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Brüderle-Vorstoss Ausländer rein – Wirtschaft applaudiert

Seit Jahren versucht die Politik, mehr ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen - bisher ohne großen Erfolg. Die Wirtschaft sieht die Ursache vor allem in den hohen Anforderungen des deutschen Zuwanderungsgesetzes. Nun hat Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eine "Lockprämie" ins Spiel gebracht und eine Initiative angekündigt. Die Wirtschaft applaudiert.
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Zündapp-Moped zur Begrüßung: Armando Rodrigues (l.) war der millionste Gastarbeiter der Bundesrepublik. Quelle: dpa

Zündapp-Moped zur Begrüßung: Armando Rodrigues (l.) war der millionste Gastarbeiter der Bundesrepublik.

(Foto: dpa)

BERLIN. Im Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel haben Politiker und Unternehmer in den vergangenen Jahren bereits mehrere Initiativen gestartet - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erfand 2000 die Green Card für IT-Spezialisten. Seine Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) senkte 2009 die Einkommensschwelle für ausländische Fachkräfte. Und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) macht sich jetzt sogar für eine "Lockprämie" für qualifizierte Ausländer stark.

Die Ursachen des Fachkräftemangels sind vielfältig. Neben einem rückläufigen Angebot an Ausbildungsplätzen schlägt vor allem die demografische Entwicklung auf den Arbeitsmarkt durch. Nach einer Studie von Prognos wird es 2035 in Deutschland zwar viel weniger Arbeitslose geben als heute. Aber weil viele Arbeitslose nicht die geforderten Qualifikationen hätten, schrumpfe die Arbeitslosigkeit insgesamt eben nur von gut drei auf knapp 1,9 Millionen Menschen. Nicht jeder Erwerbslose kann jede freie Stelle besetzen, lautet das nüchterne Ergebnis der Prognos-Forscher.

Bis zum Jahr 2014 werden der deutschen Wirtschaft rund 220 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen, hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ausgerechnet. Wenn es bis dahin nicht gelingt, mehr Nachwuchs auszubilden, könnte die Lücke bis 2020 schon auf 425 000 wachsen. Nach Ansicht von IW-Chef Michael Hüther hat der Fachkräftemangel erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. "Der Fachkräftemangel, der sich nahezu unberührt von der Krise zeigt, bildet eine immer größere Hürde für die Expansion des Volkseinkommens.

Die unbesetzten Stellen mit höherem Qualifikationsniveau beschränken über die Muster der Arbeitsteilung in den Unternehmen zugleich die Erwerbschancen der geringer Qualifizierten. Bereits jetzt gelingt es uns nicht mehr, den altersbedingten Verlust an Facharbeitern durch entsprechend qualifizierten Nachwuchs auszugleichen", sagte Hüther. Dabei könne eine Verbesserung der Beschäftigungslage den Konsum ankurbeln. "Nimmt die Beschäftigung um ein Prozent zu, so erhöht sich die Konsumnachfrage um ein Prozent", argumentiert der Wissenschaftler. Das IW bezifferte den Verlust an Wertschöpfung durch Fachkräftemangel auf gut drei Mrd. Euro.

Bereits im letzten Aufschwung hatten die Unternehmen den Fachkräftemangel zu spüren bekommen - und nicht alle offenen Stellen besetzen können. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt den Fachkräftemangel im Jahr 2030 auf rund fünf Mio. Arbeitskräfte. Vor allem Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss oder beruflichem Abschluss würden zur Mangelware, so die Prognose. Jede vierte Akademiker-Stelle und jeder zehnte Posten für Menschen mit beruflichem Abschluss dürfte 2030 unbesetzt bleiben. Besonders knapp werden dann Ingenieure und Naturwissenschaftler sein. Die Wissenschaftler schlagen deshalb eine längere Lebensarbeitszeit und eine gezielte Zuwanderung vor. Ausländische Fachkräfte müssten besser integriert und die Anreize zum lebenslangen Lernen deutlich verstärkt werden.

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10 Kommentare zu "Brüderle-Vorstoss: Ausländer rein – Wirtschaft applaudiert"

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  • werte Fachkräfte es gibt für deutsche fachkräfte genug gründe in vielen unternehmen nicht anzufangen.
    Mobbing,Zeitarbeitsverträge,keine ehrlichkeit verlagerung des feierabends auf die 25 igst stunde,eingeplanter gewollter verschleiss der arbeitnehmer mit utopischen anforderungen an ihn.geht bitte nicht zum betriebsrat zwecks beschwerden,in den meisten fällen meldet es er an die konzernleitung weiter.psychisches unter druck setzen jeden tag erfolge zu realisieren,bei steigerung deiner effiziens ohne inflationsausgleich und keine annerkennung bzw. lohnerhöhung,das erwartet euch in einem DE-konzern,glaut es bitte bevor ihr nicht arbeitsverträge mit einen anwalt ausarbeitet der so etwas verhindert bleibt dort wo ihr seit oder wollt ihr auch zu den arbeitslosen deutschen ing.zählen die verpackungsgrössen in DE sind freigegeben worden,was musste ich feststellen es ist weniger drinn aber die verpackung ist manipuliert

  • Die 220.000 Fachkräfte findet die Politik und Wirtschaft in Norwegen, Dänemark, Schweiz, England und USA. in den letzten drei Jahren sind so ca. eine 1/2 Mio abgewandert.
    Warum? Weil man sie hier mit über 40 ncht mehr eisntellt, Studienabgänger nur als unbezahtle Praktikanten beschäftigt und außerdem kaum noch ausbildet.
    Das Niveau und die Lerninhalte in usneren Schulen bewußt steitig nach unten absenkt, damit man dann behaupten kann, die Schulabänger seinen zu blöde für eine Lehre.
    Die, die jetzt Zuwanderung fordern, sollte man auf dem Marktplatz zusammen treiben und öffentlich verprügeln

