich gelisteten „Hello Fresh SE“.

Im Gegensatz zum kurzfristigen „deutschen“ Limited-Hype, so die Forscher, verdeutliche das nachhaltige Wachstum des UG-Bestands, „dass die Einführung der Mini-GmbH nicht etwa nur ein kurzfristiges Strohfeuer zur Überführung bisher schon einzelkaufmännisch betriebener Unternehmen in die Haftungsbeschränkung war.“ Zum Vergleich: Der Bestand der Limiteds mit deutschen Gesellschaftern habe sich während der vergangenen zehn Jahre praktisch halbiert, auf rund 10.000 Unternehmen.

Die Forscher sehen folglich eine nachhaltige Entwicklung der UG – bei der Einführung war von Kritikern ein frühes und komplettes Scheitern ebenso prognostiziert worden wie „sinnlose Hazard-Gründungen“. Auch habe die UG-Einführung nicht dazu geführt, dass die „klassische“ GmbH Federn lassen musste.

Bayer und Hoffmann betonen indes: „Wo Licht ist, ist allerdings auch Schatten.“ So ergibt sich aufgrund der geringen Kapitalausstattung eine „grundsätzlich hohe Insolvenzanfälligkeit“ der Mini-GmbH, wenn auch mit überschaubarem wirtschaftlichem Schaden. Zudem dienen UG wohl auch als „Vermeidungsversuchsvehikel“ mit Blick auf arbeits- und sozialrechtliche Pflichten.

Die Wissenschaftler ermittelten außerdem, dass Upgrades zur Voll-GmbH sehr schnell stattfinden. Offensichtlich, so die Schlussfolgerung, zeige sich für die Gründer sehr früh, „dass ein Auftreten als gering kapitalisierte UG auf wenig Gegenliebe am Markt stößt“.

Zweifel hegen Bayer und Hoffmann an der Sinnhaftigkeit des komplizierten Ansparmodells, das für die Mini-GmbH gilt. Demnach sind jedes Jahr 25 Prozent des Jahresüberschusses zu sparen. Gerade in den allerersten kritischen Jahren nach Gründung lasse sich aber meist nichts ansparen, geben die Forscher zu bedenken. „Stattdessen mussten recht schnell Kapitalerhöhungen gegen Einlagen durchgeführt werden.“ Sie stellen darum für die Zukunft den Verzicht auf das Ansparmodell zur Diskussion.

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