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Bildung Von der Grundschule zur Ganztagsgrundschule: Ausbau ermöglicht 100.000 zusätzliche Arbeitskräfte

Das IW fordert einen schnelleren Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen. Vor allem Mütter könnten dadurch mehr arbeiten, viele Kinder profitierten durch mehr Bildungsgerechtigkeit.
11.06.2021 Update: 11.06.2021 - 17:36 Uhr Kommentieren
Ganztagsschulen eröffneten dem IW-Chef zufolge die Chance, „die Bildungspotenziale aller Kinder besser zu erschließen, die Chancengleichheit und Integration zu verbessern und Bildungsarmut zu reduzieren“. Quelle: dpa
Präsenzunterricht in Grundschule

Ganztagsschulen eröffneten dem IW-Chef zufolge die Chance, „die Bildungspotenziale aller Kinder besser zu erschließen, die Chancengleichheit und Integration zu verbessern und Bildungsarmut zu reduzieren“.

(Foto: dpa)

Berlin Ökonomen loben den soeben vom Bundestag beschlossenen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ab 2026: Er ermöglicht Eltern, mehr zu arbeiten, verbessert die Schulbildung der Kinder und finanziert sich mittelfristig zu großen Teilen selbst.

„Insgesamt summieren sich die Effekte mittelfristig etwa auf 50.000 bis 100.000 Vollzeitkräfte“, sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dem Handelsblatt. Auch Helmut Rainer vom Ifo-Institut geht davon aus, dass die Wochenarbeitszeit von Müttern im Schnitt um drei bis vier Stunden steigen könnte.

Die zusätzlichen Ausgaben des Staates für Ganztagsschulen seien also gut angelegt, denn sie „refinanzieren sich schon mittelfristig durch zusätzliche Steuern und Einnahmen der Sozialversicherungen der zusätzlich beschäftigten Mütter“, so Plünnecke. Das IW fordert daher mehr Tempo: „Angesichts der positiven Effekte wäre es wünschenswert, den Ausbau schneller als geplant umzusetzen“, sagte Plünnecke.
Langfristig kämen noch mehr Zusatzeinnahmen hinzu, „denn die Bildungsinvestitionen in die Kinder führen später zu mehr Wachstum und damit Mehreinnahmen“. Denn Ganztagsschulen eröffneten die Chance, „die Bildungspotenziale aller Kinder besser zu erschließen, die Chancengleichheit und Integration zu verbessern und Bildungsarmut zu reduzieren“.

Dazu müssten die Ganztagsgrundschulen „aber auch qualitativ gestärkt, zu Familienzentren weiterentwickelt und hierfür zusätzliches multiprofessionelles Personal eingesetzt werden“.

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    Zentraler Baustein für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

    Auch die Arbeitgeber fordern eine Rundum-Angebot, wie es in anderen Industrieländern längst üblich ist: „Die Kinderbetreuung muss in der Grundschule nach der Kita lückenlos weitergehen“, heißt es bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). 

    Denn der flächendeckende Ausbau des Ganztags im Grundschulalter sei  zentraler Baustein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Fast drei Viertel aller erwerbstätigen Mütter arbeitet bislang in Teilzeit, und dies mit oft nur sehr geringem Stundenumfang.

    Ziel muss es sein, allen Müttern und Vätern, die dies wollen, eine Vollzeit- oder vollzeitnahe Beschäftigung zu ermöglichen und längere Erwerbsunterbrechungen weiter zu reduzieren“, fordert die BDA. 

    Der Bundestag hat an diesem Freitag das „Ganztagsförderungsgesetz“ der großen Koalition beschlossen. Danach haben Kinder, die ab dem Sommer 2026 eingeschult werden, in den ersten vier Schuljahren einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. 

    Wegen der Länder kommt der Rechtsanspruch später als versprochen

    Der Rechtsanspruch kommt jedoch ein Jahr später als von der großen Koalition versprochen, weil die Länder, die dem Gesetz ebenfalls noch zustimmen müssen, mehr Zeit gefordert hatten. Auch hatten sie erreicht, dass der Bund nun mehr zahlt, als er ursprünglich wollte. 

    Vor allem im Osten Deutschlands gibt es schon jetzt eine flächendeckende Betreuung. Um aber überall in Deutschland Ganztagsplätze für Grundschüler zu garantieren, sind in einigen Bundesländern noch milliardenschwere Investitionen in Räume und Ausstattung nötig, und es müssen genügend Erzieherinnen und Erzieher gefunden beziehungsweise ausgebildet werden.

    Nach Angaben der Bundesregierung geht es um rund 800 000 fehlende Ganztagsplätze. Der Ausbau wird Schätzungen zufolge fünf bis sieben Milliarden Euro kosten. Dazu kommen schätzungsweise laufende Betriebskosten pro Jahr von bis zu vier Milliarden Euro. 

    Der Bund stellt den Ländern Investitionshilfen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung und will sich langfristig zudem mit knapp einer Milliarde Euro pro Jahr an den laufenden Betriebskosten beteiligen.

    Kinderhilfswerk fordert mehr Erzieherinnen und Erzieher  

    Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte, kurzfristig die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher zu erhöhen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Ganztagsbetreuung nicht in „mittelmäßigen Verwahranstalten am Nachmittag endet“.

    Ifo-Ökonom Rainer verweist auf den sich abzeichnenden Lehrkräftemangel in den Grundschulen, den die Kultusminister zuletzt „um mehr als 40 Prozent unterschätzt haben“. Daher müssten sie Anreize setzen, damit Lehrkräfte ihre Stundenzahl erhöhten und zudem die Gewinnung, Qualifikation und Integration von Seiteneinsteigern intensivieren. 

    Bildungsexperten setzen große Hoffnungen auf den Ganztag: Vor allem Kinder, die zu Hause nicht gut gefördert werden können oder in deren Familien kein Deutsch gesprochen wird, könnten enorm profitieren. Bedingung dafür sei aber, dass mit den Milliarden Euro nicht nur Hortplätze für den Nachmittag eingerichtet werden, sondern pädagogisch wertvoller, „rhythmisierter" Unterricht über den ganzen Tag. 

    Dann wären Ganztagsangebote „eine der wichtigsten Innovationen der letzten 20 Jahre“, sagt etwa Olaf Köller, Chef des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. Doch dazu kann der Bund die Ländern nicht zwingen.  

    Vor 18 Jahren legte der Bund schon einmal ein vier Milliarden Euro schweres Ganztagsschulprogramm aus. Ziel war auch damals, vor allem benachteiligten Schülern Zusatzangebote zu machen. 

    Das jedoch ist nicht gelungen: Deutschlands Schulen entlassen nach den internationalen Pisa-Tests seit 20 Jahren quasi unverändert ein Fünftel Absolventen, die nicht mal die Mindestqualifikation mitbringen, um etwa eine Ausbildung zu absolvieren.
    Mehr: Kita-Plätze für alle, mehr Geld für Schulen, Bafög-Reform: Die Aufgabenliste der neuen GEW-Vorsitzenden ist lang

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