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Blue-Card für Flüchtlinge Vorfahrt für geflohene Ärzte oder Ingenieure

Soll hoch qualifizierten Flüchtlingen der Aufenthalt in Deutschland erleichtert werden? Viele Politiker und die Bundesagentur für Arbeit sind dafür. Umstritten ist jedoch, ob hierfür eine EU-weite Regelung nötig ist.
Update: 03.08.2015 - 15:58 Uhr 12 Kommentare
Asylbewerber in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE) in Zirndorf (Bayern; Archivbild): Die Blue Card zur Anwerbung von Fachkräften von außerhalb der EU sollte auch hochqualifizierten Flüchtlingen zugutekommen, sagen Politiker von CDU und Grünen. Quelle: dpa
Aufnahmestelle für Flüchtlinge.

Asylbewerber in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE) in Zirndorf (Bayern; Archivbild): Die Blue Card zur Anwerbung von Fachkräften von außerhalb der EU sollte auch hochqualifizierten Flüchtlingen zugutekommen, sagen Politiker von CDU und Grünen.

(Foto: dpa)

Berlin Es klingt simpel. Der Bedarf an Ärzten, Ingenieuren, Pflegern, Klempnern oder Mechatronikern ist groß in Deutschland. In Flüchtlingsunterkünften gibt es viele qualifizierte Menschen für solche Jobs – oder junge Leute, die es mit einer Ausbildung werden könnten. Warum sollte die Wirtschaft das Potenzial nicht nutzen? Die Forderung wird immer lauter. Doch so einfach ist es nicht.

Bislang sind die Hürden für den Zugang Hochqualifizierter aus Drittstaaten zu den EU-Arbeitsmärkten nahezu unüberwindbar. Von der Blauen Karte, die seit 2012 angeboten wird, haben laut Bundesinnenministerium bislang nur 23.391 Spezialisten Gebrauch gemacht. Vor allem Inder und Chinesen haben das Angebot angenommen. Für sich genommen ist die Zahl der Blue-Card-Inhaber nicht besonders hoch. Das räumte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im April auf einer Migrationsveranstaltung ein. "Aber", fügte er damals hinzu, "rund 90 Prozent aller europäischen Blue Cards werden in Deutschland vergeben."

Der Antragsteller muss ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine feste Stelle in Deutschland nachweisen. Zudem gilt ein Mindestgehalt von 48.400 Euro brutto im Jahr. Nur für bestimmte Berufe, in denen ausdrücklicher Mangel herrscht, gilt eine geringere Gehaltsschwelle.
Die Bundesagentur für Arbeit würde zwar jenen Flüchtlingen mit bester Ausbildung gerne Zugang zur „Blue Card“ geben. Doch für Asylbewerber ist das bisher nicht vorgesehen. Das Asyl-System ist strikt von anderen Zuwanderungswegen getrennt. Wer in Deutschland einen Asylantrag stellt, kann nicht einfach aus diesem Verfahren ausscheren und ein Arbeitsvisum beantragen. Der syrische Arzt müsste erst zurück in seine Heimat, um ein Visum für das „Blue Card“-System zu beantragen. Angesichts von Krieg und Gewalt hält das nicht nur die Spitze der Arbeitsagentur für absurd. Politiker von Union und Grünen plädieren deshalb für eine Reform  der sogenannten Blue-Card-Richtlinie als zentralen Baustein im EU-Recht zur Zuwanderung von Hochqualifizierten aus Drittstaaten in die EU.

„Die Mauer zwischen Asylverfahren und der Arbeitsaufnahme durch die Blue Card muss eingerissen werden“, sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem Handelsblatt. Wer in Deutschland als Flüchtling dauerhaft bleibe, müsse „sofort“ Zugang zur Blue Card haben, wenn die geforderte Qualifikation gegeben sei. „Die Vorstellung“, so Bäumler, „dass Menschen, die aus Syrien geflohen sind, in ihr Heimatland zurückreisen, um dort ein Visum zur Arbeitsaufnahme zu beantragen, ist Realsatire.“

Die Grünen gehen noch einen Schritt weiter und fordern jetzt in einem Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die „Weichen für eine zukunftsweisende Einwanderungspolitik in Europa“ zu stellen. Im Blick haben sie dabei die von ihm angekündigte Überarbeitung der „Blue-Card-Richtlinie“. Die Kommission holt hierzu noch bis zum 21. August ein EU-weites Meinungsbild ein. Juncker will dann irgendwann danach seine Vorschläge für neue EU-Zuwanderungsregeln präsentieren.

„Ihnen (den Flüchtlingen) sollte bei Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen für die Erteilung einer Blauen Karte EU der Wechsel des aufenthaltsrechtlichen Status unbürokratisch ermöglicht werden“, schreiben die Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer und Volker Beck an Juncker. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass qualifizierte und hochqualifizierte Fachkräfte, die in der Europäischen Union benötigt werden, von den Vorzügen der Blauen Karte EU ausgeschlossen bleiben sollen, weil sie sich bereits innerhalb der Europäischen Union befinden.“ Der Brief liegt dem Handelsblatt vor.

Arbeitsagentur stützt Arbeitsmarktöffnung für Flüchtlinge
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12 Kommentare zu "Blue-Card für Flüchtlinge: Vorfahrt für geflohene Ärzte oder Ingenieure"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie wir rst vor ca. 14 Tagen lesen konnten, haben wir Ärzte zu viel.
    Also wozu brauchen wir Ärzte?
    Und unsre Ing. bekommen keine Jobs und müssen ins Ausland.
    Bin hier irgendwie in der Klapsmühle?

