Buchpräsentation Altkanzler Schmidt trägt Steinbrück die Nachfolge an

Er wolle sich nicht für weitere Ämter bewerben, beteuerte Peer Steinbrück, doch als er am Donnerstag in Frankfurt seine Buchpräsentation beendete, hatte er genau das getan. Und so stellte Moderator Matthias Nass, stellvertretender Chefredakteur der "Zeit", ihm am Ende doch die drängende Frage, ob er der nächste SPD-Kanzlerkandidat werden wolle. Steinbrück verdrehte die Augen, grinste und meinte nur: "Bis hierher war es doch ein entspannter Abend."
  • Laura de la Motte
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Altkanzler Schmidt: Schulterschluss mit Peer Steinbrück Quelle: dpa

Altkanzler Schmidt: Schulterschluss mit Peer Steinbrück

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FRANKFURT. Einer echten Antwort entzog er sich. Er genieße die freie Zeit. Ein Job in einer Kommission oder einem internationalen Gremium würde ihm mehr liegen. Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D., der als Sparringspartner das Geschehen auf der Bühne mit gestaltete, sagte jedoch augenzwinkernd zum Publikum: "Peer Steinbrück ist noch nicht aus dem Spiel".

Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte die beiden Volkswirte als letzten Tagesordnungspunkt auf ihre Finanzplatz-Konferenz eingeladen. Nach zum Teil sehr eng fokussierten Vorträgen über die aktuellen Banken-Probleme nahmen sie die Weitwinkel-Perspektive ein, die der Veranstaltung bis dato gefehlt hatte. Sie zeichneten ein Bild von den weltweiten wirtschaftspolitischen Entwicklungen unserer Gegenwart – vom aufstrebenden Asien, der Systemkonkurrenz zwischen sozialer Marktwirtschaft und Staatskapitalismus, den europäischen Strukturproblemen und der wachsenden Macht der alternden Bevölkerungsteile mit Gegenwartsinteressen.

Schmidt im Rollstuhl mit schwarzen Kopfhörern, neben sich einen verchromten Standaschenbecher, in dem er an diesem Abend fünf Zigaretten vernichtete, wirkte geistig frisch und weise wie eh und je. Seine globale Perspektive auf die gegenwärtigen Probleme brachte ihm einst den Titel "Weltökonom" ein. Der nüchtern-sachliche Ton von Schmidt färbte auch auf Steinbrück ab. Auf polternde Frustreden wartete man an diesem Abend vergeblich. Stattdessen hatte die Schreibzeit Steinbrück offensichtlich zur ersten Selbstreflektion verholfen: "Meine Zustimmung zur Rentengarantie bedauere ich heute sehr."

Auch zur Abendveranstaltung war das Plenum bis auf den letzten Stuhl mit über 300 Bankern gefüllt. Die ehrfürchtige Anspannung der Masse war deutlich zu spüren. Teilweise übertrieben höflich lachte es über jede lockere Bemerkung der Herren auf der Bühne – egal, ob sie wirklich lustig war oder nicht.

Nur ein einziges Mal griff Steinbrück seine Zuhörer direkt an. Doch auch hier blieb er seltsam ruhig. Er habe das Gefühl, die Party an den Finanzmärkten habe schon wieder begonnen: "Einige haben den Eindruck, sie könnten wie beim Monopoly nach der Ereigniskarte wieder losrennen von der Badstrasse auf die Schlossallee so schnell wie möglich." Er warnte davor: "Unser System der sozialen Marktwirtschaft ist nicht durch rechts- oder linksextreme politische Strömungen gefährdet, sondern durch Exzesse inmitten unserer Gesellschaft, die das Gemeinwohl zerstören." Doch schon im Nachsatz entkräftete er den besonderen Vorwurf: "Dieses Plädoyer halte ich immer hier in Frankfurt."

Wirklich neue Erkenntnisse brachte der kurzweilige Abend denn auch nicht. Dafür zeigte er deutlich welche Sympathie die beiden freiberuflichen Politiker einander entgegen bringen. Altkanzler Schmidt lobte: "Von Peer Steinbrück kann ich noch was lernen." Steinbrück wiederum folgte Schmidts Ausführungen teilweise mit dem Dauernicken eines Fernsehreporters. Und so verwunderte es in der trauten Harmonie auf der Bühne niemandem, dass Schmidt Steinbrück am Ende offiziell seine Nachfolge antrug: "Sie sollten in fünf oder sieben Jahren ihren analytischen Verstand nutzen, eine Theorie der globalen Wirtschaft zu entwickeln."

Schmidt ist heute 91. Der Bedarf nach einen neuen "Weltökonom" könnte in sieben Jahren bereits bestehen. Eine erste Amtszeit als Bundeskanzler könnte Steinbrück dann ebenfalls schon hinter sich haben.

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5 Kommentare zu "Buchpräsentation: Altkanzler Schmidt trägt Steinbrück die Nachfolge an"

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  • Peer Steinbrück ist in der falschen Partei!

  • Das soziale Unglück dieser Republik beginnt mit dem Erklärbär Schmidt. Deichgraf hätte er werden sollen!
    Mit Guillaume und Ölkrise 1973 hat er nichts zutun. Doch mit galoppierenden Preisen, Staatsverschuldung und Verwaltung von Arbeitslosigkeit um so mehr.
    Schmidt, rauch dir eine und halte die Klappe.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Was heißt hier unsympathisch und überheblich. Hier kann es nur um ausreichenden Sachverstand in der Politik gehen, der mit den bankern, die kein mehr will, auf Augenhöhe verhandeln kann.
    bei Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Peer Steinbrück sehe ich große Paralellen, große "Schnauze" sehr viel dahinter.

  • Ein Trauerspiel diese alten Herren, aber über Wahres können sie als Parteipolitiker gar nicht reden. Der eine bedauert die Rentengarantie, die sich im Einzelfall ohnehin nur auf Pfennige beläuft, aber eben mal 140 Milliarden Garantie für Griechenland, die auf jeden Fall fällig werden. Das Land hat überhaupt keine wirtschaftliche basis, um allein die Zinsen für eine derartige Summe aufzubringen und keine Regierung kann das Sparprogramm auf Dauer durchhalten. Und die deutschen öffentlichen Haushalte haben noch viel
    umfangreicher gezockt als die banken. Vor jeder Wahl Milliarden an Wahlver-
    sprechen für Hoteliers etc. Alles für nichtinvestive bereiche, also kein
    Pfennig Ertrag in Form von Steuern oder Zinsen, Ein finanzieller Gegenwert kann nur in einem vagen, auf Verteilungsgerechtigkeit gerichteten sozialstaatlichen Moralismus gesehen werden. Armes Deutschland, vom
    Mittelstand mühsam erarbeitetes bruttosozialprodukt wird laufend von den
    öffentlichen Haushalten und den banken verzockt!

  • ich denke aber mal, so eine Nominierung würde der SPD schaden, denn Steinbrück kommt zu unsympathisch rüber, er ist ein Stück zu überheblich. Außerdem vertritt er ja nachweislich stramm kapitalistische Thesen.
    Wo der Turbakapitalismus uns hingeführt hat, sehen wir ja.
    also nein, da würde die SPD sich wirklich keinen Gefallen tun, so nett das von Altkanzler Schmidt gemeint ist

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