Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bildungspolitik Schwieriger Forschungspartner: Hochschulen wollen in China selbstbewusster auftreten

China ist ein Forschungsgigant, auf den Deutschlands Wissenschaft nicht verzichten kann. Hochschulen suchen nun Wege, auf Augenhöhe mit dem Land zu kooperieren.
14.09.2020 - 07:46 Uhr Kommentieren
2018 studierten an deutschen Hochschulen gut 280.000 Ausländer – die größte Gruppe bildeten die Chinesen mit 37.000 Studierenden. Quelle: dpa
Universität Kassel

2018 studierten an deutschen Hochschulen gut 280.000 Ausländer – die größte Gruppe bildeten die Chinesen mit 37.000 Studierenden.

(Foto: dpa)

Berlin Aktuell gibt es fast 1400 Forschungskooperationen deutscher Hochschulen mit China. „In vielen Gebieten ist die Zusammenarbeit hochattraktiv, in einigen sogar essenziell“, sagt Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). In den vergangenen Jahren habe es „auf chinesischer Seite allerdings Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit und eine Zunahme rechtlicher Auflagen und organisatorischer Hürden in der Zusammenarbeit“ gegeben, klagt er.

Daher hat die HRK nun umfangreiche Leitlinien formuliert: Sie sollen Hochschulen helfen, Kooperationen auf Augenhöhe zu organisieren, im Zweifel auf Änderungen zu drängen oder die Projekte sogar abzubrechen, wenn die Freiheit der Wissenschaft bedroht ist, Rechte an geistigem Eigentum verletzt oder Forscher gegängelt werden.

Bisher herrscht in weiten Teilen der akademischen Welt Unsicherheit über den Umgang mit China – einzelne Hochschulen sind meist völlig überfordert damit, sich die nötigen Informationen zu beschaffen, um Kooperationen mit China bewerten zu können.

Das reicht von der Formulierung internationaler Verträge bis hin zum Check, ob chinesische Wissenschaftsdelegationen wirklich nur aus Forschern bestehen oder ob auch Parteikommissare darin vertreten sind.  

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Empfehlungen der HRK sollen aber keinesfalls entmutigen, sondern ermutigen. „Notwendig ist ein differenzierter Blick auf die konkreten Rahmenbedingungen, Ziele und Inhalte einzelner Kooperationen“, sagt HRK-Vize Bernd Scholz-Reiter. „So lassen sich gegebenenfalls Klärungen mit den chinesischen Partnern einleiten und gleichzeitig lohnende Entwicklungspfade aufzeigen.“

    China hat sich in den vergangen Jahren zu einem Forschungsgiganten entwickelt, der fast so viel für Wissenschaft ausgibt wie die USA und mehr als die EU insgesamt (siehe Grafik).

    Grafik

    Eine Kooperation ist für viele Einrichtungen also unverzichtbar. Doch damit wächst auch die Gefahr einer „zunehmenden technologischen Abhängigkeit“ von der Volksrepublik, warnte die Expertenkommission Forschung und Entwicklung Anfang des Jahres.

    Zuletzt hätten „zunehmende staatliche Einflussnahme auf Inhalte und Abläufe an den chinesischen Hochschulen und eine wachsende Beschneidung der Wissenschaftsfreiheiten, wie sie sich nach kontinentaleuropäischem Verständnis definieren, die Kooperation erschwert“, heißt es im Papier der HRK. Teilweise sei die Zusammenarbeit dadurch ganz zum Erliegen gekommen.

    Nach einer Analyse des Instituts für globale öffentliche Politik (GPPI) in Berlin rangiert China bei der akademischen Freiheit weltweit in der untersten von fünf Kategorien – zu der auch Länder wie Aserbeidschan und Iran gehören.  

    Chinesische Lehrende sind angehalten, sich in ihren Vorlesungen an die Linie der Partei zu halten und „schädliche Ideen und Ausdrucksweisen“ zu vermeiden, heißt es in den Leitlinien, die unter Leitung von HRK-Vize Scholz-Reiter entstanden. Auch Einzelpersonen sind zur Unterstützung der Sicherheitsdienste verpflichtet.

    Zunehmende Kontrolle

    Vor Ort gestalte sich die Realität je nach Bereich natürlich unterschiedlich, und es gebe in der chinesischen Wissenschaftscommunity verschiedene Wahrnehmungen und Einschätzungen zu diesen Fragen, heißt es in den HRK-Leitlinien. Dennoch sei „der potenziell einschüchternde Effekt dieser Anweisung unverkennbar“.

