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Brexit-Folgen Bonn soll Mekka der Klimaforscher werden

Mit dem Brexit sollen die europäischen Erdbeobachtungsprogramme auf den Kontinent umziehen. Deutschland bewirbt sich mit Bonn. Die Konkurrenz ist groß.
21.10.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Sollte Bonn den Zuschlag erhalten, wäre es das führende Zentrum bei Fragen der Klimaforschung. Quelle: AFP
Satellitenaufnahme von Grönland

Sollte Bonn den Zuschlag erhalten, wäre es das führende Zentrum bei Fragen der Klimaforschung.

(Foto: AFP)

Berlin Deutschland bewirbt sich um den Standort für das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). Die unabhängige internationale Organisation hat ihren Sitz derzeit noch im britischen Reading und wird von 22 Mitgliedsstaaten getragen.

Seit 45 Jahren ist sie eine feste Institution im Reigen der Meteorologen und Klimaforscher, liefert zweimal täglich globale Wettervorhersagen und entwickelt mit Hochleistungsrechnern enorm datenintensive Klimamodelle. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum Jahresende dürfte sich dies ändern.

Künftig soll dies nach dem Willen der Bundesregierung von Bonn aus geschehen, schließlich hat die Europäische Kommission den Sitz der Organisation, die die europäischen Programme im Rahmen der Copernicus-Erdobservierungsprogramme umsetzt, ausgeschrieben. Deutschland wirbt seit dem 13. Oktober offiziell mit Bonn.

Die Konkurrenz ist allerdings groß. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen bewirbt sich Spanien mit Barcelona, Portugal mit Lissabon, Frankreich mit Toulouse, Italien mit Bologna, Österreich mit Wien, Irland mit Dublin. Und sogar Großbritannien bewirbt sich, um den Sitz in Reading behalten zu können. Die Mitgliedsstaaten wollen im Dezember entscheiden.

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Standort erkennen

    Sollte Bonn den Zuschlag erhalten, wäre es das führende Zentrum bei Fragen der Klimaforschung. So ist seit Jahren bereits das Klimareferat der Vereinten Nationen in Bonn angesiedelt, hinzu kommen etliche Forschungseinrichtungen. Deutschland verweist in seiner Bewerbung auch auf den Geoverbund Bonn, Köln, Aachen und Jülich und das gerade erst von den Universitäten Bonn und Köln sowie dem Forschungszentrum Jülich gegründete Center for Earth System Observations and Computational Analysis (CESOC).

    „Hohe Fachexpertise vorhanden“

    Dieses sei „auf die strategischen Ziele des EZMW ausgerichtet“, heißt es in der Bewerbung. So würden sich „mehrere Arbeitsgruppen mit den relevanten Forschungsthemen aus den Bereichen Meteorologie, Atmosphärenchemie, Hydrologie, Klimatologie und Paläoklimatologie, Bodenkunde und oberflächennahe Geophysik, Pflanzen- und Agrarwissenschaften, Geodäsie, Fernerkundung (einschließlich Ozeane), Geoinformation sowie Mathematik, Informatik und Informationstechnologie“, befassen.

    Das CESOC sei „eng mit zahlreichen europäischen Infrastrukturen in den Bereichen Erdsystembeobachtung und Hochleistungsrechner verbunden, die vom EZMW genutzt werden können“. Gründungsdirektor Jürgen Kusche spricht von einem „Super-Kompetenzzentrum von internationaler Strahlkraft“.

    Tamara Zieschang, Staatssekretärin im für die Bewerbung federführenden Bundesverkehrsministerium sprach bei der Eröffnung von einer „hervorragenden Ausgangsposition“, die sich mit CESCOC bietet. „Mit den europäischen Programmen ‚Copernicus‘ und ‚digital Earth‘ wollen wir ein besseres Verständnis für unser Klimasystem erreichen. Dazu haben wir den Standort Bonn vorgeschlagen, da dort die benötigte hohe Fachexpertise vorhanden und die Lage in Europa ideal ist.“

    Copernicus ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zum Aufbau einer unabhängigen und leistungsfähigen europäischen Infrastruktur für die globale Erdbeobachtung, an der sich Deutschland beteiligt und die Weltraumkomponente der ESA finanziert.

    Es geht um sechs Satellitenmissionen, die Erdbeobachtungsdaten für Umweltschutz, Klimaüberwachung oder auch die Früherkennung von Naturkatastrophen liefern. Die ESA hat dazu ein viertes Programm aufgelegt, an dem sich Deutschland in der ersten Phase mit 37 Prozent verpflichtet. Dies entspricht für 2021 mehr als 50 Millionen Euro.

    Der Zuschlag Bonns für den Sitz des Klimaforschungszentrums wäre ein Trost für die Bundesregierung, die sich in den vergangenen Jahren bereits um den Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) sowie die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (Eba) bemüht hatte. Die Ema zieht nach Amsterdam, die Eba nach Paris.

    Campus direkt im ehemaligen Regierungsviertel

    Deutschland wirbt dieses mal nicht nur mit Expertise, sondern auch mit Lebensgefühl und viel Geld. Bonn sei „ein großartiger Platz zum Leben und zum Arbeiten“, heißt es in der deutschen Bewerbung. „Wir schlagen vor, einen ikonischen neuen Campus zu errichten, der die Statur des EZMW widerspiegelt“, erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellvertretend für die Bundesregierung.

    Der Campus soll direkt im ehemaligen Regierungsviertel entstehen, das heute als internationaler Campus 21 Einrichtungen der Vereinten Nationen beherbergt. „Der ikonische gläserne Hauptturm, der 2026 fertiggestellt werden soll, wird 16 Stockwerke haben und Platz für bis zu 365 Mitarbeiter bieten“, heißt es in der deutschen Bewerbung.

    „Die voll möblierten und ausgestatteten Büroetagen sind so konzipiert, dass sie Flexibilität hinsichtlich der Raumnutzung bieten“, also Großraum- wie auch eine viele kleinere Büros. „Die Besprechungsräume sind voll möbliert und mit audiovisuellen Systemen ausgestattet“, heißt es weiter.

    Der Konferenzraum bestehe aus einem Auditorium und einem multifunktionalen Veranstaltungsraum. „Das Auditorium verfügt über eine feste, geneigte Bestuhlung für 300 Personen und einen seitlichen Kontrollraum für die Bedienung von Licht, Ton und Präsentationen. Der multifunktionale Veranstaltungsraum bietet Platz für bis zu 250 Besucher und verfügt über Dolmetscherkabinen“, heißt es weiter.

    Ein Bewerbungsvideo mit sprechenden Badeenten gibt es auch bereits. Die Werbeoffensive wird international vom Auswärtigen Amt flankiert.

    Das Gebäude soll dem Klimaforschungszentrum mietfrei angeboten werden. Auch die Betriebskosten seien in den ersten fünf Jahren gedeckt, wie es in der Bewerbung heißt. Die Kosten des Umzugs der Mitarbeiter nach Bonn will das Land Nordrhein-Westfalen übernehmen, vor Ort soll die Stadt helfen, damit sich die Mitarbeiter mit ihren Familien schnell eingewöhnen.

    Mehr: Neue Chance für einen deutschen Weltraum-Bahnhof.

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