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Konjunktur

Die Luftaufnahme zeigt Containerschiffe, die am Containerterminal in Bremerhaven liegen.

(Foto: dpa)

BIP-Zahlen Warum Ökonomen die deutsche Wirtschaft zu positiv eingeschätzt haben

Das Bruttoinlandsprodukt hat im Jahr 2018 um 1,5 Prozent zugelegt – nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren. Vor allem die Exportwirtschaft hat geschwächelt.
Update: 15.01.2019 - 16:45 Uhr Kommentieren

BerlinNach zwei Boomjahren in Folge hat sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2018 deutlich verlangsamt. Die Wirtschaft ist aber nicht in eine Rezession gerutscht. In einer ersten Schätzung für das Schlussquartal gehen die amtlichen Statistiker von einem „leichten Plus“ aus.

Zusammenfassen lässt sich das Jahr 2018 so: Alles, was mit der Außenwirtschaft zu tun hatte, lief nicht besonders gut. Die Binnenkonjunktur aber präsentiert sich überaus stabil. Nachdem zuletzt die Zahlen für die Exportwirtschaft trübe ausgefallen waren, machte Albert Brackmann, Leiter für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Hoffnung für dieses Jahr.

Der Jahresauftakt sei positiv ausgefallen und stelle die Zeichen für das erste Quartal 2019 auf Wachstum: „Nach einem schwungvollen Start im ersten Halbjahr und einer Delle im dritten Quartal gab es zum Jahresende Anzeichen einer leichten Erholung der deutschen Wirtschaft.“

Nach Einschätzung des Amtes konsumierten die Verbraucher im Schlussquartal mehr als im Sommerquartal, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent geschrumpft war. Im vierten Quartal legten demnach außerdem die Investitionen stärker zu, und sogar die Außenwirtschaft sendete Erholungszeichen. Konkrete Zahlen für das vierte Quartal soll es am 14. Februar geben.

Allerdings: Im Vergleich zur Boomzeit bis Sommer 2018 ist die Wachstumsdynamik stark abgekühlt. Im Gesamtjahr 2018 wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,5 Prozent, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren. „Trotz des schwachen Jahresabschlusses konnte eine technische Rezession gerade noch vermieden werden“, sagte DIW-Chefökonom Claus Michelsen.

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Er wertet die jüngste Entwicklung als Normalisierung nach einer Periode der Hochkonjunktur. Die Abkühlung wird vor allem im Vergleich der optimistischen Erwartungen von vor einem Jahr mit den heutigen Konjunkturaussichten spürbar: Damals erwarteten alle Institute mehr als zwei Prozent Wachstum für 2018. Das Ifo-Institut prognostizierte damals gar ein Plus von 2,6 Prozent.

Für 2019 erwarten die Ökonomen jetzt durchschnittlich ein Wachstum von anderthalb Prozent. „Sollten die Risiken – ein ungeordneter Brexit, eine neuerliche Staatsschuldenkrise im Euro-Raum oder ein Handelskrieg zwischen den USA und anderen Volkswirtschaften – ausbleiben, ist auch in diesem Jahr mit einer ordentlichen Wachstumsrate zu rechnen“, prognostizierte DIW-Volkswirt Michelsen.

Das Ifo ist nun pessimistischer und prognostiziert nur noch 1,1 Prozent. Statistiker Brackmann sieht das sprichwörtliche Glas als halb voll an: 2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge seit 2010 – und es liegt mit diesem Plus immer noch über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 1,2 Prozent, betonte er.

Gestützt wurde die Wirtschaft im vergangenen Jahr eindeutig von der Binnenkonjunktur. Erstmals seit fünf Jahren trug das Dienstleistungsgewerbe stärker als die Produktion zum Wachstum bei. Als Boombranchen zeigten sich 2018 die IT-Branche und das Baugewerbe sowie die konsumnahen Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe.

Allerdings fiel der Zuwachs der privaten Konsumausgaben deutlich geringer aus als in den letzten drei Jahren. Die Sparquote stieg von 9,9 auf 10,3 Prozent. Der Daueraufschwung kam im vergangenen Jahr sehr stark bei den Arbeitnehmern an, betonte Brackmann. Die Löhne und Gehälter erhöhten sich brutto wie netto um 4,8 Prozent. Seit 1994 hat es ein solches Lohnplus nicht mehr gegeben.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen sanken dagegen minimal. Der Aufschwung stärkt also die Mittelschicht, und die Ungleichheit nimmt ab. Einen neuen Rekord gab es bei der Beschäftigtenzahl, die um 562.000 auf 44,8 Millionen stieg. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenzahl nach dem internationalen ILO-Standard auf 3,2 Prozent, den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Weniger gut allerdings geht es der Industrie. Das produzierende Gewerbe, das ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, wuchs mit plus einem Prozent unterdurchschnittlich. „Der Konsumsektor ist erfreulicherweise eine tragende Säule des Wachstums“, sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

„Fundament der hohen Beschäftigung sind jedoch technologischer Vorsprung, Innovationen und Investitionen in die Zukunft“, mahnte er und verlangte von der Politik „schnelle und leistungsfähige Netze nicht nur in der IT, sondern auch im Verkehrswesen“.

Zumindest Investitionen im Verkehr sind 2018 in Gang gekommen. Gerade die staatlichen Investitionen im Tiefbau, zu denen Straßen zählen, legten zu. Insgesamt stiegen die Bruttoinvestitionen des Staates um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein positives Zeichen für Wachstum dürften auch die gestiegenen Investitionen vieler Unternehmen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sein.

Der Außenhandel fiel als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen stieg der Export von Waren und Dienstleistungen (plus 2,4 Prozent) auch 2018, aber nicht so stark wie in den Vorjahren. Die Importe legten kräftiger zu (plus 3,4 Prozent), aber ebenfalls schwächer als in den beiden Vorjahren.

Die Unsicherheiten bleiben, zuerst die Frage, wie hart der Brexit Ende März ausfallen wird. Die von den USA angeheizten Handelskonflikte belasten ebenfalls weiter die Exporte. Dass sich das Wachstum in China stärker als erwartet abzukühlen scheint, könnte auch deutsche Firmen treffen.

Von der seit Jahren positiven Konjunktur und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin der Fiskus. Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2018 zum fünften Mal in Folge mehr Geld einnehmen als ausgeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen stieg auf den Rekordwert von 59,2 Milliarden Euro.

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