    Den Austausch wissenschaftlicher Daten erschwert explizit das 2017 in Kraft getretene Cybersicherheitsgesetz der Volksrepublik. So besagt Artikel 37 des Gesetzes, dass „wichtige Daten“, die „Betreiber kritischer Informationsinfrastrukturen“ – zu denen nach Expertenmeinung eben auch Forschungseinrichtungen gehören – innerhalb Chinas erheben oder sammeln, auf dem Territorium der Volksrepublik gespeichert werden müssen und erst nach Freigabe staatlicher Stellen ins Ausland transferiert werden dürfen.

    Von zunehmender Kontrolle betroffen sind auch ausländische China-Forscher: In einer Studie der britischen Universität Cambridge berichteten 2018 26 Prozent von 562 befragten China-Forschern aus den Sozialwissenschaften, man habe ihnen den Zugang zu Forschungsquellen verweigert. Neun Prozent gaben an, Vorladungen durch chinesische Behörden erhalten zu haben. Fünf Prozent kämpften mit Visa-Problemen. Zwei Drittel zeigten sich besorgt über mögliche „Selbstzensur“ von Forschern, die sich mit China beschäftigen.

    Um bei Kooperationen Probleme zu vermeiden, empfiehlt die HRK nun, von Anfang an zentrale Fragen genau zu klären: Das gelte vor allem für die Nutzungsrechte an Infrastruktur und Daten, die auf jeden Fall schriftlich fixiert werden müssten.

    Für den Fall, dass möglicherweise Probleme auftreten, müssten die Hochschulen einen Mechanismus vorbereiten, wer wie über die Zukunft des Projektes entscheidet. Auch sei vorab zu vereinbaren, dass die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen internationalen Gepflogenheiten entspricht.  

    Gleichgewichtige Finanzierung

    Helfen soll auch eine stärkere Vernetzung und gegenseitige Information der deutschen Hochschulen. Hier könnten vor allem die vom Bund geförderten China-Zentren an den Hochschulen eine zentrale Rolle spielen. 

    Je besser deutsche Hochschulen allerdings finanziell dastehen, desto eher sei eine Kooperation mit chinesischen Forschern, die oft über sehr viel Geld verfügen, „auf Augenhöhe möglich“, lautet der Appell an die Geldgeber in Bund und Ländern. Das gelte vor allem für „die zukunftsträchtigen Felder der Spitzenforschung“. Eine überwiegende Finanzierung durch die Chinesen könne allenfalls am Anfang eines Projekts toleriert werden, später müsse die Finanzierung gleichgewichtig erfolgen. 

    Die deutsche-chinesische Kooperation ist nicht nur wegen gemeinsamer Forschung, sondern auch wegen des hochqualifizierten Personals interessant: 2018 studierten an deutschen Hochschulen gut 280.000 Ausländer – die größte Gruppe bildeten die Chinesen mit 37.000 Studierenden. Aus Indien, der zweitgrößten Gruppe, kamen nicht einmal halb so viele.

    Noch größer ist ihre Bedeutung bei den Doktoranden: 15 Prozent aller ausländischen Promotionen entfallen auf Chinesen. Kein Wunder, dass sie als attraktives Nachwuchspotenzial gelten. 

    Doch China unternimmt enorme Anstrengungen, forschende Landeskinder wieder heim ins Reich der Mitte zu holen – hier steht Deutschland nach den USA an zweiter Stelle der Bemühungen. Um mehr davon zum Bleiben in Deutschland zu bewegen, müsse die Willkommenskultur an den Hochschulen deutlich besser werden, so die Hochschulrektorenkonferenz. Denn viele junge Chinesen täten sich oft sehr schwer, hier sozialen Anschluss zu bekommen.

    Deutsche Studierende und Forscher zieht es hingegen nur selten nach China. Und auch das Interesse an der chinesischen Sprache ist zuletzt sogar gesunken. Gerade angesichts der Bedeutung Chinas – in Ökonomie und Wissenschaft – sei es aber unverzichtbar, viel mehr China-Kompetenz aufzubauen, mahnen die Hochschulrektoren ihre Mitglieder zu größerem Engagement.  

    Mehr: EU-Handelskammer drängt auf Investmentabkommen mit China.

    Startseite
    Mehr zu: Bildungspolitik - Schwieriger Forschungspartner: Hochschulen wollen in China selbstbewusster auftreten
    0 Kommentare zu "Bildungspolitik: Schwieriger Forschungspartner: Hochschulen wollen in China selbstbewusster auftreten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%