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Bildung in Corona-Zeiten „Auf lange Sicht keine Rückkehr zum gewohnten Unterricht”

Als Zeitmarke für die langsame Rückkehr zum Schulbetrieb haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten den 4. Mai genannt. Doch die Länder handhaben das ganz unterschiedlich.
16.04.2020 - 09:29 Uhr Kommentieren
  • dpa
Die Schulen könnten noch länger geschlossen bleiben. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Quelle: dpa
Schule

Die Schulen könnten noch länger geschlossen bleiben. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

(Foto: dpa)

Berlin Trotz der prinzipiellen Übereinkunft von Bund und Ländern über eine behutsame Wiederöffnung der Schulen geht die SPD-Vorsitzende Saskia Esken von einem langen coronabedingten Notbetrieb aus. „Es wird auf lange Sicht keine Rückkehr zum gewohnten Unterrichtsgeschehen geben”, sagte die frühere baden-württembergische Landeselternvertreterin dem Handelsblatt. „Das Gebot der Stunde heißt also weiterhin digital gestütztes Lernen.” An diesem Donnerstag befassen sich mehrere Landeskabinette mit der praktischen Umsetzung der Beschlüsse.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) teilte am Morgen mit, dass die Abiturprüfungen in der Hauptstadt am Montag beginnen sollen. Los gehe es zunächst mit dem Fach Latein, zwei weitere Prüfungen folgten dann im Lauf der Woche, sagte Scheeres im Interview mit dem RBB-Inforadio.

Für die Wiederöffnung der Schulen sind nach Einschätzung der Lehrer-Gewerkschaft GEW zwei Wochen Vorlauf nötig. „Dafür braucht es eine sorgfältige Vorbereitung”, erklärte die Vorsitzende Marlis Tepe in der „Passauer Neuen Presse”. Die Schulen müssten Unterricht in Kleingruppen organisieren, damit der Abstand eingehalten werden könne. Die Gesundheitsämter müssten Gesundheitschecks vornehmen: „Es braucht ausreichend Seife und Einmalhandtücher. Die Toiletten müssen mehrmals am Tag gereinigt, Türgriffe desinfiziert werden.”

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, zweifelt an der Umsetzbarkeit in so kurzer Zeit. „Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in dieser Pandemie-Situation nötig wäre”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Es fehlt oft schon an warmem Wasser in den Toilettenräumen - von Waschbecken in den Klassenräumen möchte ich gar nicht sprechen.”

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    Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte dem RND: „Es sind viele komplexe Fragen zu lösen, ohne eine Erhöhung der Infektionsrate zu riskieren.”

    Pädagogisch hätte GEW-Chefin Teape ein altersmäßig umgekehrtes Vorgehen als nun geplant empfohlen: „Wir sollten eher mit dem Unterricht der Kleinen in Teilgruppen beginnen und mit den Grundschulen und den Klassen fünf und sechs starten. Die älteren Schüler können schon mehr im Fernunterricht daheim leisten.”

    GEW-Vorsitzender warnt vor mehr Ungerechtigkeit im Schulsystem

    Vorgesehen ist jedoch etwas anderes. Die am Mittwoch von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder gefassten BESCHLÜSSE FÜR DIE SCHULEN IM ÜBERBLICK:

    - Der Schulbetrieb soll ab dem 4. Mai schrittweise beginnen.

    - Zuerst sollen Abschlussklassen, die Jahrgänge davor und die obersten Grundschulklassen wieder in die Schulen kommen.

    - Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen können schon vorher stattfinden. So will Nordrhein-Westfalen damit bereits nach einer kurzen Vorbereitungszeit nach dem 20. April beginnen, also wohl nächste Woche; andere Länder planen das in der Woche darauf.

    - Andere beginnen später: Das von der Pandemie besonders betroffene Bayern will den Schulbetrieb erst ab 11. Mai schrittweise wieder aufnehmen. Allerdings dauert dort wegen des späten Sommerferienbeginns das Schuljahr auch noch länger, so dass der Zeitdruck weniger groß ist.

    - Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) soll bis 29. April ein Konzept vorlegen, „wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann”.

    Die Bildungsminister einigten sich am Abend auf ein prinzipiell einheitliches Vorgehen. „Es gibt ein großes Bestreben, dass wir gleiche Rahmenbedingungen schaffen”, sagte Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs der dpa. „Dafür haben wir jetzt zwei Wochen Zeit”.

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