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Bildung NRW will Wirtschaft als Schulfach einführen – doch es fehlen Lehrer

Um das neue Fach, das CDU und FDP im Koalitionsvertrag versprochen hatten, hat sich ein erbitterter Streit entfacht. Das Interesse der Schüler ist vorhanden.
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NRW will den ökonomischen Analphabetismus bekämpfen. Quelle: imago/photothek
Unterricht in der Schule

NRW will den ökonomischen Analphabetismus bekämpfen.

(Foto: imago/photothek)

BerlinNach den Sommerferien soll es soweit sein: Die Gymnasiasten in NRW sollen in der Mittelstufe das Schulfach Wirtschaft-Politik bekommen, ab 2020/21 dann auch alle anderen Schularten. Doch noch ist das Gesetz nicht verabschiedet. Und selbst wenn - wird es viele Jahre an Lehrern fehlen, die fachlich dafür ausgebildet sind.

Das Gesetz aus dem Haus von Kultusministerin Yvonne Gebauer (FDP) soll in Kürze verabschiedet werden. Doch da die schwarz-gelbe Regierung nur eine Stimme Mehrheit hat, zittert das breite Bündnis für das neue Schulfach aus Lehrern Wirtschaft und diversen Stiftungen.

Denn rund um das neue Fach, das CDU und FDP im Koalitionsvertrag versprochen hatten, hat sich ein erbitterter ideologischer Streit entfacht. Die NRW-Opposition aus SPD und Grünen ist, im Einklang mit der GEW, strikt dagegen. Statt ökonomischer Bildung fordert Rot-Grün mehr politische Bildung – „Mehr Demokratie wagen ??“ lautet ihr Credo.

„Es geht dabei aber nicht um Inhalte, sondern nur darum, sich als Kämpfer gegen Rechts zu profilieren. Als ob fundierte Wirtschaftskenntnisse nicht ebenso essenziell wären, um billigen Populismus zu durchschauen“, ärgert sich Brigitte Balbach, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes.

Eindeutig vorhanden ist das Interesse der Schüler. Nach regelmäßigen Befragungen des Bankenverbandes wünscht sich die große Mehrheit mehr Informationen zu Ökonomie. Bisher gibt es nur in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen Wirtschaft in der Schule – meist in Kombination mit Politik oder Recht.

Ein Modellversuch mit dem Schulfach Wirtschaft an den Realschulen in NRW ab 2010 fand großen Anklang. Schüler, Lehrer, Rektoren und Eltern wollten es verlängern - doch Rot-Grün ließ das Projekt nach der Machtübernahme auslaufen.

Nun scheint der Kampf gegen den ökonomischen Analphabetismus in NRW kurz vor dem endgültigen Erfolg. Doch Experten für ökonomische Bildung ist das Vorhaben noch zu zaghaft. „Nach den aktuellen Plänen ändert sich am Gymnasium – das in NRW fast zwei Drittel der Kinder besuchen – kaum etwas. In der Mittelstufe wird aus Politik-Wirtschaft Wirtschaft-Politik – in der Oberstufe tut sich nichts“, sagt Dirk Loerwald, Professor für ökonomische Bildung an der Uni Oldenburg.

Er fürchtet, dass die Hochschulen daher „auch kein echtes Fach ‚Wirtschaft‘ im Lehramt anbieten werden, obwohl dies dringend nötig wäre. Hier fehlt es an der nötigen Konsequenz.“

 „Meine größte Sorge ist, dass in NRW kein neues Lehramtsstudium ‚Ökonomische Bildung und Fachdidaktik‘ eingeführt wird“, warnt auch Eva Marie Haberfellner, Geschäftsführerin der Dieter von Holtzbrinck Stiftung, die für ökonomische Bildung trommelt. Denn „das würde eine Vermittlung des Faches Wirtschaft in der gebotenen Fachlichkeit und Fachdidaktik verhindern“.

Skeptische Wirtschaft

Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte, mahnt: Was in anderen Fächern selbstverständlich ist – Unterricht durch Fachlehrer – müsse auch für das Schulfach Wirtschaft gesichert werden. Ohne eine fundierte Fachausbildung seien Lehrkräfte auch weiterhin auf die Unterstützung von Unternehmen, Versicherungen oder Wirtschaftsverbänden angewiesen, deren Mitwirkung am Schulunterricht aber oft als unzulässige Einflussnahme kritisiert werde.

Die Wirtschaft ist skeptisch. „Wir sind noch nicht am Ziel. Es muss sichergestellt werden, dass nicht am Ende eine weich gespülte Lösung herauskommt“, sagt Thomas Rick, Chef der Familienunternehmer NRW. Zudem müsse Laschet „sicherstellen, dass das Fach Wirtschaft nicht beim nächsten Regierungswechsel wieder über die Klippe geht“. Meyer-Schwarzenberger hingegen hofft schon jetzt „auf eine Signalwirkung aus NRW in die vielen anderen Bundesländer ohne Schulfach Wirtschaft“. 

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