Bitkom-Umfrage Deutsche wünschen sich eine digitale Verwaltung

Viele Bundesbürger möchten Anträge lieber online stellen statt auf das Amt zu gehen. Doch einen Datenaustausch zwischen den Behörden sehen sie kritisch.
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Viele Bürger wünschen sich, Anträge bei Behörden per Computer stellen zu können, zeigt eine Umfrage. Quelle: dpa
Papier statt Online

Viele Bürger wünschen sich, Anträge bei Behörden per Computer stellen zu können, zeigt eine Umfrage.

(Foto: dpa)

BerlinDie Deutschen wünschen sich eine digitale Verwaltung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des IT-Verbands Bitkom unter 1006 Personen ab 14 Jahre. Die Studie ist am heutigen Mittwoch veröffentlicht worden. 

Demnach sagen zwei Drittel der Befragten, dass die meisten Behördengänge problemlos auch online erledigt werden könnten. Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit vorangegangenen Erhebungen, die zeigten, dass die meisten Deutschen offen für die digitale Verwaltung sind. 

Besonders groß ist der Wunsch danach, dass Kindergeld und Kitaplatz online beantragt werden können. 62 beziehungsweise 61 Prozent der Befragten wünschen sich das. 41 Prozent würden zudem gern den Antrag auf Elterngeld online erledigen, ein Drittel möchte Urkunden wie die Geburtsurkunde digital bestellen. 

Nach Einschätzung von Experten ist eine digitale Verwaltung in Deutschland derzeit kaum vorhanden. Aufgrund von Gesetzen und fehlender Technologie können so gut wie keine Behördengänge komplett online erledigt werden. Laut einer Erhebung der Europäischen Kommission liegt Deutschland bei der Digitalisierung der Verwaltung derzeit auf Platz 20 im europäischen Vergleich. Auf Platz eins liegt Estland, aber auch Spanien und Frankreich schneiden besser ab. 

Jahrelang ist so gut wie nichts passiert bei der Digitalisierung der Verwaltung. Eine Grundgesetzveränderung in der letzten Legislaturperiode hat es nun ermöglicht, ein gemeinsames Bürgerportal aufzubauen. Um den Reformstau zu beseitigen, soll die Digitalisierung der insgesamt 575 Verwaltungsdienstleistungen auf Bund und Länder verteilt werden.

„Es ist unwahrscheinlich, dass die Verwaltung bis 2022 komplett digitalisiert wird“

Alle Bundesländer sollten in Absprache mit den Kommunen die Digitalisierung von mehreren Dienstleistungen übernehmen, die Lösung sollte dann auf alle Länder ausgerollt werden. Zahlen des Bundesinnenministeriums zeigen jedoch, dass die Verteilung nur schleppend voran kommen. Stand August gab es nur für 347 der insgesamt 575 Verwaltungsdienstleistungen, die online angeboten werden sollen, feste Zusagen von den Ländern.

„Die Bundesregierung muss endlich aktiv werden“, fordert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Auch der Nationale Normenkontrollrat (NKR), ein im Kanzleramt angesiedeltes Beratergremium der Bundesregierung, mahnt zu mehr Eile. „Die Verwaltung setzt noch viel zu selten auf die Möglichkeit, Behördengänge online abzuwickeln“, kritisiert Johannes Ludewig, Vorsitzender des NKR. „Wenn wir es ernst meinen mit den digitalen Bürgerdiensten, dann müssen wir das Tempo hier jetzt deutlich erhöhen.“

Allerdings zeigt die Umfrage auch eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch der Bürger nach einer digitalen Verwaltung und ihrer Bereitschaft, Daten dafür weiterzugeben. 59 Prozent der Bürgern wollen demnach nicht, dass ihre persönlichen Daten unter Behörden ausgetauscht werden.

Das steht jedoch der digitalen Verwaltung entgegen, denn gerade dieses derzeitige Verbot des Datenaustauschs verhindert, dass Behördengänge online erledigt werden können. Ein Beispiel ist das Elterngeld: Hier müssen die Antragstellenden selbst die Dokumente zusammentragen, weil die Behörden sich nicht gegenseitig austauschen können. 

„Wir erleben hier einen seltsamen Widerspruch zwischen dem, wie Bürger mit ihren persönlichen Daten in privaten und sozialen Netzwerken umgehen, und ihrer Bereitschaft, der Verwaltung Daten zu überlassen, um Verwaltungsprozesse zu beschleunigen“, so NKR-Chef Ludewig. Der NKR plädiert für eine Modernisierung der Register nach dem Vorbild von Österreich. Dort ist es mithilfe eines individuellen Schlüssels möglich, dass die Behörden bei Bedarf Daten miteinander austauschen, ohne dass eine Behörde über alle Daten eines Bürgers verfügt. 

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