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Bildung Kinder mit Migrationshintergrund brauchen mehr Hilfe der Schule

Migrantenkinder hängen in der Schule hinterher, und machen seltener eine Lehre oder ein Studium. Experten fordern mehr Unterstützung, auch schon im Kindergarten.
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Vielen Schüler mit Migrationshintergrund bekommen nur ungenügende Förderung in der Schule. Quelle: dpa
Grundschule

Vielen Schüler mit Migrationshintergrund bekommen nur ungenügende Förderung in der Schule.

(Foto: dpa)

Berlin In den Kindergarten gehen sie alle – meint man. Doch von Migrantenkindern zwischen drei uns sechs Jahren besuchen nur 84 Prozent einen Kindergarten – bei Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es 98 Prozent. Noch größer ist der Unterschied bei den Kleinen unter drei: Hier besucht nur jedes Fünfte eine Kita – gegenüber 40 Prozent bei Nichtmigranten.

Deutlich größer sind daher ihre Defizite vor allem in der deutschen Sprache – und entsprechend weniger erfolgreich der weitere Bildungsweg. Das zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu Migranten. Diese stellen heute bereits knapp 40 Prozent der Kinder bis fünf Jahre – Tendenz steigend. 

Weil die Unterschiede so groß sind und über die Bildungslaufbahn noch zunehmen, fordern die Autoren Christina Anger und Wido Geis-Thöne zusätzlich mehr Geld speziell für solche Kitas und Schulen, die besonders viele Migranten betreuen, für mehr Personal. Mittelfristig führe das zu mehr qualifiziertem Nachwuchs – zum Vorteil der Wirtschaft und der Sozialkassen.

Basis für die Schulbudgets müsse ein Sozialindex sein, wie es ihn etwa schon in Hamburg gibt. Um mehr gute Lehrer und Betreuer an Brennpunktschulen und Kitas zu locken, empfehlen sie „Prämienzahlungen und Reduzierungen beim Lehrdeputat“. Dafür müsse die Politik auch auf eine Abschaffung aller Elternbeiträge in den Kindergärten verzichten – das Geld sei anderswo besser eingesetzt.

Daneben müsse aber auch der Zugang zu Kitas leichter werden, fordern die IW-Forscher: So seien vor allem in manchen Städten der Antrag auf einen Kitaprozess so kompliziert, dass gerade Eltern mit schlechten Deutschkenntnisse abgeschreckt würden.

In den Grundschulen sind Migrantenkids diversen Studien zufolge zwar gut integriert, ihre Freude am Schulbesuch ist teilweise sogar überdurchschnittlich hoch. Weil sie jedoch mit Sprachschwierigkeiten an den Start gehen und zudem ihre Eltern im Schnitt schlechter ausgebildet sind und daher weniger helfen können, liegen sie in der 4. Klasse im Schnitt fast ein Jahr zurück. In Hamburg, Bremen und Berlin ist ihr Rückstand noch viel größer – auch weil es dort besonders viele Migranten leben und ihre Kinder oft geballt in bestimmten Schulen lernen.

International liegt Deutschland damit weit zurück: die allermeisten Länder schaffen es viel besser, ihre Migrantenkinder an das Niveau der anderen Schüler heranzuführen. An der Motivation der Eltern liegt es auch in Deutschland nicht: diese streben im Schnitt sogar höhere Bildungsziele für ihre Kinder an, als Nicht-Migranten.

Neben einer weit intensiveren Lese-Förderung in der Grundschule sei das aber auch in den weiterführenden Schulen nötig, so das IW. Auch der renommierte Grundschulforscher Wilfried Bos hatte gemahnt, dass in der 5. und 6. Klassen nachgeholt werden müsse, was die Grundschule versäumt – schließlich kann insgesamt jeder fünfte Viertklässler nicht richtig lesen. Das passiere aber nicht, weil die Lehrer in der Sekundarstufe dafür nicht ausgebildet seien, so Bos. Also würden die kleinen Analphabeten – egal ob Migrant oder nicht – „durchgereicht“.

Während der Folgejahre fallen Migrantenkinder weiter zurück – auch weil es nur in einem kleinen Teil der Schulen spezielle Förderung gibt. Am Ende der Schulzeit stehen dann im Schnitt deutlich schlechtere Schulabschlüsse: Selbst von den in Deutschland geborenen machen gut vier Prozent gar keinen Abschluss, bei Nicht-Migranten ist der Anteil nicht einmal halb so groß. 20 Prozent machen einen Hauptschulabschluss, 28 Prozent einen Realschulanschluss und 48 Prozent Abitur – bei Nicht-Migranten sind es 13, 29 und 56 Prozent.

Auf den ersten Blick liegt daher die Vermutung nahe, das Migranten eher in einer Lehre landen – das ist aber nicht so. Von den 18-20jährigen machten im Jahr 2016 nur gut 30 Prozent eine Berufsausbildung – aber 40 Prozent der  Nicht-Migranten. Das liegt laut IW einerseits an schlechteren Schulabschlüssen, aber auch daran, dass von denen, die das Abitur erreicht, ein größerer Anteil studiert. 

Zudem scheinen die Chancen unterschiedlich zu sein: Von den bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Bewerbern schaffte 2016 nur 29 Prozent den Sprung in eine Ausbildung – bei den Nichtmigranten waren es 47 Prozent.

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