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Bremen „Das war ein Mordanschlag“ – Attackierter AfD-Politiker meldet sich aus dem Krankenhaus zu Wort

Der AfD-Landeschef aus Bremen wird von Unbekannten schwer verletzt. Bundespräsident Steinmeier spricht von einem „Angriff auf unseren Rechtsstaat“.
Update: 08.01.2019 - 16:15 Uhr 3 Kommentare
AfD-Politiker Magnitz nach Angriff schwer verletzt im Krankenhaus Quelle: dpa
Frank Magnitz

Der Bundestagsabgeordnete wurde von mehreren Personen angegriffen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFrank Magnitz liegt auf einer Trage. Der AfD-Politiker hat die Augen geschlossen, auf seiner Brust kleben Pflaster, die sein Langzeit-EKG messen. Magnitz“ Gesicht ist blutverschmiert, auf seiner Stirn klafft eine tiefe Wunde. So ist es auf einem Bild zu sehen, das die Bremer AfD am späten Montagabend bei Facebook postet, nachdem Magnitz ins Krankenhaus eingeliefert worden ist.

Kurz zuvor war der Bremer AfD-Chef und Bundestagsabgeordnete in der Innenstadt von Bremen von Unbekannten angegriffen worden und hatte dabei das Bewusstsein verloren. „Ich kann mich an kaum etwas erinnern“, sagte Magnitz am Dienstag dem Handelsblatt.

Der Politiker und die Ermittler rekonstruieren die Ereignisse so: Magnitz verließ am Montag um kurz nach 17 Uhr den Neujahrsempfang der Zeitung „Weser-Kurier“ in der Bremer Kunsthalle. Sein Auto hatte er in der Tiefgarage des Theaters am Goetheplatz geparkt. Bis dorthin ist es nicht weit. Im Hinterhof des Theaters wird Magnitz von mindestens drei Männern angegriffen. Wie die AfD später erklärt, schlagen sie mit einem Kantholz auf ihn ein. Die Polizei spricht von einem „unbekannten Gegenstand“.

Der 66-Jährige erleidet eine Gehirnerschütterung. Zwei Handwerker entdecken den am Boden liegenden Politiker. Ein Rettungswagen bringt den schwer verletzten Magnitz ins Krankenhaus. Brüche stellen die Ärzte bei den Untersuchungen nicht fest. „Es grenzt an ein Wunder, dass mein Schädel das ausgehalten hat“, sagt Magnitz.

Im Krankenhaus erinnert sich der Politiker an die beiden Handwerker. Diese hätten ein Fahrzeug beladen. Danach setzt Magnitz“ Erinnerung aus. „Plötzlich kniete jemand über mir und hat mich gerüttelt“, sagt Magnitz.

Die Handwerker berichten ihm: Vermummte Personen seien ihm gefolgt, bevor sie ihn schließlich attackierten. Erst als die Zeugen sich dem Tatort näherten, hätten die Angreifer von ihrem Opfer abgelassen und die Flucht ergriffen. „Das war ein Mordanschlag“, sagt Magnitz. „Wenn die Handwerker nicht gewesen wären, dann wäre ich jetzt tot.“

Der Politiker ist inzwischen auf dem Weg der Besserung, aber einige Tage muss er wohl noch im Krankenhaus bleiben, bevor er zurück nach Hause zu seiner Familie kann. In dieser Woche hat Magnitz alle seine Termine abgesagt, ab Montag will er langsam wieder einsteigen. Mit Polizeischutz – den habe ihm das Bundeskriminalamt in Aussicht gestellt.

Die AfD-Führung reagierte am Dienstag empört auf den Vorfall. Alexander Gauland, Chef von Partei und Bundestagsfraktion, erklärte: „Die feige, lebensbedrohliche Gewalt gegen unseren Fraktionskollegen Frank Magnitz ist Ergebnis der Hetze von Politikern und Medien gegen uns. Ist der Kampf gegen uns erst erfolgreich, wenn Menschen sterben?“ Wer sich jetzt nicht gegen diese Gewalt öffentlich ausspreche, mache sich mit den Tätern gemein. Der Thüringer Landeschef Björn Höcke sprach von „Weimarer Verhältnissen“.

