Bildung Das MINT-Forum müht sich ab – dennoch eilt der Fachkräftemangel von Rekord zu Rekord

Der Mangel an MINT-Fachkräften wird immer größer, zeigen die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft. Einziger Lichtblick: Zuwanderer.
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Der Wirtschaft fehlen mehr als 200.000 nicht-akademische Fachkräfte. Quelle: dpa
Schweißer in einem Ausbildungszentrum

Der Wirtschaft fehlen mehr als 200.000 nicht-akademische Fachkräfte.

(Foto: dpa)

BerlinMINT-Fachkräfte – also solche für Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – sind die knappsten der Republik, ohne sie stockt auch die Digitalisierung.

Diesen Donnerstag findet der 6. MINT-Gipfel statt. Es wartet viel Arbeit, denn trotz tausender MINT-Projekte hat sich kaum etwas gebessert, die „Lage wird immer besorgniserregender“, sagt der Sprecher des Nationalen MINT-Forums, Ekkehard Winter.

Im Mai fehlten nach den neuesten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft, die dem Handelsblatt vorliegen, 324.800 MINT-Kräfte – davon zwei Drittel Nicht-Akademiker. Das ist ein neuer Rekord. Allein die Lücke der IT-Kräfte hat sich seit 2014 auf rund 40.000 mehr als verdoppelt.

Aber „auch für die Digitalisierung brauchen wir nicht nur Informatiker, sondern auch die anderen MINT-Kräfte“, warnt Winter. „Digitalisierung muss in allen MINT-Fächern in Schule, beruflicher Bildung und Hochschule gelebt werden – sonst fällt die deutsche Wirtschaft bald wegen fehlender Spezialisten hinten runter“.

Um jedoch die Weichen in der Schule zu stellen, braucht es die richtigen Lehrer: und gerade MINT-Lehrer fehlen vielerorts. Der jüngste Monitor Lehrerbildung zeigte zudem: grade die, die Schülern den Umgang mit digitalen Medien vermitteln sollen und so auch andere MINT-Fächer besser schmackhaft machen könnten, studieren heute vielfach noch, ohne selbst mit digitalen Medien überhaupt in Berührung zu kommen.

Quereinsteiger könnten hier wertvolle Dienste leisten, erklärt Winter. Nicht nur als Lückenbüßer, sondern auch „um frischen Wind aus der Praxis mitzubringen“, hält er Bedenkenträgern entgegen. „In weiterführenden Schulen wären 10 bis 20 Prozent Quereinsteigern durchaus gut“, sagt er, „allerdings nur wenn sie top vorbereitet – und nicht wie heute üblich einfach in den Unterricht hineingeworfen werden.“

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Kultusminister Helmut Holter (Linke) kündigt „gezielte Werbemaßnahmen“ gegen den Lehrermangel an. Natürlich seien die Länder „auch auf Seiteneinsteiger angewiesen – diese gilt es entsprechend zu schulen und fortzubilden“, sagte er dem Handelsblatt. „Die Länder unternehmen große Anstrengungen zur MINT-Förderung, sowohl was den Schulunterricht betrifft als auch die Lehrerbildung“, verteidigt Holter seine Zunft.

Susanne Ihsen, Professorin der TU München für Genderforschung in Mint-Fächern und MINT-Forums-Mitglied, sieht das anders: „Die allermeisten Initiativen zur MINT-Bildung sind außerschulisch und bisher von Unternehmen, Berufsverbänden, Vereinen und Stiftungen ausgegangen – es ist allerhöchste Zeit, dass das systematisch und gendersensibel auch in den Bildungseinrichtungen umgesetzt und in die Lehrpläne integriert wird.“

„Katastrophal“ findet Winter das nach wie vor geringe Interesse von Mädchen an einer MINT-Ausbildung – trotz der guten Chancen und Verdienstmöglichkeiten und 19 Jahren Girls Day. Sicher, an den Hochschulen steigt die Zahl der MINT-Studentinnen kontinuierlich, aber auf niedrigem Niveau. Doch bei den Azubis sind die Zahlen zu vernachlässigen – MINT-Berufe sind out bei jungen Frauen.

Ändern soll das vor allem die Berufsorientierung in den Schulen, fordern die Mint-Aktivisten. Den einzigen Lichtblick in Sachen MINT bieten die Zuwanderer: 2015 stellten sie schon 452.000 Mint-Akademiker und gut 1,2 Millionen MINT-Fachkräfte.

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