Bonus-Debatte Ackermann unterstellt Schäuble fehlenden Anstand

Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geht Wolfgang Schäuble scharf an und will nicht freiwillig auf seine Bonuszahlungen verzichten. Auch Union-Fraktionschef Volker Kauder hat sich in die Diskussion eingeschaltet.
Update: 23.11.2016 - 13:15 Uhr 13 Kommentare
Der deutsche Finanzminister hat kein Verständnis für die Argumentation von Josef Ackermann. Quelle: Reuters
Wolfgang Schäuble (CDU)

Der deutsche Finanzminister hat kein Verständnis für die Argumentation von Josef Ackermann.

(Foto: Reuters)

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für dessen Absage an einen Verzicht auf Bonuszahlungen seines früheren Arbeitgebers kritisiert. Die Erklärung, man könne mit Rücksicht auf andere Manager nicht auf die Auszahlung der auf Eis gelegten Boni verzichten, sei eher etwas für die Fastnacht oder den Karneval, sagte Schäuble am Dienstag in Berlin bei einer Politik-Konferenz der Deutschen Presse-Agentur - ohne Namen und Institut zu nennen: „Leider ist das kein Witz, sondern es ist zum ...“

Ackermann kritisierte am Abend Schäuble für die Äußerungen scharf. „Herr Schäuble findet es offenbar gut, Kollegen oder ehemalige Kollegen öffentlich bloßzustellen. Ich habe ein anderes Verständnis von Anstand“, teilte Ackermann der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der frühere Chef der Deutschen Bank hatte vergangene Woche erklärt, er wolle nicht freiwillig auf die von Deutschlands größtem Geldhaus einbehaltenen Bonuszahlungen verzichten. Er könnte zwar durchaus grundsätzlich von Ansprüchen absehen, wolle dies aber mit Rücksicht auf andere frühere Manager des Instituts nicht tun. „Das kann ich gar nicht“, hatte Ackermann gesagt. Die Deutsche Bank hat auch wegen hoher Strafzahlungen und Milliarden-Rückstellungen in Folge von Rechtsstreitigkeiten aus früherer Zeit mit Problemen zu kämpfen.

Auch Union-Fraktionschef Volker Kauder hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Er kritisierte Ackermanns Nein, auf Boni seines Ex-Arbeitgebers zu verzichten. „Das hat was mit Fasnacht und Karneval, aber nicht mit ernsthaftem Wirtschaften in unserem Land zu tun“, sagte Kauder und schloss sich entsprechender Kritik von Schäuble an.

Zudem kritisierte Kauder angesichts der Abgasaffäre und des geplanten Arbeitsplatzabbaus bei Volkswagen die Auszahlung von Manager-Boni. Kauder sagte am Mittwoch im Bundestag, die Bonuszahlungen bei dem Autokonzern seien „kein gutes Beispiel für die Kultur in diesem Land.“ Er wünsche sich, „dass sich die großen Aktiengesellschaften ein bisschen sensibler in der Öffentlichkeit bewegen“. Volkswagen steht unter dem Druck der Abgasaffäre. Bis zu 30.000 Jobs sollen bei dem geplanten Konzernumbau wegfallen.

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  • dpa
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13 Kommentare zu "Bonus-Debatte: Ackermann unterstellt Schäuble fehlenden Anstand"

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  • ???? Wie kann ein Finanzminister, dessen Job es ja ist, die Bürger unter Androhung von staatlicher Gewalt auszurauben, Anstand besitzen????
    Und dann auch noch ein Finanzminister, der als ESM-Gouverneur ein steuerfreies(!!) Gehalt bezieht, dessen Höhe unbekannt ist und weder vom Volk festgelegt wurde noch kontrolliert werden kann!!

  • Der gute Herr Ackermann hat doch mit zweifelhaften Geschäften das große Geld für die Deutsche Bank generiert, für das diese wiederholt zu großen Strafzahlungen verdonnert wurde. Die ganzen großartigen Gewinne lösten sich dann 'peu à peu' in Wohlgefallen auf. Und dafür möchte der werte Herr auch noch mit Boni bedacht werden.

    Der Stil Ackermann zeigte sich deutlich beim Mannesmann-Prozess. Und daran hat sich nichts geändert.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

  • nichts gegen hohe Bonuszahlungen, wenn diese durch nachhaltiges Management eine Unternehmens "verdient" sind.
    Bei Bangstern wie Ackermann oder der VW Management Mafia sollten die Strafverfolgungsbehörden wegen Untreue bzw. gewerbsmäßigem Betrug ermitteln.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Schäubles „Ehrlichkeit“ wurde dann ja, wie wir alle wissen, von Frau Merkel mit dem Chefposten im Bundesfinanzministerium „belohnt“. Das ist das Schöne an der Politik, egal welche Verfehlungen man auch begeht, am Ende springt immer irgendwo ein gutbezahltes, sicheres Beamtenpöstchen heraus, dass einen den eigenen Lebensunterhalt bis zur Pension absichert. Hartz IV für Berufspolitiker? Undenkbar!
    Und klappt es nicht mehr in D, dann wirds gestimmt noch was in Brüssel bei der EU.

  • CDU-Generalsekretärin Angela Merkel lobte Schäubles Eingeständnis. "Schäubles Darstellung ist Ausdruck der Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit der neuen Parteiführung, dass wir das, was wir wissen, auch aufdecken. Wir haben nichts zu verbergen", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung".

    Man könnte die Aussage Merkels aus dem Jahr 2000 zu Schäuble dann auch so interpretieren, dass vorher in der CDU Unglaubwürdigkeit und Unehrlichkeit vorherrschten, also bei der alten Parteiführung!

  • http://www.rp-online.de/politik/kohl-soll-cdu-vorsitzenden-zur-aussage-gedraengt-haben-aid-1.2264014

    CDU-Chef Wolfgang Schäuble hat überraschend zugegeben, selbst 1994 eine Bargeldspende von 100 000 Mark vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber angenommen zu haben. Diese Spende habe er der CDU-Schatzmeisterei übergeben, der Beitrag sei aber unter "sonstige Einnahmen" verbucht worden, sagte Schäuble am Montagabend in der ARD-Sendung "Farbe bekennen". Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" soll Altkanzler Helmut Kohl den CDU-Chef zuvor "massiv unter Druck" gesetzt haben, diese Erklärung abzugeben.

  • Herr Schäuble, erzählen SIe doch bitte die Geschichte von einem Geldkoffer der zu Ihnen gewandert ist

  • Aber ja, logisch hat Herr Ackermann ein anderes Verständnis von Anstand; nämlich gar keines !
    Wenn man bedenkt, dass unter seiner Führung ( und ich zähle die Benennung seiner Nachfolger ausdrücklich dazu ), die Deutsche Bank zu einer nachweislich kriminellen Vereinigung verkommen ist, so dass Aktionäre, Kunden und letztlich auch die wenigen anständigen Mitarbeiter der Bank darunter zu leiden haben (und dies nachhaltig), so wäre er besser beraten, seinen Mund zu halten und die zu Unrecht erhaltenen Boni am besten noch gestern zurückzuzahlen.
    Wie geht es, dass man Verluste verursacht und dafür noch Geld erhält ?

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