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Bildung NRW will Ausbildung von Wirtschaftslehrern ändern – und erntet Protest

Das Land NRW will angehende Lehrer an den Unis fortan in Wirtschaft ausbilden – und plant, dafür das Fach Sozialwissenschaft zu streichen. Verbände und Gewerkschaften laufen dagegen Sturm.
19.01.2021 - 13:29 Uhr Kommentieren
Das Fach Sowi soll aus dem Lehrplan gestrichen werden. Quelle: dpa
Unterricht

Das Fach Sowi soll aus dem Lehrplan gestrichen werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist eines der großen Prestigeprojekte der schwarz-gelben Landesregierung in NRW: die Einführung des Schulfachs Wirtschaft. Seit Schuljahresbeginn werden Schüler weiterführender Schulen in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland flächendeckend in dem neuen Fach unterrichtet. Bislang haben Lehrkräfte das Fach gelehrt, die Sozialwissenschaften studiert haben – ein Fach, das Politik, Ökonomie und Soziologie vereint. Doch damit könnte bald Schluss sein.

Die NRW-Landesregierung plant nun, das Fach Sozialwissenschaften an den Universitäten abzuschaffen. Stattdessen sollen angehende Pädagogen das Fach Wirtschaft-Politik studieren. Das geht aus dem Entwurf zur Änderung der Lehramtszugangsverordnung hervor. Diese formuliert, welche Regeln gelten, um später als Referendar in den Schuldienst zu gehen. Mit der Änderung will die NRW-Landesregierung erreichen, dass Studien- und Schulfach miteinander harmonieren.

Mit der geplanten Änderung der Lehrerausbildung forciert das Land NRW die letzte Etappe beim Fach Wirtschaft. Schon seit Jahren kritisieren Verbände und Politiker, dass Sozialwissenschaften-Lehrer im Studium zu wenig ökonomische Inhalte lernten.

Bis jetzt sind die Änderungen noch nicht vom Kabinett verabschiedet. Die Bildungsverbände haben aktuell noch die Möglichkeit zur Stellungnahme, heißt es aus dem Schulministerium. Doch diese und Lehrergewerkschaften sind von den geplanten Änderungen wenig begeistert.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW NRW) und die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) fordern die Landesregierung dazu auf, Sozialwissenschaften beizubehalten. „Eine nachvollziehbare Begründung für die Abschaffung des Fachs gibt es nicht“, sagt DVPB-Landesvorstand Reiner Schiffers. Sozialwissenschaften als Integrationsfach politologischer, ökonomischer und soziologischer Facetten sei am besten dafür geeignet, komplexe Sachverhalte zu vermitteln.

Wirtschaftslehrer erst 2028 ausgebildet

Das Problem: Mit der Abschaffung von Sozialwissenschaften als Lehramtsstudienfach drohen angehende Sowi-Lehrer ihre Fakultas zu verlieren. Zwar können die Universitäten das Fach weiterhin anbieten, da es akkreditiert ist. Aber: Schon im Sommer hieß es aus dem NRW-Schulministerium, dass Sowi-Studierende künftig nicht automatisch eine Lehrbefähigung für das Fach Wirtschaft erhielten. Auch seit Jahren im Schuldienst stehende Pädagogen dürften nur noch „vertretungsweise breiter unterrichten“.

In Zukunft, so sieht es das NRW-Schulministerium vor, sollen Lehrkräfte eine vollumfängliche Fakultas für das Fach Wirtschaft erhalten, wenn sie es an einer Universität studiert oder sie einen Zertifikatskurs besucht haben. Bis die ersten Lehrer das Fach Wirtschaft an einer Hochschule studiert und den Vorbereitungsdienst durchlaufen haben, wird es aber noch dauern. Die Landesregierung rechnet damit erst 2028.

Mit der Änderung der Lehramtszugangsverordnung würde NRW Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg nachziehen. Dort werden Schüler schon seit Jahren im Fach Wirtschaft unterrichtet, und auch die Lehrerausbildung wurde daran angepasst.

Mehr: Plattform-Probleme, Serverausfälle, chaotische Politik: Schulen und Kultusminister haben offenbar nicht genug aus dem ersten Lockdown gelernt, kommentiert Handelsblatt-Redakteurin Barbara Gillmann.

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