„Geeint und entschlossen entgegenstellen“

Regierungssprecher Steffen Seibert verurteile den „brutalen Angriff“ scharf. „Hoffentlich gelingt es der Polizei rasch, die Täter zu fassen“, twitterte er. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: „Jede Form der Gewalt gegen Mandatsträger ist ein Angriff auf unseren Rechtsstaat. Dem müssen wir uns geeint und entschlossen entgegenstellen.“

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, wer ein solches Verbrechen verübe, müsse „konsequent bestraft werden“. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: „Gewalt kann und darf niemals Mittel politischer Auseinandersetzung sein.“ FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte dem Handelsblatt: „Es ist ein feiger und hinterhältiger Angriff auf einen frei gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestags und damit auf einen Repräsentanten unserer freiheitlichen Demokratie.“

Der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling verurteilte den Angriff und wünschte Magnitz „gute Besserung“. Auch Vertreter von Grünen und Linken äußerten Betroffenheit.
In Bremen fahnden eine Sonderkommission der Polizei und Ermittler des Bundeskriminalamtes nach den Tätern. Die Bremer Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen versuchten Totschlags ein.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hält einen politischen Hintergrund für naheliegend. Sollte sich bestätigen, dass der Angriff aus einem Hinterhalt geplant war, „könnte die Polizei dies als Mordversuch einordnen“, sagte er dem Handelsblatt. „Das Strafmaß läge in diesem Fall bei zehn Jahren oder sogar mehr.“

Die AfD vermutet die Antifa hinter dem Angriff. Diese sei sehr aktiv und habe in der Vergangenheit bereits zahlreiche Aktionen gegen die AfD durchgeführt, darunter auch Angriffe gegen Räumlichkeiten der Partei. Zuletzt hatte es auch Anschläge auf AfD-Büros in den sächsischen Städten Döbeln und Riesa gegeben. Am Freitag beginnt der AfD-Bundesparteitag in Riesa. Die Polizeidirektion Dresden kündigte am Dienstag verstärkte Schutzmaßnahmen an – als Reaktion auf den Vorfall in Bremen.

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3 Kommentare zu "Bremen: „Das war ein Mordanschlag“ – Attackierter AfD-Politiker meldet sich aus dem Krankenhaus zu Wort"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hoert sich nach einer typischen Gewalt-Aktion von ANTIFA an, unterstuetzt von DieLinke, DieGruenen, und der SPD. Glauben Sie nicht? Einfach mal googeln was linke Gruppen zu dem Anschlag schreiben.

    Es ist sehr lobenswert, dass das Handelsblatt darueber berichtet - wenn auch ziemlich weit hinten. Ueber Anschlaege auf die AfD, wie zum Beispiel dem Bombenanschlag auf die AfD-Zentrale in Doebeln vor ein paar Tagen, wird garnicht berichtet.

  • Ich erinnere mich noch an RAF-Zeiten und an die damaligen Morde an Politikern und Managern. Da kam bei manchen Linken eine "klammheimliche Freude" auf. Wie ist es heute ? Die Bekundungen vieler hier erwähnten Politiker sind doch - vor dem Hintergrund des sonstigen Verhaltens in der Vergangenheit - an Unglaubwürdigkeit nicht zu überbieten.

  • Özdemir: "Wer Hass mit Hass bekämpft, lässt am Ende immer den Hass gewinnen."
    Da sollte so mancher "Kritiker", der eigentlich nur gehässig ist, in den Spiegel schauen.
    Im eigenen Haus, nicht in die Zeitschrift. Das Ereignis ist nämlich einfach nur Folge einer Hasskampagne gegenüber dieser Partei. Die selbst auch nicht unschuldig ist.
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, manche Hassrede ist geboren aus Futterneid um Posten.
    Die gegenseitige Hassreden der Politiker von extrem Rechts bis Extrem Links kann Argumente nicht ersetzen, sondern erzeugt solche Ereignisse die an Terrorversuch grenzen!
    Es ist Zeit dass die Polizei den Fall zügig aufklärt und die Schuldigen exemplarisch bestraft werden. Wer immer sie seien, da ist auch Jugendalter keine Erklärung!