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Verschiedene Indikatoren beschreiben die Wirtschaftskraft eines Landes

Doch was unterscheidet Bruttoinlandsprodukt, Bruttosozialprodukt und Bruttonationaleinkommen?

(Foto: dpa)

BIP, BNE & Co. Wieso das Bruttosozialprodukt wenig über die Wirtschaftsleistung aussagt

Um die Wirtschaftsleistung zu beschreiben, gibt es verschiedene Indikatoren. Ökonomen nutzen dazu Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt und Bruttosozialprodukt. Doch was sagen sie aus?
01.04.2021 - 10:40 Uhr 2 Kommentare

Düsseldorf Der ökonomische Begriff Bruttosozialprodukt wurde berühmt, als 1983 die Band Geier Sturzflug sang: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt!“ Dabei ist vermutlich Vielen unklar, was das eigentlich ist. Das Bruttosozialprodukt beschreibt das Einkommen aller Menschen, die Deutschland als ersten Wohnsitz haben.

Doch um die Wirtschaftsleistung eines Landes zu beschreiben, wird in der Volkswirtschaft eher das Bruttoinlandsprodukt (BIP) herangezogen. Im Folgenden steht, was das Bruttosozialprodukt ist, wie es berechnet wird und warum sich das BIP besser als Wohlstandsmaß eignet.

Definition: Was ist das Bruttosozialprodukt?

Das Bruttosozialprodukt umfasst alle Einkommen, die von Deutschen in einem Jahr erwirtschaftet wurden. Ausschlaggebend hierfür ist, dass sie Deutschland als ersten Wohnsitz angegeben haben. In der Volkswirtschaft heißt diese Gruppe „Inländer“. Einkommen von Ausländern, die in Deutschland leben, werden herausgerechnet. Das Bruttosozialprodukt wird inzwischen Bruttonationaleinkommen (BNE) genannt. Reimt sich aber schlechter auf „gespuckt“.

BIP-Definition: Was ist das BIP?

Das Bruttoinlandsprodukt misst den Wert der Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land erwirtschaftet wurden. Quelle: dpa
Container im Hamburger Hafen

Das Bruttoinlandsprodukt misst den Wert der Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land erwirtschaftet wurden.

(Foto: dpa)

Das BIP ist ein Wert, um die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft zu messen. Dazu werden alle Güter, Waren und Dienstleistungen addiert, die innerhalb eines Jahres in den Grenzen eines Landes hergestellt wurden. Davon abgezogen werden alle Vorleistungen, die außerhalb des Landes verrichtet wurden. Etwa, wenn im Ausland Autoteile für einen deutschen Automobilkonzern angefertigt und dann in Deutschland zu einem PKW zusammengebaut werden.

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    Was ist der Unterschied zwischen Bruttosozialprodukt und BIP?

    Im Unterschied zum BIP bezieht sich das Bruttosozialprodukt auf den Wohnort der Arbeitnehmer, nicht auf den Ort der wirtschaftlichen Tätigkeit. Während das BIP regional ausgerichtet ist, orientiert sich das Bruttosozialprodukt daran, wie viel sogenannte Inländer erwirtschaften. Für diesen Indikator ist es daher egal, ob deutsche Staatsbürger in Düsseldorf, China oder auf Mallorca ihr Geld verdienen. Alles zählt zum Bruttosozialprodukt, solange sie ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben.

    Für die Wirtschaftskraft eines Landes ist das BIP aussagekräftiger. Denn Deutsche, die im Ausland ein Unternehmen gründen oder etwa in einem Krankenhaus arbeiten, fördern die dortige Volkswirtschaft.

    Wie hoch ist das Bruttosozialprodukt/BNE?

    Das BNE betrug 2020 rund 3.427 Milliarden Euro. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das deutsche BNE im Vergleich zum Vorjahr um knapp 115 Milliarden Euro gesunken.

    Was ist höher: BIP oder BNE?

    Seit 2004 ist in Deutschland das BNE größer als das BIP. Beispiel: 2019 lag das deutsche BNE 90 Milliarden Euro über dem BIP. Das BIP betrug rund 3,45 Billionen Euro, das BNE 3,54 Billionen Euro.

    Wie wird das BNE berechnet?

    Das BNE wird auf Basis des BIP berechnet. Zum BIP wird das Einkommenssaldo mit dem Ausland hinzugerechnet. Das heißt: Einkommen, die aus Deutschland an im Ausland lebende Menschen gezahlt werden, werden abgezogen. Außerdem werden Einkommen im Ausland von Menschen mit erstem Wohnsitz in Deutschland addiert. Wenn das Einkommenssaldo mit dem Ausland positiv ist, ist das BNE höher als das BIP. Bei einem negativen Einkommenssaldo ist es geringer.

    Wofür wird das Bruttosozialprodukt verwendet?

    Das Bruttosozialprodukt oder BNE ist als ökonomische Größe weniger relevant als das BIP. Dennoch hat das BNE seine Berechtigung: Es gilt zum Beispiel als Indikator für die Einkommen einer Volkswirtschaft. 

    Zudem ist das BNE eine Berechnungsgrundlage dafür, wie viel EU-Mitgliedsstaaten in den Haushalt der Europäischen Union einzahlen müssen. Auch bei den Vereinten Nationen hat das BNE Einfluss darauf, wie hoch die Beiträge der UNO-Mitgliedsstaaten ausfallen. Grundlage dafür ist das BNE der vergangenen sechs Jahre.

    Wie hoch ist das BIP von Deutschland?

    Aufgrund der Corona-Pandemie sank das BIP 2020 zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Quelle: dpa
    Leeres Einkaufszentrum in Frankfurt a.M.

