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„Brown-to-Green-Report“ Diese Studie zeigt, wie rückständig die G20-Staaten beim Klimaschutz sind

Der Umbau der Weltwirtschaft zu grüner Energie verläuft zu langsam. Immer klarer wird, dass die Pariser Klimaschutzziele außer Reichweite geraten.
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Auch in Deutschland sind die Defizite groß. Die CO2-Emissionen sind höher als 2009. Quelle: Photo by ray laskey on Unsplash
Klimaschutz

Auch in Deutschland sind die Defizite groß. Die CO2-Emissionen sind höher als 2009.

(Foto: Photo by ray laskey on Unsplash)

BerlinDie nächsten zehn Jahre sind die entscheidenden. In dieser Zeit, mahnten jüngst Forscher des Weltklimarats IPCC, müssten die klimaschädlichen Emissionen wie CO2 deutlich sinken, ansonsten seien die Pariser Klimaziele nicht zu erreichen. „Die Zeit rennt uns davon“, warnte Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Alarmstimmung hat einen Grund: Das Engagement, die Wirtschaft international auf einen klimafreundlichen Kurs zu bringen, ist bei Weitem nicht ausreichend. Besonders problematisch: die fehlende Dynamik in den G20-Staaten, den stärksten Volkswirtschaften der Welt. Die Gruppe, die Ende November zu ihrem Jahrestreffen in Buenos Aires zusammenkommt, repräsentiert etwa 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Sie steht gleichzeitig für 80 Prozent der Treibhausgasemissionen. 

Ihr Kurs beim Klimaschutz ist also von größter Bedeutung. Wie rückständig diese Staaten sind, demonstriert jetzt der sogenannte „Brown-to-Green-Report“ der internationalen Initiative „Climate Transparency“, der am heutigen Mittwoch vorgestellt wird. Einmal jährlich seit 2015 legen 14 Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen einen umfassenden Überblick über Klimaschutz in den G20-Ländern vor.

Bezogen auf den gesamten Energiemix ist die G20, das zeigt der Bericht, deutlich mehr braun als grün. Das heißt, sie bezieht noch immer 82 Prozent ihrer Energie aus Kohle, Öl und Gas. Seit 1990 hat sich das nicht grundlegend geändert. Die Emissionen erhöhten sich 2017 um 1,6 Prozent – trotz aller Bekenntnisse zu mehr Klimaschutz nach dem als historisch gefeierten Pariser Klimaabkommen. Und die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass sie 2018 weiter steigen werden.

Die Klimaziele, warnt „Climate Transparency“, reichen nicht aus, um die Erderwärmung auf unter zwei oder gar auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es das Ende 2015 in der französischen Hauptstadt beschlossene Abkommen vorsieht. Wenn sich alle G20-Länder ähnlich schwache Ziele wie die jetzt unambitioniertesten Länder Russland, Saudi-Arabien und die Türkei gesetzt hätten, würde die Welt auf einen Temperaturanstieg um vier bis fünf Grad zusteuern. Insgesamt ist die G20 derzeit auf dem Weg zu plus 3,2 Grad.

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Das wäre eine Dimension, die Klimaforscher mit dem Begriff „gefährlicher Klimawandel“ beschreiben. Schon heute zeigt sich etwa in Kalifornien eine neue Dimension extremer Waldbrände – angeheizt durch den menschengemachten Klimawandel, wie die Forscher vom PIK feststellen. Von allen G20-Staaten hat lediglich Indien Klimaziele beschlossen, die dem angemessenen Beitrag des Landes zur Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad zumindest nahekommen, heißt es in der Studie.

Was allerdings nicht heißt, dass die Emissionen bereits sinken. Sie steigen lediglich weniger stark als erwartet. Und ob die Ziele tatsächlich umgesetzt werden, das wird sich erst in Zukunft zeigen. Auch in Deutschland sind die Defizite groß. Die CO2-Emissionen sind höher als 2009. Dass sie 2018 sinken werden, liegt eher am Hitzesommer und nicht an strukturellen Veränderungen.

Pro Kopf hat Deutschland mit 10,5 Tonnen einen schlechteren Emissionswert als der G20-Schnitt, der bei acht Tonnen liegt. „Deutschland tut bislang deutlich zu wenig, um seine Klimaziele zu erreichen“, sagt Jan Burck von Germanwatch, einer der Autoren der Studie. „Der Report unterstreicht die großen Schwachpunkte im Verkehr, bei den hohen CO2-Emissionen in der Stromproduktion und im Gebäudebereich bei älteren Häusern.“

Benötigt werde „eine tatsächliche Verkehrswende hin zu Verkehrsvermeidung, E-Mobilität und deutlich mehr Bus, Bahn und Fahrrad“. Ein sozialverträglicher Kohleausstieg bis etwa 2030 sei unumgänglich. Zu schwach ist Deutschland auch bei den Klimazielen selbst. Die Bundesregierung, so die Kritik, habe zwar mit dem Klimaschutzplan 2050 eine langfristige Vision vorgelegt, aber diese sei nicht mit den Pariser Klimaschutzzielen vereinbar.