  • Ich habe absolut nix gegen eine bevorzugte Behandlung von "füchtigen" Ärzten oder Ingenieuren ! Denn das sind, so wie es aussieht, bestenfalls Zahlen im Promillebereich ! Allerdings sollte man sich hüten, irgendwelche ( gekauften ? ) "Hochschulabschlüsse" von "Universitäten" aus 1000 und einer Nacht allzu ernst zu nehmen....

  • Wer kein Facharbeiter ist, wird halt dazu ernannt. Das gibt 3000 Teuros im Jahr
    Überschuss, pro Facharbeiter, laut Bertelsmann.

  • Ich war Diplom-Ingenieur. Habe vergessen zu sagen. Danke.

  • Diese Lüge mit Fachkräftemängel ist nicht mehr zu ertragen!
    Ich habe bereits ein 5-jähriges Studium absolviert und habe mein Titel als Ingenieur gehabt.
    Nach 2 Anträgen wurde es abgelehnt. Das Diplom wurde nur formal anerkannt, also inhaltlich - wie in Unterlagen steht - wird es nicht anerkannt. Ich darf weder mein Titel noch Grad führen. Also ich bin komplett - als ob ich nie studiert habe - degradiert worden. Meine Versuche eine Platz (entsprechend der Vorbildung) zu finden, sind gescheitert worden. Also musste ich umschulen. Habe ich mit "2" als Bürokaufmann abgeschlossen. Zur Zeit habe ich 1,3 in der Buchhaltung, 11 jährige Erfahrung im kaufmännischen Bereich u.a. im Export + Ausland. Beherrsche 3 Sprachen. Habe 2 Jahre gearbeitet. Und außerdem Engagiere mich bei der Freiwilligen Feuerwehr aus Liebe zum Land. Nach dem Insolvenz habe meine Stelle wieder verloren. Und was jetzt ? 70 Bewerbungen und nix ! Habe versucht ( versuche immer noch) eine Firma zu gründen ( im IT Bereich). Keine Unternehmenskultur in Deutschland !! Keine Unterstützung ! Nix!
    Ich kenne einen App-Entwickler im Ausland,der gerne in D. arbeiten möchte. Er hat Projekte mit ausländischen Firmen, die seine Fähigkeiten beweisen. Deutsche Personaldiensleistungsfirmen wollten ihn haben. Konnten aber nix machen, weil er sein Studium abgebrochen hat, was in Deutschland unzulässig ist. Amerikaner und Englander haben kein Problem mit ihm zu arbeiten. Deutschland tut sich schwer... So viel zu Qualifizierten Arbeitskräften! Bei uns in Deutschland vieles ist krank! Und helle Köpfe machen einen großen Bogen um Deutschland.

    Danke.Ich hätte nie gedacht, dass in D. sowas möglich ist.

  • Bevor wegen des Fachkräftemangels Panik ausbricht ein paar Zahlen.

    Die EU hat derzeit ca 26 000 000 Arbeitslose. Dies entspricht einer Quote von ca 11 %

  • Es gibt überhaupt gar keinen Mangel an Ingenieuren in Deutschland. Ich habe dieses Jahr schon viele Bewerbungen von Absolventen in den Fingern gehabt, die trotz guter Zeugnisse seit einem Jahr keine Stelle gefunden haben!!!

  • Durch häufige Änderungen der offiziellen Berufsbezeichnungen haben manche Personalabteilungen schon den Durchblick verloren. Die Stellenangebote sind oft eine absurd lange Aufzählung von angeblich nötigen Kenntnissen, die mit dem gesuchten Beruf z.T. gar nichts zu tun haben und dann wird eine Bezahlung nach einem "Mindestlohntarifvertrag" geboten ... Vermutlich sollen derartige Stellenangebote nur die Kunden beeindrucken.

  • Das wird nichts mit den Ingenieuren. Diejenigen, die gute Chancen und ausreichend nutzbares Hirn im Schädel haben, machen einen maximalen Bogen um Deutschland! Nicht für jeden Menschen ist es eben der größte Lebenstraum, im Wesentlichen für den Luxus-Sozialstaat zu arbeiten.

    Die deutsche längst krankhaft sadistische Gleichmacherei hält die hellen Köpfe von unserem Land auf das allerwirkungsvollste fern und die vorhandenen werden in einer Welt, in der es fast nur ums Geld geht ungesund verzwergt. Nur weiter so, dann haben die anderen bald wenigstens ein böses Beispiel zum Lernen!

  • Ich kann die Lüge mit dem Fachkräftemangel nicht mehr hören. Ja es gibt in einigen Berufsfeldern ein Mangel an Fachkräften aber daran ist die Wirtschaft ja nicht unschuldig. Wer hat sich denn jahrelang mit Ausbildungen zurückgehalten und/oder schlecht bezahlt, so das viele deutsche Fachkräfte ins Ausland abgewandert sind? Das war die Wirtschaft die jetzt so jammert!
    Und echte Fachkräfte aus dem Ausland machen eh einen Bogen um Deutschland, da in vielen anderen Ländern (USA, Kanada, Schweiz, Norwegen usw.) die Bedingungen viel besser sind als in Deutschland.

    Außerdem möchte ich bezweifeln das unter den aktuellen Asylbewerbern so viele Ärzte und Ingenieure usw. sind bzw. die jungen Leute schon mit den Hufen scharen, um hier endlich arbeiten zu dürfen.

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