Biosprit-Chaos Röttgen schürt den Zorn der Autofahrer

Dass der Biosprit E10 kommt, war lange bekannt. Dass er Motoren gefährdet und Tanken teurer macht, auch. Nur Minister Röttgen will das nicht wahrhaben. Das könnte nach hinten losgehen. Ein Kommentar von Dietmar Neuerer
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Dietmar Neuerer, Handelsblatt-Redakteur für Wirtschaft und Politik Quelle: Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer, Handelsblatt-Redakteur für Wirtschaft und Politik

(Foto: Pablo Castagnola)

Langsam, aber sicher sollte auch die deutsche Politik merken, dass sich ohne das Volk kein Staat machen lässt. Der Bürger lehnt das neue Bio-Benzin E10 mit bis zu zehn Prozent Bioethanol-Anteil ab und tankt es nicht. Und er hat gute Gründe dafür: Immerhin sind in Deutschland noch Tausende alte Autos unterwegs, deren Motoren den neuen Kraftstoff nicht vertragen. Selbst bei neueren Motoren ist die Gefahr von Schäden nicht vom Tisch.

Dass diese Erkenntnis aber erst jetzt die Politik erreicht und sogleich den Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle dazu veranlasst, einen „Benzingipfel“ einzuberufen, ist nachgerade eine große Frechheit. Denn dass E10 nicht das ist, was uns die Politik weismachen will, kursiert schon seit Monaten. Doch so kurz vor Einführung des Sprits Anfang dieses Jahres wollte sich eben kein Bundesminister (zuständig fühlen sich für das Thema vier Minister!) damit noch die Finger verbrennen. Am Ende hätte die Politik womöglich einsehen müssen, dass sie sich mit ihrem E10-Wahn verrannt hat.

Denn Fakt ist, dass es keine Vorschrift der Europäischen Union gibt, wonach in Treibstoffen zehn Prozent Ethanol oder Biodiesel enthalten sein müssen. Die einzelnen Mitgliedstaaten können selbst entscheiden, wie hoch der Bio-Anteil sein soll. Deutschland hat sich per Gesetz für den verdoppelten Ethanolanteil entschieden und damit in Kauf genommen, dass Millionen von Autos ausgebremst werden können. Doch schuld sein will selbst Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht an dem Biosprit-Chaos. Im Gegenteil.

Röttgen behauptet vollmundig, dass fast alle Autos das neue Benzin vertragen würden und dass die Nutzung von Biokraftstoffen die richtige Strategie sei. Warum? Weil alles im Sinne der deutschen Autofahrer und der Umwelt sei. Und im Übrigen bestehe ja auch kein Zwang, sondern die Möglichkeit, E 10 an den Tankstellen anzubieten und der Verbraucher könne selbst entscheiden, ob er davon Gebrauch macht oder nicht.

Dass die Bürger schon längst ihre Entscheidung getroffen haben, will Röttgen nicht sehen: E10 ist bereits gescheitert. Und das trifft letztlich auch Röttgen. Zumal er das tut, was Politiker immer tun, wenn ihre Projekte zu wackeln beginnen: sie setzen auf Beharrlichkeit statt auf Vernunft. Er liefert sich damit sehendes Auges dem Zorn der Wähler aus: Wer sich im Autoland Deutschland mit Autofahrern anlegt, hat schon verloren. Und Autofahrer sind ganz besonders nachtragend.

Regierung sollte E10 stoppen
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8 Kommentare zu "Biosprit-Chaos: Röttgen schürt den Zorn der Autofahrer"

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  • Es ist unglaublich was sich Politiker für einen Mist einfallen und Schaden anrichtgen können ohne dass Sie für Ihre Inkompetenz zur Rechenschaft gezogen werden. "Hochstapler" werden dafür zum Rücktritt gezwungen.

  • Der Anteil CO2 an der Luft ist so gering, ca.0,4% und davon kommen nur 4% vom Menschen. Wenn man jetzt bedenkt, das Methan 4-16% der Luft ausmacht und das 1kg Methan ca. 25 mal mehr Treibhauspotenzial hat, dann frag ich mich ernsthaft: für wie unterbelichtet halten unsere Politiker uns? das kann man im Internet nachlesen. der Herr Umweltminister sollte mal ein wenig lesen und ganz nebenbei an seiner Logik arbeiten. wir werden wegen 10% Ethanol im Sprit (den anscheinend keiner freiwillig tankt) nicht unabhängiger vom Öl. Und jetzt will der Minister auch noch vermehrt für den Kraftstoff werben. Meister, das sind Steuergelder die Sie für eine sinnlose und auch ideologisch falsche Sache ausgeben. Die Mär von der Klimaerwärmung durch CO2 ist NICHT wissenschaftlich bewiesen und es werden jährl. MRD. in die Vermeidung 0,0001% CO2 ausgegeben. Auf der anderen Seite stirbt jede sekunde ein Kind an hunger. und da wollen sie Ackerflächen opfern um Energiepflanzen anzupflanzen, so dass es noch weniger Nahrungsmittel gibt?

  • Guter Kommentar, meine volle Zustimmung.

  • Ich denke, wir sollten die Bürgeraktion "Rote Karte" endlich starten: Postkarten, die einfach rot auf der Textseite sind und wo der Bürger auf der Rückseite das Thema oder seine Bemerkungen einträgt, womit er nicht zufrieden ist und ab an das Kanzleramt! Dann kann die oberste Lenkungsperson nie mehr behaupten oder so tun, als wüßte sie nicht, was den Bürgern am Herzen liegt! Zeigt denen die "rote Karte", die Euch ungestraft und fortgesetzt veraschen!

  • E10 ist nur eine versteckte Steuererhöhung. Oder wurden etwa für den 10%igen Ethanolanteil die Mineralölsteuer und die Ökosteuer herausgerechnet? Dann hätte dieser Sprit erkennbar preiswerter ausfallen müssen.

  • Immer wenn die Bürger eine gesetzliche Massnahme ablehnen, dass heißt es, da bestünde noch Informationsbedarf. Die Idee, eine politische Massnahme könnte beim informierten Bürger auf Ablehnung stossen, ist wohl zu abwegig. Mein Wagen ist E10-tauglich. Trotzdem werde ich dem Wagen und der Umwelt diesen Irrsinn ersparen.

  • Für wie doof halten Sie eigentlich uns Autofahrer?
    wir sind bestens informiert über den Lebensmittelzusatz!
    1. Mehrverbrauch von ~ 3 % gegenüber SUPER PLUS, Preis-
    Differenz damit minimal aber sicherer
    2. Risiko für alle Motoren >BMW - Aussage
    Wasseranteil im Öl kann steigen >Schmierung!
    3. Umwelt ja aber nicht auf Kosten Lebensmittelknappheit
    in Entwicklungsländern
    4. Wir sind gegen die "alternativlose Bastapolitik"
    5. Vertrauen? Keins mehr!

    Folge: Deshalb tanken wir Super PLUS und in der Schweiz
    den biofreien Sprit.

  • Vielleicht wäre es gescheiter, Röttgen & Co. würden sich auf die Grundlagen ihrer Politik konzentrieren und endlich zur Kenntnis nehmen, daß es seit einem Jahrzehnt keine Erderwärmung mehr gibt und daß es langsam Zeit wird, den gesamten CO2-Krampf in die Tonne zu treten!

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