Deutschland in der Verantwortung

Doch es gibt Lichtblicke. Dazu gehört, dass neue Gebäude zunehmend klimaneutral gebaut werden. Auch die Energiewende im Stromsektor ist auf einem vergleichsweise guten Weg. Insgesamt kamen hierzulande 34 Prozent des Stroms 2017 aus erneuerbaren Quellen, im G20-Schnitt sind es lediglich 24 Prozent. Gerade die Länder, die am meisten von der Kohle abhängig sind, haben Schwierigkeiten, beim Zurückfahren der Kohleverstromung schnell voranzukommen.

Ein ambitionierter und sozialverträglicher Ausstieg in Deutschland, sagte Burck, könne ein wichtiges Signal für andere G20-Staaten setzen. Dass Paris durchaus etwas angestoßen hat, zeigen weitere Entwicklungen. So wolle Südafrika seine starke Kohlenutzung deutlich verringern und investiert in erneuerbare Energien, Südkorea hat ein neues Programm für Elektrofahrzeuge eingeführt, und Mexiko plant ein Emissionshandelssystem.

In kaum einem Land ist alles schlecht: So setzt die Türkei in großem Stil auf erneuerbare Energien, baut im Gegenzug aber weiterhin neue Kohlekraftwerke. Problematisch sind die noch immer hohen Subventionen – also Steuerzahlergeld – für fossile Energien. Diese haben sich zwischen 2007 und 2016 von 75 auf 147 Milliarden US-Dollar sogar annähernd verdoppelt.

Dabei hatten die G20-Staaten schon 2009 die Abschaffung ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe beschlossen, was die G7-Staaten 2015 bei ihrem Gipfel in Elmau bestärkten. „Klimapolitisch“, zieht Klimaforscher Edenhofer eine vernichtende Bilanz, „haben wir gerade ein verlorenes Jahrzehnt hinter uns.“

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2 Kommentare zu "„Brown-to-Green-Report“: Diese Studie zeigt, wie rückständig die G20-Staaten beim Klimaschutz sind"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Die Zeit rennt uns davon“, warnte Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Es ist doch unglaublich, wie lange noch diskutieren Politker und Regierungen um den heissen Brei herum bei diesen harten Fakten? Dabei gibt es hoffnungsvolle Alternativen, eine weltweit nutzbare emissionsfreie Energiequelle mit unendlichem Potential. Mit der Vergabe des Physik Nobelpreises 2015 für die Entdeckung der Masse von Neutrinos kam der Startschuss. Neutrinos als kleinste Partikel der solaren Strömung, die uns Tag und Nacht erreicht, sind nutzbar für eine innovative Technologie der Kleinstkraftwerke für die dezentrale und mobile Haushaltsversorgung und ganz klar in der Elektromobilität. Die Berliner Neutrino Energy Group und ihr Team von hochrangigen Wissenschaftlern, wie Prof. Meyl, bieten internationale Patentlösungen und Lizensen diese neue Technologie zu entwickeln. Diese wichtigen Informationen müssen öffentlich werden, um gesellschaftlich und wirtschaftlich Anstoss für Veränderungen und Fortschritt in der Energiewirtschaft zu geben. Schluss mit der Profitgier der grossen Konzerne auf Kosten der Gesundheit vieler Menschen und des gefährdenden Klimawandels.


  • Eine CO2-arme Wirtschaft ist nur durch Verzicht auf Lebensqualität zu erreichen; dafür ist sie einfach zu teuer, wenn sie so betrieben wird wie in Deutschland. Vielleicht ist das in Deutschland sogar noch durchzusetzen; ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Länder, die gerade einen bescheidenen Wohlstand erreicht haben, bereit sind, diesen der CO2-Minderung zu opfern. Deshalb müssen ganz schnell andere Wege beschritten werden, um das Temperaturziel zu erreichen. Ich denke an Aufforstung in großem Stil, Geoengineering, Kernfusion als Energiequelle, Nutzung von Meeresströmungen in gemäßigten Breiten, Beschränkung von Photovoltaik auf Länder, in denen die Sonne zuverlässig scheint.

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