  • Fantastisch, was da wieder geplant wird. Aber vielleicht sollte einmal weiter gedacht werden: mein Mann ist als "ausländische Fachkraft" (sprich als ingenieur in einer Fachrichtung an deutschen Universitäten gar nicht erst gelehrt wird!) seit mehr als einem Jahr für ein deutsches Grossunternehmen tätig. Er und noch zwei ebenfalls nicht-deutsche Kollegen haben das Fachwissen. in welcher Sprache meinen Sie werden die Team Meetings gehalten? DEUTSCH. Die Konverenzschaltungen? DEUTSCH. Der E-mail Schriftverkehr? DEUTSCH. Fachvermittlung and die deutschen Kollegen ist nihil, weil die sich weigern, Englisch zu sprechen. Seine beiden Kollegen schauen sich bereits im Ausland um, wie lange mein Mann es da noch aushält, ist die Frage. Folglich laufen der industrie die so wichtigen Fachkräfte wieder weg. Und ich als Deutsche, (noch) tätig im Ausland, habe nie ein Problem gehabt. Warum? Weil sich meine Kollegen Mühe geben mit mir zu kommunizieren. Und ich mit ihnen.
    Deutschland, Deutschland, Du hast noch ViEL zu lernen...

  • Vielleicht sollten die verantwortlichen Politiker ( klar, ist keiner ) mal auf die Länder schauen, die für ausländische Fachkräfte attraktiv sind und sich überlegen, ob sie was falsch machen ...

  • in diesem (und anderen ähnlichen) Artikeln wird ein Grund für den Fachkräftemangel überhaupt nicht erwähnt: Die Abwanderung.
    Man könnte meinen es wäre Absicht.
    Schließlich sind die Gründe für die Abwanderung das katastrophale deutsche Steuersystem (Wird das den angeworbenen Ausländern gesagt?) und die komplette Reformunfähigkeit des Landes.

  • solange wir über 4mio arbeitslose/-suchende haben ist das eher eine frage der gewollten qualifizierung dieses potential. der leser pete-glocke brachte es auf den punkt. dem kann ich nur noch ergänzend sagen:

    lieber wirtschaftsminister und alle applaudierenden "arbeitgeber" nennt doch das kind schon beim richtigen namen, nämlich lohndumping! ich kann mich noch an die diskussionen über die green-card erinnern, da hat man sich auch in der wirtschaft verwundert die augen gerieben als seitens der politik ein mindestlohn für hochqualifizierte kräfte vorgegegben war. meiner meinung war das rechtens und sollte auch, wenn diese leidige debatte weitergeführt wir, auch diesmal vorgegeben werden.

  • ich persönlich halte diese Diskussion für verlogen und vom Thema ablenkend. in der iT-branche z.b. entwickeln sich die Honorare seit Jahren nach unten, weil keiner bereit, für qualifizierte Arbeit auch qualifiziert zu bezahlen. Mit ausländischen "Fachkräften" soll hier nur das Lohnniveau weiter gedrückt werden. Das geschieht gerade bei den Großen schon seit Jahren auch durch das Offshoring. Auch ich denke, dass man gerade in Deutschland viel mehr in bildung investieren muss und nicht nur immer in berlin davon reden.

  • Nach monatelanger Kaufzurückhaltung bedingt durch die Finanzkrise kommen alle aufgeschobenen investitionen zum Tragen - aber von wirklichem Aufschwung auf breiter basis kann noch nicht die Rede sein.
    Trotzdem geht das nervige Gerede vom Fachkräftemangel wieder los. Absolut verlogen, weil noch soviel Potential brach liegt.

    Kirschen die man ausgespuckt hat will man nicht wieder anfassen - mit Unternehmen und ihren Arbeitnehmern ist das genauso.

    Wenn man sich nur mal die Zahlen ansieht, wiewenige beschäftigte jenseits der 50 noch beruflich aktiv sind dann muß erstmal hier ein Umdenken stattfinden.
    Mehr beschäftigung Älterer würde dann auch dem Staatshaushalt helfen, denn es mindert notwendige Sozialausgaben auf längere Sicht.
    Aber Weitsicht in der Politik bedeutet ja bekanntlich nur "bis zur nächsten Wahl".

  • mMn ist das problem auf kurzfrist ein ganz anderes. ich bin selbst ingenieur. wenn man nach dem studium eine stelle sucht und immer nur über zeitarbeitfirmen bei den unternehmen eingestellt wird, dann fängt man an das system anzuzweifeln. bei einem einstiegsgehalt von 2500 eur brutto muss man nicht studieren gehen. ausländische kräfte kann man mit dem gehalt bestimmt locken, da das geld jeden monat gen heimat überwiesen wird und dort der lebensstandart im vergleich zu uns deutlich geringer ist (dieser satz ist nicht politisch gemeint, sondern lediglich eine tatsache). auf lange sicht muss mal geld in das bildungssystem fließen, um unsere zukunft auf eine vernünftige basis zu stellen.

  • Ausländer rein bedeutet Lohndumping für inländer.

    Kurzfristig mag dies für viele Firmen sehr attraktiv erscheinen. Langfristig ist dies jedoch ein Schuss ins eigene Knie, da Ausländer viel Geld heim zu ihren Familien schicken.

    Dadurch geht langfristig die Konsumnachfrage im inland zurück.