    Aufgrund der Corona-Pandemie sank das BIP 2020 zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

    (Foto: dpa)

    Das BIP der Bundesrepublik Deutschland ist 2020 aufgrund der Coronakrise preisbereinigt um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. 2020 betrug das BIP von Deutschland 3.332,23 Milliarden Euro. Trotz des deutlichen Rückgangs war das BIP von 2020 das drittgrößte in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Das deutsche BIP ist seit Gründung der Bundesrepublik kontinuierlich gestiegen.

    BIP: Wie hat sich das BIP in Deutschland entwickelt?

    Das deutsche BIP ist langfristig stetig gestiegen. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gab es mit 2009 und 2020 bislang nur zwei Jahre, in denen das BIP niedriger war als im Vorjahr. Die Gründe sind offensichtlich: Aktuell macht der Wirtschaft die Coronakrise zu schaffen. 2009 war es die Banken- und Finanzkrise, ausgelöst durch die Lehman-Brothers-Pleite. Beide Krisen bedeuteten einen Rückgang um mehr als 100 Milliarden Euro.

    Insgesamt ist das deutsche BIP deutlich gestiegen. Zum Vergleich: 1963, zum Ende des deutschen Wirtschaftswunders, lag das BIP umgerechnet bei 195,5 Milliarden Euro. Das sind knapp sechs Prozent des heutigen BIPs. Den größten Sprung machte das deutsche BIP nach der Wiedervereinigung: 1991 lag das BIP mit umgerechnet 1.585,8 Milliarden Euro fast 280 Milliarden Euro über dem Vorjahresniveau.

    Welche Länder haben das höchste BIP pro Kopf?

    Die zehn reichsten Länder nach dem BIP pro Kopf sind in diesem Handelsblatt-Ranking gelistet. Deutschland steht mit einem BIP pro Kopf von 46.473 US-Dollar auf Platz 18 hinter Hong Kong, Österreich, Schweden und den Niederlanden.

    Unter den Top 20 der Länder mit dem größten BIP pro Kopf sind insgesamt neun EU-Mitglieder. Irland steht vor allem deshalb knapp hinter der Schweiz auf Platz 3, weil die Insel als Steueroase Großkonzerne anlockt, die ihren Sitz nach Irland verlagern. Im Vergleich zu Deutschland hat Luxemburg auf Platz 1 des Rankings das zweieinhalbfache BIP pro Kopf.

    Wie wird das BIP berechnet?

    Das BIP lässt sich über die Entstehungsrechnung oder die Verwendungsrechnung ermitteln. 

    Die Entstehungsrechnung hat als Grundlage den Produktionswert einer Volkswirtschaft, von dem die Vorleistungen anderer Staaten abgezogen werden. Von dieser Bruttowertschöpfung werden staatliche Subventionen abgezogen und gezahlte Steuern addiert. Das Ergebnis ist das BIP.

    Bei der Verwendungsrechnung werden vier wirtschaftliche Größen addiert, um das BIP zu ermitteln: die Bruttoinvestitionsausgaben, die privaten Konsumausgaben, die Staatsausgaben und das Saldo von Exporten und Importen.

    Wofür wird das BIP verwendet?

    Das BIP gilt in der Volkswirtschaftslehre als einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. So dient das BIP dem Vergleich verschiedener Staaten und ihrer Produktion. Und mithilfe der Veränderung des BIPs lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes abbilden.

    In Relation zum BIP werden Staatsausgaben eingeordnet. Innerhalb der Nato ist zum Beispiel ein wiederkehrender Streitpunkt, dass viele Mitgliedsstaaten wie Deutschland unterhalb der Zielvorgabe bleiben: Die Nato-Beschlüsse sehen vor, dass jedes Mitglied zwei Prozent des BIPs für Militärausgaben einplant. Auch bei öffentlichen Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP lassen sich Staaten vergleichen: Deutschland liegt hier mit 4,8 Prozent zum Beispiel deutlich unter dem Niveau von Schweden, Norwegen und Dänemark.

    Kritik am BIP: Warum wird das BIP als Indikator kritisiert?

    Das BIP als Indikator zum Ländervergleich wird vielfach kritisiert, auch innerhalb der Volkswirtschaftslehre. Denn es hat mehrere Unzulänglichkeiten. Da sich das Maß nur an der Produktion orientiert, werden wichtige Faktoren wie das Ausbildungsniveau, nachhaltiges Wirtschaften, Verteilung von Wohlstand, Umweltverschmutzungen und das Niveau der Sozialleistungen ausgeblendet.

    Außerdem kann das BIP keine unbezahlte Arbeit abbilden, wie etwa häusliche Pflege von Angehörigen und Erziehung von Kindern. Diese sogenannte „Care-Arbeit“, die sich nicht im BIP niederschlägt, wird immer noch überdurchschnittlich viel von Frauen ausgeübt, was sich im Gender Care Gap zeigt

    Das BIP sagt zudem wenig über die Zufriedenheit der Bevölkerung aus. So hat etwa das südasiatische Buthan das Glück seiner Bevölkerung als Staatsziel ausgegeben und misst das Bruttonationalglück. Die vier Säulen dieser Größe sind eine sozial gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, der Schutz der Umwelt, die Förderung kultureller Werte sowie gute Regierungsstrukturen. Da Buthan jedoch als einziges Land auf das Bruttonationalglück setzt, sind die Werte - anders als die des BIP - international nicht vergleichbar.

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    2 Kommentare zu "BIP, BNE & Co.: Wieso das Bruttosozialprodukt wenig über die Wirtschaftsleistung aussagt "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vor allem das BIP pro Kopf, wo Deutschland immer weiter hinterher häschelt.

    • Da kann Ich ja jetzt beruhigt sein, wenn ich mir das BIP von Luxemburg, Schweiz u.a. ansehe.

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